https://www.faz.net/-h4y-16siq

Eishockey : Die Rettung der Frankfurt Lions rückt näher

Packende Torraumszenen am Ratsweg – ein Anblick, den sich Frankfurter Eishockeyfreunde auch in Zukunft wünschen Bild: Wonge Bergmann

Eissporthalle „zum Selbstkostenpreis“, Teilerlass der Mietschulden: Die Stadt Frankfurt kommt dem finanziell stark angeschlagenen Eishockeyklub Frankfurt Lions entgegen. Heute läuft die Frist der DEL ab.

          3 Min.

          Die Wahrscheinlichkeit, dass die Lions auch in der kommenden Saison erstklassig Eishockey spielen werden, ist am Dienstag ein Stück gewachsen. Der Frankfurter Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der Ende Mai wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hatte, verständigte sich mit einem seiner Gläubiger: der Stadt Frankfurt. Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung einigten sich beide Partien auf den letzten Drücker in allen Punkten, die zuletzt strittig gewesen waren: bei den Modalitäten zur Rückzahlung der Altschulden, den künftigen Mietkonditionen für die Nutzung der Eissporthalle und in der Frage der Vergabe des Namensrechts für die Arena. An den Verhandlungen seit dem Wochenende waren der vorläufige Insolvenzverwalter der Lions, der Frankfurter Rechtsanwalt Fabio Algari, Wirtschafts- und Sportdezernent Markus Frank (CDU) und Klubeigentümer Siggi Schneider beteiligt.

          An diesem Mittwoch um 24 Uhr läuft die letzte Frist ab, die die DEL den Lions zur Einreichung der Lizenzunterlagen genehmigt hatte. Sollte es bis dahin nicht gelungen sein, die Schwierigkeiten zu meistern und würde tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet, verlören die Lions ihre Teilnahmeberechtigung an der DEL. Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, wurde am Dienstagnachmittag über die Einzelheiten des Arrangements informiert. Sollte eine Rettung der Lions in den verbleibenden Stunden nun noch scheitern, so hieß es aus dem Römer, liege dies in keinem Fall am Verhalten der Stadt - diese Sichtweise werde sowohl von den Lions als auch von der DEL geteilt. Auch die Lions sprachen in einer Mitteilung von „neuer Hoffnung“. Sie verkündeten zudem, dass Mehrheitseigner Schneider und seine Mitgesellschafter sich dazu entschieden hätten, eine Bankbürgschaft in siebenstelliger Höhe bei der DEL zu hinterlegen. Obendrein habe sich die Finanzierungslücke von zuletzt 3,4 Millionen auf nunmehr 1,5 Millionen Euro verringert. „Uns stehen aber noch ein paar heiße Stunden bevor“, sagte Pressesprecher Matthias Scholze.

          Kein kompletter Schuldenerlass

          Dem Vernehmen nach sieht das Hilfspaket der Stadt folgendermaßen aus: Zunächst erhält der in Schieflage geratene Meister von 2004 das Zugeständnis, bis Sommer 2012 die Schuldentilgung auszusetzen - „um durchatmen zu können“, wie aus Verhandlungskreisen verlautete. Einen kompletten Schuldenerlass, wie von Schneider gefordert, gibt es nicht. Die Lions haben es in der Zeit seines Vorgängers Gerd Schröder mit der Zahlungsmoral für die Hallennutzung nicht so genau genommen; dadurch summierten sich bis heute Verbindlichkeiten, die sich je nach Sichtweise auf 300.000 bis 500.000 Euro belaufen. Nun aber schrieben Klub und Stadt einen Betrag fest, der in der Mitte liegen soll, und man verständigte sich darauf, dass dieser in den kommenden zehn Jahren in Tranchen abbezahlt wird. Mit diesem Kompromiss wurden trotz aller Unterschiede in der Interpretation der Ausgangslage die einzelnen Interessen gewahrt.

          Auch die Stadt, der bei einer Insolvenz der Lions der Totalverlust ihrer Forderungen gedroht hätte, kann mit dieser Lösung leben, zumal Frank damit sein Vorhaben umgesetzt sieht, „städtisches Geld zu retten, ohne frisches Steuergeld hinterherzuwerfen“. Fortan, dies ist ein weiterer Bestandteil des Abkommens, überlässt die Stadt die Eissporthalle den Lions „zum Selbstkostenpreis“, was zu einer spürbaren Entlastung des Klub-Budgets beiträgt. Außerdem wird den Lions die Möglichkeit eingeräumt, bei der Vermarktung des Namensrechts an der Eissporthalle tatkräftig mitzuhelfen - und so einen weiteren Investor aus der (regionalen) Wirtschaft zu gewinnen. Die Mainova AG, bislang schon ein Eishockey-Sponsor, signalisierte grundsätzliches Interesse an einer solchen Idee, allerdings müsste dazu der energetische Zustand der Arena in absehbarer Zeit erheblich verbessert werden. Welche Möglichkeiten es zum Umbau oder zur Sanierung der Eissporthalle gibt, soll ein Gutachten klären, dass momentan erstellt und Ende August von der Stadt präsentiert wird.

          Schneider: Beitrag der Stadt entscheidend

          Sollte das Namensrecht an der Eissporthalle vergeben werden, würden die Einnahmen aufgeteilt: ein Teil ginge an die Stadt, die es in den Unterhalt und Pflege des Eis-Ovals stecken würde; ein Teil würde an die Lions überwiesen - und der Rest würde direkt zum Schuldenabtrag an die Stadtkasse fließen. Die prozentuale Verteilung soll alsbald exakt festgehalten werden.

          Schneider sprach zuletzt davon, dass der Beitrag der Stadt entscheidend sei, um die Lions „neu aufzustellen“. Die zusätzlich geführten Gespräche mit Investoren und der Verkauf von Dauerkarten sowie der sogenannten „Family&Friends“-Pakete sorgten bereits Anfang der Woche für verhaltenen Optimismus. Heute Abend, bis 23.59 Uhr, müssen die Lions die Lizenzunterlagen an die DEL abgeschickt haben. Schon wenig später wird klar sein, ob Profi-Eishockey unter den gegenwärtigen Bedingungen Zukunft in Frankfurt hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trotz geringer Einwohnerzahl: Mit mehr als einer Billion Dollar ist der norwegische Staatsfonds der größte der Welt.

          Staatsfonds in Deutschland : Schaut nach Norwegen

          Deutschland altert, das Rentensystem stößt an seine Grenzen. Kommt als Lösung nun ein deutscher Staatsfonds? Klarheit könnte der anstehende CDU-Parteitag bringen.
          Donald Trump jr. im Oktober in San Antonio

          Die Familie des Präsidenten : Wahlkampf mit Trump Junior

          In der Familie von Präsident Donald Trump hat fast jeder seine Aufgabe. So ist Donald Trump jr. auf Wahlkampftour, während Schwester und Schwager direkt im Weißen Haus arbeiten. Zielgruppe sind besonders junge Leute.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.