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Kaum Ladestationen : Kurzschluss in der E-Mobilität

Strom getankt: Derzeit gibt es noch zu wenige Ladestationen für Elektro-Autos im Rhein-Main-Gebiet. Bild: AP

Nur mit Strom Auto zu fahren ist eigentlich in Mode. Doch die Infrastruktur fehlt. Es gibt noch viel zu wenige Ladestationen für die Batterien der E-Autos.

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          2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen umherfahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält das noch immer für möglich, nachdem sie dieses Ziel 2011 zum ersten Mal ins Regierungsprogramm hatte schreiben lassen. Nach heutigem Stand fehlen allerdings noch rund 980.000 Autos zur Million. Wie neuen Zulassungszahlen zu entnehmen ist, sind gerade einmal gut 20.000 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb in Deutschland unterwegs. Selbst wenn sich schlagartig die Zulassungszahl vom vergangenen Jahr verzehnfachen würden, würde das Ziel verfehlt. Denn 2014 sind gerade einmal 8500 E-Automobile neu zugelassen worden.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          In Hessen waren es 535. Alles in allem fahren nur 1437 Autos rein elektrisch zwischen Kassel und dem Odenwald herum. Bei den Hybridautos sieht es hier mit gut 10.000 schon besser aus. Bei Elektromobilität im engen Sinne geht es aber nicht um diese Hybriden, bei denen der Verbrennungsmotor auch unmittelbar für den Vortrieb sorgt, sondern um rein elektrisch angetriebene Autos. Manche von diesen haben zwar auch einen kleinen Range Extender genannten Verbrennungsmotor an Bord, der treibt aber keine Achsen an, sondern soll nur Akkumulatoren aufladen und die Reichweite erhöhen.

          Nicht sonderlich zukunftsweisend

          Zur geringen Zahl von Elektroautos in Hessen passt, dass es in Frankfurt derzeit gerade einmal 21 Stromtankstellen der Mainova und zwölf von RWE gibt, drei weitere sind bei Unternehmen installiert und einige wenige sind in Parkhäusern zu finden. Flächendeckend geht anders - die Elektromobilität steht offenbar nicht im Mittelpunkt des Interesses. Jedenfalls weiß man beispielsweise im Frankfurter Umweltdezernat dazu eigentlich nur eines zu sagen, nämlich dass man für Elektromobilität nicht zuständig sei. Die Einlassung des Frankfurter Energieversorgers Mainova, dass die Infrastruktur für E-Mobilität „inzwischen sehr gut ausgebaut ist“, klingt im ersten Moment wie ein verspäteter Fastnachtsscherz. Gemessen an der geringen Auslastung der Stromzapfsäulen im öffentlichen Raum Frankfurts, ist die Aussage aber sogar zutreffend. Da es nur vereinzelt Elektrofahrzeuge gibt, braucht man vordergründig auch nicht mehr Stromtankstellen. Zudem sind die Parkplätze, neben denen Elektrozapfsäulen stehen, auch für jedes andere Auto freigegeben. Deshalb finden sich dort meist Autos mit einem üblichen Verbrennungsmotor. Aus der mit dem Thema befassten Wirtschaftsförderung Frankfurt heißt es dazu, es sei rechtlich nicht möglich, diesen Parkraum für Elektroautos zu reservieren.

          Zukunftsweisend klingt das eben nicht. Dabei hatte sich die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) stets persönlich immer ins Zeug gelegt, um für Elektromobilität zu werben. Die ersten Säulen nahm sie selbst in Betrieb. Und schon 2011 sollten drei Elektrobusse von der Frankfurter Innenstadt in den Flughafenstadtteil Gateway Gardens fahren. Doch im Sommer 2012 musste man die Pläne wieder begraben, weil der chinesische Hersteller BYD weder zugelassene Busse noch die entsprechende Werkstatt-Infrastruktur bereitstellen konnte.

          George Clooney im Elektrosportwagen

          Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq würde gerne E-Busse auf ihren Strecken sehen. Deshalb sind bei Ausschreibungen auch alternative Antriebe ausdrücklich erwünscht, wie Traffiq mitteilt. Nur müsse man sich darüber im Klaren sein, dass Busse mit reinem Elektroantrieb zwar im Betrieb nicht teurer als herkömmlich angetriebene Fahrzeuge seien - durch die neue Infrastruktur für die Wartung entstünden aber erst einmal zusätzliche Kosten. Ganz abgesehen vom höheren Anschaffungspreis.

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