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Rhein-Main : Heizöl um ein Drittel günstiger

Es wird günstiger warm: Durch die sinkenden Ölpreise wird auch das Heizöl billiger - bis zu einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Bild: dpa

Die Talfahrt an den Rohstoffbörsen wirkt sich im Alltag deutlich aus. Heizöl ist so günstig wie lange nicht. Aber in der Wirtschaft finden sich weniger Profiteure als vermutet.

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          Wer sein Haus mit Öl heizt, kann sich in diesen Wochen die Hände reiben - vor Freude, nicht gegen die Kälte. Denn selten war es in den vergangenen Jahren so günstig, Heizöl zu bunkern. Derzeit kostet der Liter bei der Abnahme von 2500 bis 3000 Litern gut 60 Cent, je größer die Menge ausfällt, desto geringer ist der Preis. Wer 15.000 Liter in seine Tanks füllen lässt, muss sogar nur etwa 57 Cent je Einheit zahlen. Dies weisen die Notierungen an der Heizölbörse der Industrie- und Handelskammer Frankfurt aus.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dort zeigen sich für den Verbraucher die Folgen der Talfahrt der Ölpreise an den internationalen Rohstoffbörsen, an denen Öl in Dollar gehandelt wird. Vor zwei Jahren noch, als Öl trotz niedrigeren Dollarkurses viel teurer war, mussten Heizölkunden fast die Hälfte mehr ausgeben und vor einem Jahr ein Drittel mehr. Bei einer Lieferung von 2500 Litern waren 90 Cent je Einheit fällig.

          Kein Nachteil für Tankstellen

          Auch an den Tankstellen schlägt der Preisverfall durch. An manchen Orten in Deutschland kostete der Liter Diesel sogar schon weniger als einen Euro, in der Rhein-Main-Region müssen Autofahrer um die 1,07 Euro für den Liter entrichten, Super E 10 kostet um 1,23 Euro und Super-Plus etwa 1,28 Euro. Noch im Sommer schlug Super E 10 im Durchschnitt mit 1,50 Euro zu Buche und Diesel mit 1,35 Euro je Liter.

          Tankstellenbetreiber erleiden durch den Preisverfall, anders als vielfach vermutet, aber keine Nachteile. „Die Marge ist mengenabhängig“, sagt Hartmut Görgens, Geschäftsführer des Verbands des Tankstellengewerbes mit Sitz in Laubach in Oberhessen. Als Faustregel gelte: Je mehr eine Tankstelle verkaufe, desto geringer ist die Verkaufsprovision, die sie vom jeweiligen Ölunternehmen erhält. So erhalte eine repräsentative Tankstelle im Ballungsraum mit einer verkauften Menge von 400.000 bis 500.000 Litern im Monat für die ersten 100.000 bis 150.000 Liter in der Regel 1,5 Cent; etwa vom 400.000. Liter an seien es nur noch 0,5 Cent.

          Weniger Profiteure als vermutet

          „Die sehr erfreuliche Preisentwicklung hat allenfalls einen geringen Durchschlag auf die Bilanz einer Tankstelle“, folgert Görgens. Viele Tankstellen erfreuten sich sogar steigender Umsätze. Weil die Kunden deutlich weniger für Sprit zahlen müssen als noch vor einigen Monaten, nehmen nun viele einen Kaffee, ein belegtes Baguette oder eine Zeitung mit, die sie früher nicht erworben haben, wie er sagt.

          In der Wirtschaft finden sich weniger Profiteure der gesunkenen Ölpreise als vermutet. Überraschendes fördert etwa eine Umfrage in der Chemieindustrie, in der Öl als wesentlicher Rohstoff gilt, zutage. Ein Sprecher von Merck in Darmstadt etwa erwartet keine großen Auswirkungen auf die Geschäfte. Der Familienkonzern produziert zwar auch chemische Erzeugnisse. „Aber wir sind mit unseren Chemikalien wie den für Handys und Flachbildschirme benötigten Flüssigkristallen und Pigmenten sowie den Arzneimitteln in der Wertschöpfungskette doch recht weit weg vom Erdöl.“

          Niedrigere Preise für Folgeprodukte

          Auch für Celanese, das im Industriepark Höchst mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt, ist Erdöl kein Produkt, das in den Betrieben direkt verarbeitet wird, wie ein Sprecher sagt. Celanese nutzt vor allem Essigsäure, die die Firma entweder weiterverkauft oder zu Kunststoffen verarbeitet. Die finden sich dann in Anstrichfarben und Klebstoffen anderer Hersteller wieder. Technische Kunststoffe, die die Marke „Celanese Engineered Materials“, vormals Ticona, für den Automobilbau und die Medizintechnik produziert, basieren nach den Worten des Sprechers auf Methanol, einem großtechnisch hergestellten Alkohol.

          Gleichwohl bekommt Celanese den Rückgang der Ölpreise zu spüren, weil er Einfluss auf den Einkauf von Rohstoffen wie den aus Erdöl gewonnenen Gasen Ethylen und Propylen hat: Diese Stoffe werden günstiger. Das wissen aber auch die Kunden von Celanese, wie der Sprecher anmerkt. Das heißt: Auf seiner Talfahrt zieht das Öl auch die Verkaufspreise von Celanese teils mit nach unten.

          Schienenverkehr mehr belastet

          Schon seit Monaten spürt DB Schenker mit Sitz in der Cargo-City Süd des Flughafens die Folgen des Ölpreisverfalls - und zwar vornehmlich bei Diesel, was vielen Lastwagenbetreibern nutzt. Eine Sprecherin der Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn berichtet von einem verschärften Konkurrenzkampf zwischen Lastwagen und Schienenverkehr. „Fallende Straßentransportpreise bedeuten einen zusätzlichen Wettbewerbsnachteil für den Schienengüterverkehr“, sagt sie. Der Schienenverkehr habe ohnehin schon wegen hoher Energiekosten durch die EEG-Umlage und Mehrbelastungen für die Umrüstung auf leise Güterwaggons von insgesamt rund 230 Millionen Euro bis 2020 erschwerte Bedingungen.

          Doch auch im Straßenlastverkehr ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Margen sind, wie die Schenker-Sprecherin sagt, aufgrund des starken Wettbewerbs gering.

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