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Rhein-Main : DFS wehrt sich gegen Kritik in Sachen Windkraft

Duell: Rund um die bundesweit 64 Funkfeuer dürften in die 15-Kilometer-Schutzzone nur noch in genehmigten Ausnahmefällen neue Windkrafträder gebaut werden, fordert die Flugsicherung Bild: dpa

Windparks sind in Mode, doch die DFS und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sehen in Rhein-Main kaum mehr Raum für neue Windräder oder ganze Windparks. Mehr fehlerhafte Signale durch weitere Anlagen bedeuteten weniger Sicherheit im Flugverkehr, heißt es dort.

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          Wenn etwa zu Ferienbeginn auf einer vierspurigen Autobahn sämtliche Fahrbahnstreifen verschwimmen oder ganz verschwinden, steigt die Unfallgefahr rapide an. So in etwa muss man es sich vorstellen, wenn die elektromagnetischen Signale von UKW-Drehfunkfeuern an Flugzeuge massiv gestört und verfälscht werden. Das aber kann gerade durch Windkraftanlagen passieren. Um dieses Risiko weiter gering zu halten, ist die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in Langen mit Blick auf die Genehmigung neuer Windkraftanlagen in Rhein-Main sehr zurückhaltend.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Unternehmen beklagen, dass die DFS dabei in letzter Zeit zu restriktiv sei. Anrainer von Arealen, auf denen künftig neue Windräder errichtet werden sollen, deren Rotorenspitzen in bis zu 200 Metern Höhe die Luft zerschneiden, sähen es dagegen am liebsten, wenn die DFS noch strikter vorginge, berichtet Sprecher Stefan Raab. Zusammen mit dem Direktor des Bundesamtes für Flugsicherung (BAF), Nikolaus Herrmann, versuchte er gestern am Frankfurter Flughafen zu begründen, weshalb die DFS wie auch das BAF gerade im Rhein-Main-Gebiet kaum mehr Raum für neue Windräder oder gar ganze Windparks sehen.

          Alte Bestimmungen sorgen für Verwirrung

          Vereinfacht ausgedrückt, ist der Frankfurter Flughafen der Grund - mit seinen mehr als 1300 Starts- und Landungen am Tag. Um diese Menge an Flügen sicher nach Frankfurt und von dort weg zu dirigieren, sind in Rhein-Main sieben, mit Fulda acht dieser UKW-Drehfunkfeuer nötig. Dazu zählen die Anlagen in Nauheim, Gedern, Karben, Hünstetten, im Frankfurter Stadtwald, in Aschaffenburg und in Riedstadt. In ganz Deutschland gibt es lediglich 64 dieser Geräte. Diese Ballung ist der Position Frankfurts als einer der wichtigsten internationalen Luftverkehrsdrehkreuze geschuldet. Die Drehfunkfeuer senden eine Vielzahl von Radialen. Piloten bekommen dann nach dem Start beispielsweise die Anweisung, in anderthalb Kilometern auf Radial 356 einzuschwenken, um auf der sogenannten Krankenhausroute über Frankfurt Richtung Norden zu fliegen.

          Für Verwirrung und Unmut in der Diskussion um neue Windkraftanlagen sorgt vor allem, dass es noch bis vor vier Jahren nach internationalen Sicherheitsregeln genügte, Windräder mindestens drei Kilometer entfernt von solchen Funkfeuern zu bauen. Inzwischen verlangt die Internationale Zivil-Luftfahrtorganisation (ICAO) aber einen Radius von 15 Kilometern, wie DFS-Sprecher Raab sagte. Die Praxis habe gezeigt, dass es zu häufig zu Fehlern infolge der sich drehenden Rotoren und Windradköpfe komme.

          Kein Platz für einen neuen Windpark

          „Die DFS ist nicht gegen Windkraft, wir finden sie gut“, hob Raab hervor. Ungeachtet dessen sei für die DFS Sicherheit nicht verhandelbar. Schließlich gehöre der deutsche Luftraum, trotz des enormen Verkehrs, zu den sichersten Lufträumen überhaupt.

          Das hat allerdings zur Folge, dass im Ballungsraum Rhein-Main praktisch kein Platz mehr ist für einen neuen Windpark, allenfalls für einzelne Windräder. Eine Ausnahme bildet nur der Taunuskamm nördlich von Wiesbaden. Dort allerdings stemmen sich gerade Bürgerinitiativen vehement gegen entsprechende Pläne.

          Expertise konnte nicht früher zur Verfügung gestellt werden

          Die teils massive Kritik an der Verwaltungspraxis in Deutschland, die erst spät nach Planungsbeginn das Votum der Flugsicherung und der Aufsicht zum Projekt fordert, hält BAF-Direktor Herrmann dabei für nachvollziehbar. Beispielsweise in Großbritannien könnten Planer bei der britischen Flugsicherung NATS unmittelbar zu Beginn eine verbindliche Auskunft darüber einholen, ob das Projekt überhaupt genehmigungsfähig ist oder nicht. In Deutschland sei der Verfahrensgang insofern „optimierungsfähig“. Das ändere allerdings nichts daran, dass bestimmte Fehlertoleranzen nicht überschritten werden dürften. Würde sein Haus anderes zulassen, verletzte es seinen Auftrag, die Sicherheit des Luftverkehrs zu gewährleisten.

          Die Frage, ob DFS und BAF nicht von sich aus frühzeitig Planern ihre Expertise zur Verfügung stellen könnten, beantworteten beide mit dem Verweis darauf, dass das nicht ohne eine entsprechende gesetzliche Grundlage möglich sei. Wenn erst einmal eine genauere satellitengestützte Navigation im Luftverkehr möglich und dann auch in der Breite etabliert sei, könnten die UKW-Drehfunkfeuer dereinst überflüssig oder zumindest nur mehr als Notfallsystem benötigt werden. Das aber dauere mindestens noch zehn bis 15 Jahre, äußerten sich Herrmann und Raab sicher.

          Entscheidend sei dabei nicht nur, dass die Technik entsprechend entwickelt sei, sondern auch, dass das Gros der Flugzeuge, die die Fluggesellschaften einsetzten, über eine entsprechende Ausrüstung verfügten, gab Herrmann zu bedenken. Seien diese Voraussetzungen erst einmal erfüllt, stehe dem Ausbau der Windenergie auch im Rhein-Main-Gebiet aus Sicht der Luftverkehrssicherheit nichts mehr im Wege.

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