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Großmetzgerei Brandenburg : Rewe macht Druck bei Standortsuche

Aufbau: Rewe will für ihre Marke Wilhelm Brandenburg eine neue Großmetzgerei bauen Bild: Helmut Fricke

Rewe will für ihre Marke Wilhelm Brandenburg eine neue Großmetzgerei bauen. Stadt Frankfurt tut sich schwer, die gewünschten 15 Hektar für die Großmetzgerei Brandenburg zu finden.

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          Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) ist sich sicher, dass sich für die Neubaupläne der Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg in Frankfurt eine Lösung finden wird. Es sei allerdings nicht leicht, und es werde vor allem etwas dauern, in einer so gefragten und dicht bebauten Metropole eine Fläche wie die gewünschten 15 Hektar zu finden, sagte er. Wie berichtet, will die Großmetzgerei, deren 1700 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Euro erwirtschaften, den bisherigen Standort in Frankfurt-Fechenheim aufgeben, um neu und größer zu bauen.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Zeit, wie sie Frank sich für die Suche wünscht, ist aber offenbar gerade das, was die zur Rewe-Gruppe gehörende Metzgerei Brandenburg nicht hat. Jedenfalls ist aus informierten Kreisen zu hören, dass Brandenburg und Rewe versuchen, erheblichen Zeitdruck aufzubauen, mit der Begründung, dass schon Ende dieses Monats der Plan für Neubau und Umzug des Frankfurter Betriebes mit derzeit rund 950 Mitarbeitern stehen und dem Rewe-Vorstand zur Entscheidung vorgelegt werden solle. Von Brandenburg wie auch vom Mutterkonzern Rewe waren auch gestern - entgegen der Zusagen vom Vortag - keine weiteren Angaben zu den der Stadt Frankfurt vorgetragenen Wünschen zu bekommen. Man sei noch in der Gesprächsphase und habe noch keine konkrete Entscheidungen getroffen, sagte ein Sprecher der Rewe-Gruppe lediglich. Das allerdings passt nicht recht zu der Information, dass schon in rund drei Wochen der Plan für den Umzug und den Bau einer hochmodernen Wurst- und Fleischwarenverarbeitung fertig sein soll.

           

          Dass es Gespräche über einen neuen Standort mit Bad Vilbel gegeben hat, die allerdings ergebnislos beendet wurden, gab der Sprecher zu. Einen Kontakt der Rewe-Gruppe zum Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main in derselben Sache gibt es ebenfalls. Wie es dort heißt, soll sich das Interesse des Lebensmittelkonzerns auch auf Konversionsflächen im Main-Kinzig-Kreis erstrecken. Die Frage nach Größe und Konzept der neuen Fabrik ließ der Rewe-Sprecher wiederum unbeantwortet. Schon am Vortag hatte es allerdings aus Unternehmenskreisen geheißen, auf den 15 Hektar, immerhin die Fläche von fast 20 Fußballplätzen, plane man ein 500 Meter langes und 300 Meter breites Produktionsgebäude auf einer Ebene. In der bisherigen Produktion wird auf drei Stockwerken gearbeitet.

          Wie weiter zu erfahren war, plant man die neue Fertigung mit bis zu 80 Rampen für Lastwagen. Dass Rewe an einer besonders guten Verkehrsanbindung gelegen sein muss, erschließt sich schon aus der Tatsache, dass die vier Brandenburg-Betriebsstätten in Frankfurt, Dreieich, Netphen und Timmendorfer Strand die Rewe-Märkte in ganz Deutschland beliefern. Der zu erwartende erhebliche Lastwagenverkehr gilt allerdings auch als ein Grund, weshalb viele Städte und Kommunen nicht eben begeistert sind, wenn sich ein solcher Produktionsbetrieb neu ansiedeln möchte.

          Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, appellierte an die Stadt, alles zu tun, um einen Wegzug der Großmetzgerei zu verhindern. Die offenbar bisher erfolglose Standortsuche müsse die Stadt Frankfurt alarmieren, sagte Gräßle. Wenn Brandenburg tatsächlich Frankfurt verlasse, sei das der zweite Fall in kurzer Folge, in dem ein Traditionsunternehmen der Stadt den Rücken kehre, weil es keine geeigneten Flächen für einen Neubau gefunden habe.

          Erst vor wenigen Monaten hatte die Leitung des Frankfurter Familienunternehmens Christian Bollin wissen lassen, dass man mit seiner Produktion von Industriearmaturen nach Oberursel ziehe, weil man in Frankfurt kein passendes Grundstück geboten bekommen habe. Gräßle forderte, den Masterplan Industrie der Stadt Frankfurt nun auch zügig in die Tat umzusetzen. Es reiche nicht, der Entwicklung hinterherzulaufen.

          Zuvor hatten schon Gewerkschafter des DGB und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten an die Stadt appelliert, sich für den Verblieb der Großmetzgerei mit ihren 950 Arbeitsplätzen in Frankfurt nach Kräften einzusetzen.

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