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Revision abgelehnt : Urteil im Prozess um Tugces Tod rechtskräftig

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte Sanel M. zu Prozessbeginn im April 2015 Bild: dpa

Der Tod der Studentin Tugce hat große Anteilnahme in Deutschland ausgelöst. Die Revision im Prozess wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde abgelehnt, jedoch könnte Sanel M. früher entlassen werden.

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          Das Urteil im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce Albayrak in Offenbach ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat rund sieben Monate nach dem Urteil des Landgerichts Darmstadt eine Revision abgelehnt, wie einer der Anwälte des verurteilten Täters am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Der BGH in Karlsruhe bestätigte den Beschluss noch nicht.

          Der inzwischen 19 Jahre alte Sanel M. war im Juni 2015 nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht sprach ihn der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Die Verteidiger hatten Revision eingelegt.

          Sanel könnte früher entlassen werden

          Der Heranwachsende sitzt noch immer in U-Haft. Er habe bereits 14 Monate abgebüßt und werde jetzt in ein Jugendgefängnis in Strafhaft verlegt, sagte sein Anwalt. Sanel M. könnte nach Einschätzung von Fachleuten theoretisch nach der Hälfte der Haftzeit auf freien Fuß kommen, wahrscheinlich sei es nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe.

          Der Heranwachsende hatte Tugce in den Morgenstunden des 15. Novembers 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Lokals in Offenbach mit einem Schlag niedergestreckt. Die 22 Jahre alte Studentin prallte mit dem Kopf auf den Boden und erlitt dabei schwerste Hirnverletzungen, an deren Folgen sie elf Tage später im Krankenhaus starb. Dem Schlag vorausgegangen waren Beleidigungen zwischen Sanels Jungengruppe und einer Mädchen-Clique um Tugce, wie der Prozess ergab.

          Ein „verantwortungsloses Signal“

          „Tugces Familie und alle anderen, die ihr nahe standen, sind beruhigt, dass das jetzt wenigstens juristisch abgeschlossen ist“, sagte der Anwalt der Familie, Macit Karaahmetoglu, der dpa. „Man stelle sich vor, der ganze Prozess hätte nochmals aufgerollt werden müssen.“ Karaahmetoglu sieht sich von dem Beschluss des BGH bestätigt: „Ich habe selten ein so faires Gericht gegenüber dem Angeklagten erlebt.“

          Die Verteidigung habe ihrem Mandanten mit der Revision nichts Gutes getan, denn dieser habe in der Strafhaft schon längst Erleichterungen erfahren und sein Leben planen können, sagte Karaahmetoglu. Außerdem sei das Signal an den Heranwachsenden aus erzieherischer Sicht verantwortungslos gewesen, weil es ihm suggeriert habe, es sei nicht so schlimm, was er gemacht habe.

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