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Restless-Leg-Syndrom : Wenn die Beine keine Ruhe finden

  • -Aktualisiert am

Keine Ruhe: Beim Restless-Legs-Syndrom ist an Schlaf oft nicht zu denken. Bild: dpa

Lolita Behrends will eine Selbsthilfegruppe für Menschen gründen, die am Restless-Leg-Syndrom leiden. Im Moment ist sie auf der Suche nach Gleichgesinnten.

          2 Min.

          Endlich Urlaub, Thailand, Sonne, Entspannung, gutes Essen. Doch schon die erste Nacht in der Ferienunterkunft wird zur Qual: Die Beine geben keine Ruhe, sie schmerzen, wollen bewegt werden, an Schlaf ist nicht zu denken. Und das ändert sich die ganzen 14 Urlaubstage nicht. Lolita Behrends erinnert sich sehr gut an den Urlaub, der ihr wieder einmal gezeigt hat, dass mit dem Restless-Leg-Syndrom, kurz RLS, nicht zu spaßen ist.

          „Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich wusste, was ich habe“, sagt die Karbenerin. Die ersten Anzeichen habe sie mit Mitte 30 gespürt. Damals habe sie mit Freunden zusammengesessen und gegen 23 Uhr gesagt, dass sie sich jetzt mal bewegen müsse. „Da habe ich noch gedacht, es könnte an den engen Jeans liegen“, erinnert sie sich.

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          Doch die Symptome, die im Übrigen sehr vielfältig sind und von jedem Betroffenen anders wahrgenommen werden können, blieben und machen ihr seither das Leben nicht gerade leichter. Behrends ist inzwischen sechsundfünfzig Jahre alt und hat viel gelernt über RLS. Auch und gerade durch die Mitgliedschaft in der Deutschen Restless Legs Vereinigung in München. Und weil ihr der Austausch mit anderen Betroffenen wichtig ist, möchte sie eine eigene Selbsthilfegruppe für die Wetterau gründen. Im Moment ist sie auf der Suche nach Gleichgesinnten. Ein Raum werde ihr vom Kreis in Friedberg zur Verfügung gestellt.

          Lolita Behrends hat eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Restless-Legs-Syndrom gegründet.
          Lolita Behrends hat eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Restless-Legs-Syndrom gegründet. : Bild: privat

          „Charakteristisch für ein RLS ist ein Bewegungsdrang vor allem in den Beinen, aber auch in anderen Körperregionen“, heißt es auf der Homepage der Münchner Vereinigung. Dieser gehe mit einem breiten Spektrum von Missempfindungen bis hin zu Schmerzen einher und trete vorwiegend in Ruhesituationen auf. Eine gestörte Einschlaf- und Tiefschlafphase sei bei den meisten Betroffenen die Regel. Verstimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung können die Folge sein. Entsprechend beeinträchtigt seien berufliche und soziale Aktivitäten. „Man ist dann zu nichts zu gebrauchen“, sagt Behrends.

          Fachleute schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung von der Krankheit betroffen sind. Frauen treffe es häufiger als Männer. Meist trete die Krankheit im mittleren Lebensalter auf. Auch Schwangere klagten über ähnliche Symptome, die in der Regel nach der Geburt aber wieder verschwänden, so die RLS-Vereinigung.

          Über die Ursachen sei wenig bekannt, jedoch gibt es laut RLS-Vereinigung eine familiäre Disposition, so dass gleich mehrere Mitglieder betroffen seien. Das Restless-Leg-Syndrom sei eine Krankheit, die bei vielen Menschen einfach untergehe, weil sie so vielfältig, so wenig greifbar sei, sagt Behrends.

          Präparate haben nicht geholfen

          Selbst ihr Mann habe erst während des Thailand-Urlaubs wirklich erkannt, wie quälend die ruhelosen Beine sein könnten. Im Urlaub hätten sie mittels Suchmaschine nach einer schnellen Linderung gesucht. Vitamin B12 und ein Eisenpräparat wurden empfohlen. Sie haben sich die Präparate besorgt, geholfen haben sie nicht.

          Was helfe, sei Bewegung. Sie sei ohnehin ein sehr sportlicher Mensch, habe früher Handball gespielt und sei gelaufen. Jetzt walke sie, spiele Golf, sei viel mit dem Rad unterwegs. Außerdem helfen ihr spezielle Dehnungsübungen, die sie morgens und abends jeweils 20 Minuten macht. Der Sport hilft ihr auch, um auf Medikamente verzichten zu können. Denn viele Betroffene nähmen starke Mittel ein, die auch Parkinson-Patienten verschrieben würden. Das möchte Behrends möglichst vermeiden.

          Noch steht Behrends mit ihrer Selbsthilfegruppe am Anfang. Sie sucht nach Gleichgesinnten aus dem Wetteraukreis, die sich regelmäßig miteinander austauschen. Das könne sie sich in Zeiten von Corona auch im virtuellen Chat vorstellen. „Wobei das vermutlich für ältere Menschen oft weniger geeignet ist“, weiß Behrends. Aber selbst wenn sich nur ein oder zwei Personen meldeten, wäre das für sie schon ein Erfolg – dann treffe man sich einfach zum Spaziergang.

          Lolita Behrends ist unter der Telefonnummer 01 75/7 30 98 03 zu erreichen. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Wetteraukreises ist unter 0 60 31/83 23 45 zu erreichen.

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