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Residenz Fürstenlager : Zur Sommerfrische nach Bensheim-Auerbach

Erste Farbtupfer: Heidekraut vor dem Wachthäuschen im Staatspark Fürstenlager Bild: Sick, Cornelia

Seit die Rhein-Main-Region über ihre romantischen Wurzeln nachdenkt, rückt das Fürstenlager, Sommerresidenz der Großherzöge von Darmstadt, in den Blick.

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          Was ist schon romantisch? Die Zufahrt zum Staatspark Fürstenlager in Bensheim-Auerbach an der Bergstraße ist es nicht. Erst auf den allerletzten Metern vor dem Eingang zum Park mutet alles ein wenig dörflich an, mit Fachwerkhäusern und einem Bach am Straßenrand. Dort ist noch nichts zu ahnen von der historischen Gartenanlage, die sich die Landgräfe und Großherzöge von Hessen-Darmstadt von 1790 an in einem engen Tal als Sommerresidenz anlegen ließen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Romantisch, im häufig gebrauchten Wortsinn, von verspielt bis niedlich, ist das Fürstenlager kaum. Allein das „Dörfchen“ inmitten des Parks, in das allsommerlich der Großherzog mit seiner gesamten Entourage einzog, wo in zahlreichen kleineren Häusern gebacken und gekocht, im „Weißzeughäuschen“ die Laken aus Leinen gewaschen und geplättet wurden, entspricht ein wenig den Erwartungen, die gemeinhin mit etwas Romantischem verbunden werden.

          Schwerpunktthema „Impuls Romantik“

          Gartenexperten, die sich im vergangenen September auf Einladung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen im Rhein-Main-Gebiet versammelt hatten, um im Zuge des Kultur-Schwerpunktthemas „Impuls Romantik“ über Spuren dieser Zeitströmung in der Gartenkunst im Allgemeinen und im Rhein-Main-Gebiet im Besonderen zu diskutieren, sind sich allerdings einig: Der gesamte Staatspark Fürstenlager darf als „romantisch“ gelten. Denn es ist jene Phase, in der man sich neu mit dem Verhältnis zu Natur und Landschaft auseinandersetzte.

          Lohnendes Ziel: der alte Kurpark in Bad Soden

          Das Fürstenlager, das als Landschaftsgarten konzipiert wurde, erfüllt gleich zwei Romantik-Kriterien: Dort, wo es als Park angelegt wurde, will es durch geschwungene Wege, schattige Baumgruppen, Aussichtspunkte, die immer wieder neue Blickverbindungen eröffnen, Landschaft und Natur nachbilden. Durch die Anordnung der Gebäude und der Bepflanzungen entstehe vielerorts das Bild eines begehbaren Landschaftsgemäldes, heißt es in einer Schrift der Schlösser- und Gärtenverwaltung.

          Und tatsächlich geht die Parkanlage in die Landschaft des Odenwaldes über. Vom Punkt der „neun Aussichten“ konnte man nicht nur zum Schloss Auerbach oder zur Rheinebene, sondern auch in die angrenzende Landschaft blicken. Nach Ansicht der Gartenfachleute idealtypisch für einen Landschaftsgarten und für die Romantik.

          Großinvestition in Anlage

          Inken Formann, Leiterin der Gärten und Gartendenkmalpflege bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, hält jenseits aller Debatten um Epochen das Fürstenlager für eine außerordentlich gelungene Anlage, weil sie so stark mit der Topographie spiele: Da gibt es die Herrenwiese, die breit und stattlich, wie ein grünes Wasser, von der Anhöhe zum Herrenhaus zu fließen scheint, daneben terrassiert Hänge, auf denen Wein angebaut wurde, und weiter ins Tal hinein Obstbaumwiesen, auf denen bis heute in den Sommermonaten Schafe weiden. Und es sind die für Landschaftsgärten typischen Ausstattungselemente vorhanden wie eine Grotte, eine Eremitage, Tempel und Altäre. Dass darunter ein Freundschaftstempel ist, den die Kinder des Fürstenpaares errichten, die das Fürstenlager schufen, unterstreicht nach Ansicht Formanns, wie sehr die Anlage der Romantik verbunden ist. Denn der Freundschaftskult sei fester Bestandteil des Lebensgefühls der Romantiker gewesen.

          Das Fürstenlager wird seit Anfang der fünfziger Jahre vom Land Hessen gepflegt. Als in den achtziger Jahren die Gartendenkmalpflege aufkam und man begann, sich mit der Historie von Anlagen auseinanderzusetzen und ursprüngliche Pläne ermittelte, wurde auch für das Fürstenlager ein sogenanntes Parkpflegewerk erstellt. Seitdem arbeitet die Schlösser- und Gärtenverwaltung daran, den Park wieder auf den Zustand zurückzuführen, wie er in seiner Hochphase von 1790 bis 1830 aussah, als Großherzog Ludwig I. und Großherzogin Luise im Sommer in Auerbach weilten. Derzeit investiert die staatliche Verwaltung rund eine Million Euro, um das Herrenhaus samt Außenanlage zu restaurieren. Spätestens im nächsten Frühjahr soll es an einen neuen Pächter übertragen werden, damit dieser, wie in den vergangenen Jahren, eine Gastronomie betreibt.

          Regelmäßige Pflege nötig

          Seit im Januar 2005 Stefan Jagenteufl, der bis dahin ausschließlich für den Prinz-Georg-Garten in Darmstadt zuständig war, auch das Fürstenlager leitet, nimmt er sich jedes Jahr einen Teil des Parks vor, die er wieder herrichtet. So wurde Wald oberhalb des Dörfchens stark ausgelichtet, Alleen wieder gepflanzt, Wege neu angelegt. In diesem Winter wurde am Punkt „Neun Aussichten“ wieder eine erste Schneise geschlagen.

          Jagenteufl hat sieben Mitarbeiter, die sich ausschließlich der Parkanlage in Auerbach widmen. „Es ist elementar, dass man Gärtner hat, die die Anlage und den Grünbestand gut kennen, damit die Unterhaltung eines solchen Parks funktioniert“, sagt Inken Formann. Sie deutet damit an, dass es beim Land Hessen offenbar Diskussionen darüber gibt, wie die zwangsläufig hohen Personalkosten für die staatlichen Parkanlagen reduziert werden können. Einzelne Sanierungen könnten über Ausschreibungen an Fremdfirmen vergeben werden, nicht aber die täglichen Handgriffe, die in einem Park notwendig seien.

          Für Betriebsmittel stehen Jagenteufl im Fürstenlager ohnehin nur 45.000 Euro im Jahr zur Verfügung. „Das ist nicht viel“, sagt er, und Formann ergänzt: „Man kann nicht weiter kürzen“, es sei das unterste Niveau erreicht. Vieles sei ohnehin nur möglich, weil die Mitarbeiter viel Herzblut einbrächten. Und Formann warnt vor einmaligen Finanzspritzen: „Historische Gärten überleben nur, wenn man sie regelmäßig pflegt.“

          F.A.Z.-Parkführungen

          Himmelfahrt, 9. Mai: Alter Kurpark
          Bad Soden a.Taunus Führung: Gartendenkmalpflegerin Barbara Vogt
          11 und 14 Uhr Treffpunkt: Eingang Königsteiner Straße, vis-à-vis Eiscafé Venezia, Königsteiner Straße 79

          Samstag, 15. Juni, 15 Uhr, und Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr: Goethespaziergang in Frankfurt
          Mainkai, Römerberg, Gerbermühle Führung: Rezitator Jörg Lüdecke, Treffpunkt: Am Mainkai 35

          Samstag, 22. Juni: Apothekergarten
          Wiesbaden Führung: Ernst Binde 11 und 15 Uhr
          Treffpunkt: Garteneingang Aukammallee, vis-à-vis Freseniusklinik, Aukammallee 39


          Sonntag, 18. August: Staatspark Fürstenlager
          Bensheim-Auerbach Führung: Inken Formann und Stefan Jagenteufl, Staatliche Schlösser- und Gärten-Verwaltung 10 und 14 Uhr, Treffpunkt: Vor der Parkverwaltung im Dörfchen

          Sonntag, 29. September: Frankfurter Mainufer I Ruhrorter Werft und Hafenpark, Baustellen-Begehung: Jürgen Burkert, Frankfurter Grünflächenamt, 11 und 14 Uhr Treffpunkt: „Oosten“, Gastronomie Ruhrorter Werft, Eyssenstraße 4


          Sonntag, 3. November und Sonntag, 10. November: Frankfurter Mainufer II Zum Sommerhoffpark Führung: Christian Setzepfandt, jeweils 11 Uhr Treffpunkt: Skateranlage unter der Friedensbrücke, Nordufer

          Alle Führungen werden jeweils am Sonntag vor der Veranstaltung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung/Rhein-Main-Zeitung angekündigt. Eine Anmeldung ist erst dann unter der Rufnummer 069/75 91-20 50 möglich.

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