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Remo Kell : Entspannt bis in die Unterlippe

  • -Aktualisiert am

Mann der Magie: Remo Kell. Bild: Kaufhold, Marcus

Mit seinem eigenen Theater hat sich Remo Kell einen Traum erfüllt. Als Zauberer tritt er dort drei Mal in der Woche auf. Dahinter steckt harte Arbeit.

          Remo Kell kann nicht zaubern, jedenfalls nicht wirklich. Er nennt sich nicht Magier, sondern Spezialist, er zeigt Tricks mit Karten, Münzen und Bechern und fragt man ihn direkt, macht er keinen Hehl daraus, dass seine Illusionen auf Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit beruhen. Close-Up-Zauberei, das Vorführen von Tricks ganz nah am Zuschauer, ist Remo Kells Spezialität.

          Vor einigen Wochen eröffnete der 40 Jahre alte Mann sein eigenes Theater, das „Black Rabbit“, im Restaurant „Buzzano“, gleich hinter der Alten Oper. Donnerstags, freitags und samstags zeigt er dort seine Tricks, die Show dauert etwa eine Stunde. Seit mehr als 20Jahren verdiene er hauptberuflich mit Illusionen sein Geld, aber das eigene Theater, nur für ihn, das sei sein Traum gewesen.

          Er bietet das „Show-Du“ an

          Sphärische Musik tropft aus den Lautsprechern, als die Gäste den Theaterraum betreten. Sie setzen sich in die schweren, rot-schwarz gemusterten Samtsessel. 33Zuschauer haben Platz, Sessel an Sessel, die hinteren Reihen ansteigend. 25Besucher sind an diesem Abend gekommen, die meisten waren vorher im Restaurant essen, italo-amerikanische Küche in gehobenem Ambiente. Viele haben sich einen Drink mit zur Show genommen. Intim ist es in Kells Zaubertheater, das Zimmer hat in etwa die Größe eines halben Tennisplatzes. Das soll so sein, sagt Kell, seine Tricks finden im Kleinen statt. Damit die Illusion funktioniere, müsse der Zuschauer genau sehen können, was vorne passiere.

          Die Musik endet abrupt, als der untersetzte Mann mit dem Kugelbauch mit der Show anfängt. Er bietet den Gästen das „Du“ an, jedoch mit Einschränkungen. Golf spiele er, neulich sei ihm bei einem Turnier von einem älteren Herren das „Tages-Du“ angeboten worden, daher biete er heute das „Show-Du“ an. Anekdoten wie diese gibt es oft in Kells Zaubershow, sie halten die einzelnen Tricks zusammen, sorgen für Lacher, unterhalten zusätzlich. Ständig bindet er sein Publikum in die Show ein, antwortet auf Zwischenrufe, bittet um Assistenz bei Tricks. Eine junge Frau soll sich eine Karte aussuchen, aus einem Kartenfächer, den Kell locker aus dem Handgelenk schüttelt. Die Karte soll sie dem Publikum zeigen, ohne dass er erkennen kann, welche es ist, sie dann wieder zurückschieben. Die Zuschauer meinen, den Trick zu kennen, manch einer lacht hämisch, als der Zaubertrick scheinbar schief geht. Remo Kell hat aus dem Stapel die falsche Karte gewählt, zerreißt sie frustriert, legt die Schnipsel aufeinander. Wie nebenbei bittet er einen Mann, der besonders laut gelacht hat, die Schnipsel aufzuheben, die sich dann als zusammengefaltete, unversehrte Karte mit dem jetzt richtigen Wert entpuppen.

          Mit zehn Jahren sah er den ersten Zauberer

          „Ich mag die Zauberer nicht besonders, die ins Fernsehen gehen“, sagt Kell, „als ob da einer wirklich sechsRichtige vorhersagen könnte“. Wenn einer wirkliche Magie beherrschen würde, der würde doch in Tibet sechsMeter über dem Boden schweben, nicht im Fernsehen Löffel verbiegen. Gute Illusionen, das sei das Ergebnis von viel Übung, harter Arbeit, und jeder Menge Erfahrung. Für den Zuschauer gehe es aber nicht um die Technik, da zähle nur der Effekt, die Unterhaltung.

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