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Remo Kell : Entspannt bis in die Unterlippe

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In einem Sommerurlaub auf den Kanaren sah Kell zum ersten Mal einen Zauberer, zehn Jahre war er da alt. „Dann habe ich den halt die nächsten zweiTage so lange genervt, bis er mir ein paar Tricks beigebracht hat“, sagt er, auch wenn auf seiner Website etwas anderes steht. Dort spinnt Kell ein Seemannsgarn von Tasmanien über russische Gefängnisse bis hin zur Fremdenlegion. Tatsächlich reiste er als junger Mann zu zahlreichen Zauberer-Kongressen, bis er schließlich seinen Mentor kennenlernte. Dem verdanke er alles, der habe ihm alles beigebracht. Dessen Name würde den meisten Menschen aber nichts sagen, in der Zauberer-Szene aber, da sei dessen Name gleichbedeutend mit Gott.

„Den Trick übe ich vor jeder Show, damit ich sehe, wie ich drauf bin“

Für den schwierigsten Trick der Show lässt Kell sich von Musik begleiten, er zeigt eine Choreographie aus Kartenkunststücken. Lässt wie von Geisterhand einzelne Karten aus den Stapeln wandern, verstreicht den Stapel dann zu einer langen Reihe, die er dann zum Wogen bringt. Poetisch wirkt das, und sehr, sehr magisch.

„Den Trick übe ich vor jeder Show, damit ich sehe, wie ich drauf bin“, sagt Kell. Fingerfertigkeit sei nicht alles, man müsse entspannt bleiben, „selbst die Unterlippe muss locker sein, sonst klappt der Trick nicht“. Mehr als ein halbes Jahr hat er an diesem Trick gearbeitet, ihn jeden Tag einige Stunden lang geübt. Ein normales Leben sei das nicht. Das könne er ja auch gar nicht führen, habe sein Vater einmal gesagt - und eine Wette angeboten. Einen Monat in der Buchhaltung des elterlichen Sportgeschäftes, mit festen Arbeitszeiten, neun Uhr morgens bis 17Uhr. Wetteinsatz war ein Monatsgehalt für diese Stelle, hielte Remo Kell durch, bekäme er es, bräche er früher ab, müsste er es seinem Vater zahlen. „Montags ging es los, am Donnerstag hab‘ ich meinem Vater schon den Scheck gebracht.“

Keinen anderen Beruf mehr

Den Traum vom eigenen Theater habe er schon lange gehabt, monatelang nach passenden Räumen gesucht. Eine Wohnung wollte er schon umbauen, da habe ihn ein Freund angesprochen, Ahmed Yavuz, der Chef des „Buzzanos“. Die Einrichtung des Restaurants spielt mit dem Thema Mafia, den 50er Jahren in Chicago oder New York. Da würde das „Black Rabbit“ doch wunderbar passen, habe sein Freund gesagt. Und wenn der Zuschauer wolle, könne er vorher was essen oder nach der Show noch ein Bier trinken, so würden alle profitieren.

Kell ist 40 Jahre alt, etwas anderes als Zaubern will er nicht mehr machen. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr zurück kann“, sagt Kell. Bewürbe er sich auf einen normalen Beruf, würde doch jeder ablehnen, wenn im Lebenslauf zu lesen sei, Berufserfahrung: 30 Jahre Zauberkünstler. Dabei hat Kell einen Beruf erlernt, einen, den andere als normal bezeichnen würden. Direkt nach dem Abitur hat er eine Kaufmannslehre gemacht, auch, um die Eltern zu beruhigen. „Aber schon da war mir klar, dass ich das niemals arbeiten werde.“ Bewunderung habe er für Menschen, die jeden Tag ins Büro gingen. Er hat drei Mal in der Woche eine Show, dann noch ein paar Betriebsfeste oder Weihnachtsfeiern, auf denen er auftrete, das reiche ihm. Und natürlich übe er täglich. Aber wer könne schon von sich sagen, tatsächlich seinen Traum zu leben. Ganz ohne Magie.

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