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Religiöser Sockel bröckelt : Hessen glauben eher an Wunder als an Gott

  • Aktualisiert am
72 Prozent sagen aber, dass die Kirchen auf Fragen, die die Menschen wirklich bewegen, keine oder nur manchmal eine Antwort haben
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          Die meisten Hessen wollen den Sinn des Lebens selbst finden. Von den Kirchen jedenfalls lassen sie sich diesen nicht mehr unbedingt vorgeben. Das ergab eine repräsentative Studie mit dem Titel „Was glauben die Hessen?“ im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr), die am Mittwoch in Frankfurt veröffentlicht wurde. Danach sind 80 Prozent der Hessen aller Altersgruppe der Auffassung: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn man ihm selber einen Sinn gibt.“

          Die Hessen glauben eher an Wunder (70 Prozent) als an einen personifizierten Gott (49 Prozent). Zudem ist die Auffassung weit verbreitet, dass „alle Religionen einen wahren Kern haben“ (70 Prozent). Zwei Drittel glauben, dass Tiere eine Seele haben und mehr als ein Drittel, dass Menschen Gedanken lesen können. „Das religiös-spirituelle Potential ist somit vergleichsweise groß, ohne dass allerdings die Kirchen davon profitieren können“, heißt es in der hr-Mitteilung.

          42 Prozent beten täglich - wie sie sagen

          Gut drei Viertel - Christen und Muslime - finden es zwar gut, dass es die Kirchen gibt. Fast eben so viele (72 Prozent) sagen aber, dass die Kirchen auf Fragen, die die Menschen wirklich bewegen, keine oder nur manchmal eine Antwort haben. Bei der Sinnsuche ist die Kirche nur eines von vielen Angeboten auf dem Religionsmarkt - folgern die Autoren der Studie.

          42 Prozent der Befragten geben an, täglich oder zumindest wöchentlich zu beten. „Doch zu was und zu wem sie beten, wird immer vielseitiger.“ Die christliche Aussage, dass sich Gott in Jesus offenbart hat, findet bei den Hessen keinen Konsens mehr. 80 Prozent sind sich aber einig, dass es ein „Geheimnis hinter oder über dem normalen Leben gibt“.

          Dass sich Gott mit jedem Menschen persönlich befasst, glauben nur noch 27 Prozent der evangelischen und 33 Prozent der katholischen Kirchenmitglieder. 15 Prozent der Mitglieder der evangelischen Kirche bezeichnen sich als Atheisten, bei den Katholiken glauben zehn Prozent nicht an die Existenz eines Gottes. Dafür gibt jeder vierte Christ an, an die Reinkarnation zu glauben.

          Bei den meisten religiösen Fragen liegt die Zustimmung der Frauen deutlich höher als die der Männer. So sind Männer mehrheitlich der Meinung, dass ihr „Leben durch die Gesetze der Natur und nicht durch göttliche Gesetze bestimmt wird“ (60 Prozent). Dieser Formulierung stimmt nur jede zweite Frau zu. Ebenfalls gut jede zweite Frau glaubt, dass der Tod der Übergang in eine andere Existenz ist; bei den Männern sind es elf Prozentpunkte weniger.

          Geringe Motivation zur Mission

          Die hessischen Muslime fühlen sich mit ihrer Religion stärker verbunden als die Christen. 96 Prozent der Muslime glauben, dass es einen Gott gibt - bei den Katholiken sind es 82 Prozent und bei den Protestanten 74 Prozent. Bei den Muslimen stimmen auch mehr den Aussagen zu, dass Gott die Welt erschaffen hat, in ihr Leben eingreift und sich persönlich mit jedem Einzelnen befasst. Über 60 Prozent wollen außerdem möglichst viele Menschen für den Islam gewinnen. „Die Motivation zur Mission ist mit 17 Prozent bei den Katholiken und mit 12 Prozent bei den Protestanten deutlich geringer.“

          Die Studie wurde vom Zentrum für kirchliche Sozialforschung der Katholischen Hochschule in Freiburg (ZEKIS) erarbeitet. Die Leitung hatte der Religionssoziologe Michael N. Ebertz.

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