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Eintracht Frankfurt : Das Millionenspiel

  • -Aktualisiert am

Zusammenrücken: Im Kampf gegen den Abstieg ist Schulterschluss gefragt. Bild: firo Sportphoto

In der Relegation gegen Nürnberg kämpft jeder Frankfurter Profi um seine persönliche Punktprämie, das nächste Grundgehalt und um die Fernseheinnahmen der Eintracht.

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          Halten die Nerven? Das ist die große Frage vor den beiden Relegationsspielen der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Nürnberg. In vielen wichtigen Spielen dieser Saison wirkten die Frankfurter Profis, als trügen sie einen Rucksack auf dem Buckel. Das erste Mal in der Hinrunde gegen Darmstadt 98 bei der 0:1-Heimniederlage. Vor allem aber in der Rückrunde gegen Köln, Hamburg, Schalke und Hoffenheim. Alles Begegnungen, in denen ein Sieg entscheidend weitergeholfen hätte, um die Abstiegsangst einzudämmen. Und selbst die Siege über Bremen im Dezember und Hannover im März waren mehr herbei gezittert, als dass sie einer couragierten Leistung entsprungen wären.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Mit nur ganz wenig schlechtem Willen kann man behaupten: Die Eintracht war erst in der Lage, alle Kräfte zu mobilisieren, als sie nichts mehr zu verlieren hatte. Und kaum hatte sie in Bremen wieder die Chance, sich aus eigener Kraft zu retten, kam wieder einer dieser halbgaren Auftritte zustande. Natürlich, die Defensive stand gut und war bestens organisiert. Aber es fehlte jegliche Entlastung, weil sich die defensiven Mittelfeldspieler nicht trauten, in Ballbesitz nachzurücken und weil die Offensivspieler sich überhaupt nichts trauten, außer dem Gegner hinterher zu laufen.

          Trainer Niko Kovac schottet die Mannschaft in diesen Tagen vollkommen ab. Sie soll sich ganz auf sich und die Aufgabe konzentrieren, Energie aus einer Wagenburgmentalität generieren. Ob er dadurch Aggressivität und Leidenschaft seiner Spieler weckt oder eine Verkrampfung provoziert, wird sich mit Anpfiff der ersten Begegnung an diesem Donnerstag in der Frankfurter WM-Arena (20.30 Uhr) zeigen.

          Größte Einbußen bei Fernseheinnahmen

          Die personelle Lage könnte nicht besser sein. Nachdem mit Huszti und Stendera in Bremen zwei konstruktive Mittelfeldspieler fehlten, können sie nun gegen Nürnberg ihren Beitrag zu höherer spielerischer Frankfurter Qualität leisten. Was ganz nützlich sein dürfte, um ein Tor zu schießen. Dazu hat sich die körperliche Verfassung von Alex Meier weiter verbessert. Der Torjäger ist immer noch schmerzfrei und gewöhnt sich immer besser an die Bewegungsabläufe. Trainer Kovac geht soweit, dass er ihn reif für eine Nominierung in der Startelf hält. Es ist aber fraglich, ob sich der 44 Jahre alte Kroate dazu entschließt. Es hat auch etwas, einen torgefährlichen Spieler in der Schlussphase einzuwechseln, wenn der Gegner schon etwas ermüdet ist.

          Es steht eine Menge auf dem Spiel in der Relegation, nicht nur sportlich, sondern vor allem finanziell. 70 Millionen Euro und mehr soll der Abstieg den Verein in den nächsten Jahren auf der Einnahmeseite kosten. Der Betrag würde sich durch ein paar geringere Ausgabenpositionen wie Stadionmiete und ähnliches ein wenig relativieren. In der Zweiten Liga kann die Eintracht weniger Geld von den Sponsoren fordern (ein Hauptsponsor wird noch gesucht), geringere Entgelte für Logen und Lizenzen verlangen. Auch der Wert der Spieler auf dem Transfermarkt reduziert sich, wenn sie als „Absteiger“ gebrandmarkt sind. Am größten sind die Einbußen bei den Fernseheinnahmen. Schon durch die Niederlage in Bremen rutschte die Eintracht auf Platz zwölf der Rangliste ab. Bei einem Sieg wäre sie Neunter gewesen. Der Unterschied in Euro? 3,9 Millionen. Im Lizenzierungsverfahren kalkulierte die Eintracht mit Rang zehn. Nun muss sie den Lizenzspieleretat absenken oder einen zusätzlichen Transferüberschuss erzielen.

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