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Rekordspieler Charly Körbel : „Heynckes war nicht der Totengräber“

  • Aktualisiert am

Spielte vor 40 Jahren zum ersten Mal in der Fußball-Bundesliga: Charly Körbel (links). Bild: Jutta Mehrens

Vor 40 Jahren begann die Bundesligakarriere des Rekordspielers mit einem 2:1-Sieg über Bayern München. Im Rückblick werden viele Eintracht-Erinnerungen wach.

          9 Min.

          Vor 40 Jahren machten Sie Ihr erstes Bundesligaspiel gegen Bayern München. Welche Erinnerung haben Sie?

          Der erste Gedanke ist: Erschreckend, ist das wirklich schon so lange her? Wo ist die Zeit geblieben? Damals habe ich nie gedacht, dass ich Rekordspieler werden würde, viermal Pokalsieger und einmal Uefa-Cup-Sieger, und das mit einem Verein. Was mich immer freut, ist, wenn Spieler kommen und fragen, Sebastian Jung zum Beispiel: „Wie ist es möglich, dass einer so viele Spiele macht?“ Die rechnen dann nach und glauben es nicht. Ich habe 20 Jahre lang immer 30 Saisonspiele absolviert.

          Und was antworten Sie?

          Ich habe keine richtige Antwort. Es ist sicher ein Punkt, dass die Kader kleiner waren. Wir hatten die ersten Jahre nicht mehr als 18 Mann, dazu ein paar Amateure, die auffüllten, wenn wir Verletzungspech hatten. Rotation war kein Thema. Das Ziel war es, mit derselben Mannschaft möglichst durchzuspielen. Und es war so, dass doch ganz viele Bundesligaspieler für den Verein in ihrer Region spielten. Das war bei den Bayern so mit Maier, Müller, Beckenbauer, Roth, Schwarzenbeck, in Gladbach mit Netzer, Heynckes, Vogts und auch bei uns. Nickel, Grabowski, Hölzenbein und ich, für uns gab es nichts anderes als die Eintracht, für den Verein haben wir gelebt.

          Sie bekamen es in Ihrem ersten Bundesligaspiel als 17-Jähriger gleich mit dem Bomber der Nation zu tun. Es gibt einfachere Aufgaben zum Start.

          Wir gewannen 2:1, und Gerd Müller schoss erst in der Schlussphase sein Tor. Ich wurde gefeiert und bekam einen Stammplatz. Aber als ich neulich eine 20-minütige Zusammenfassung gesehen habe, war ich erschrocken, wie schlecht ich damals gespielt habe. Müller stand drei-, viermal alleine vor dem Torwart. Wenn er vorher ein Tor gemacht hätte und wir verloren hätten, dann wäre meine Karriere nicht so beschleunigt worden.

          Waren Sie nicht furchtbar nervös?

          Ich hatte gar keine Zeit dafür. Nach dem Donnerstagtraining fuhr ich nach Hause nach Dossenheim bei Heidelberg. Ich stand nicht im Bundesligakader und sollte mich erst wieder am Sonntag bei den Amateuren melden. Doch dann verletzte sich Friedel Lutz. Geschäftsführer Gerhardt rief meine Mutter an, ich solle nach Frankfurt kommen. Aber ich war mit Freunden unterwegs und sie fand mich erst nach langer Suche. Mein Vater nahm dann einen Tag Urlaub, um mich nach Frankfurt zu fahren. Als ich ins Trainingslager nach Heusenstamm kam, fragte mich Trainer Ribbeck, ob ich mir zutrauen würde, gegen Gerd Müller zu spielen. „Klar, Trainer“, sagte ich. Als ich dann in der Mannschaftsbesprechung meinen Namen auf der Tafel las, wurde mir schon etwas mulmig, kurz vor dem Spiel auch. Aber als der Ball rollte, war alles okay.

          Viermal gewann er den DFB-Pokal: Karl-Heinz Körbel.

          Sie spielten noch oft gegen Gerd Müller und wurden so etwas wie sein Angstgegner.

          Ja, Gerd stöhnte, wenn er mich sah: „Du schon wieder.“ Er hat wenige Tore gegen mich geschossen, weil ich immer Abstand hielt. Er liebte es, auf Tuchfühlung zu gehen, oft fasste er den Verteidigern ans Trikot. Und wenn dann der Ball kam, drehte er sich in den Spieler rein, oder er stieß sich ab, auf jeden Fall nutzte er ihn. Gerd war ja auf den ersten Schritten viel schneller, als die meisten glaubten. Ich blieb immer einen Schritt weg von ihm. Entweder ließ ich ihn den Ball annehmen, ehe ich ihn stellte, oder ich versuchte, früher an den Ball zu kommen als er.

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