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Rekordspieler Charly Körbel : „Heynckes war nicht der Totengräber“

  • Aktualisiert am

Der Vorstand hat sich nicht eingemischt?

Nein, sie haben Jupp völlig alleine gelassen. Der Vorstand hätte vermitteln können oder auch sagen können, wir haben den besten Stürmer Europas, der bleibt. Aber niemand kam. Und dann spielten wir ohne die drei in Gladbach und gewannen 3:0. Alle jubelten: „Endlich haben wir einen Trainer, der durchgreift.“ Dann ging es noch einigermaßen gut weiter, bis wir im Viertelfinale des Europacups gegen Juventus knapp und unglücklich gescheitert sind. Da dachten alle, mit den dreien hätten wir sogar Europapokalsieger werden können. Und alle haben Heynckes den Schwarzen Peter zugeschoben.

Philipp Lahm kritisiert in seinem Buch die alten Trainingsmethoden. Sie sagen, Sie seien schon gut trainiert worden.

Vielleicht nach heutigen Erkenntnissen nicht richtig, aber richtig viel. Wir bekamen keine Pläne mit in den Urlaub, und wir wurden auch nicht regelmäßig gewogen. Aber keiner wollte sich die Blöße geben, durch den Laktattest zu fallen. Das wäre einem höchstens einmal passiert und nicht mehrmals wie zuletzt Caio. Als ich als Siebzehnjähriger ins Trainingslager kam, liefen wir Runde um Runde. Und das Schlimmste war, wir bekamen nichts zu trinken. Damals war Trinken verboten. Wir sind unter die Dusche und haben Duschwasser getrunken, daraufhin kam Trainer Ribbeck und drehte die Dusche ab. Dann bist du zum Essen gekommen und hast eine kleine Flasche Wasser gekriegt. Alle tranken sie sofort aus, nur Jürgen Kalb nicht. Der war ein Ausdauertalent ohne Ende, und der nahm nur einen Schluck. Sofort kamen die anderen und boten ihm Geld für den Rest in der Flasche. Bernd Nickel wollte 10 Mark geben.

Das klingt nicht nach gut trainiert...

Damit will ich nicht sagen, dass die Trainer Idioten waren, die Erkenntnisse waren so. Es war zum Beispiel faszinierend, welches Gespür Jörg Berger hatte, um eine Mannschaft fit zu bekommen. Oder Lothar Buchmann. Ein richtiger Fuchs. Vor dem Pokalfinale 1981 hatten wir gegen den Endspielgegner Kaiserslautern in der Woche zuvor in der Bundesliga 1:4 verloren. Die Lauterer fühlten sich schon als Pokalsieger. Buchmann sagte, wir müssen noch was tun, und fuhr mit uns dienstags in die Erbismühle ins Trainingslager, Samstag war das Spiel. Da sind wir dann den steilen Skihang hochgelaufen. Bis nach Stuttgart hat die Mannschaft nur geschimpft, noch im Bus: „Scheiße, wir haben dicke Beine.“ Dann sind wir aufs Spielfeld und haben die Lauterer totgelaufen. Wir haben unser bestes Pokalfinale gezeigt und 3:1 gewonnen.

Das Gespräch führte Peter Heß.

Spiel in Kürze

14. 10. 1972

Eintracht Frankfurt - FC Bayern 2:1 Frankfurt: Kunter - Kliemann - Körbel - Kalb, Rohrbach - Weidle, Grabowski, Hölzenbein, Nickel - Heese (68. Reichel), Ender Konca.

München: Maier - Beckenbauer - Schwarzenbeck - Hansen, Breitner - Zobel, Roth

(85. Edgar Schneider), Krauthausen (62. Dürnberger) - Hoeneß, Müller, Hoffmann.

Zuschauer: 41.000.

Tore: 1:0 Weidle (53.), 2:0 Hölzenbein (75.), 2:1 Gerd Müller (86.).

Schiedsrichter: Kindervater (Köln).

Besonderes Vorkommnis: Kunter hält Elfmeter von Beckenbauer (38.).

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