https://www.faz.net/-gzg-73klo

Rekordspieler Charly Körbel : „Heynckes war nicht der Totengräber“

  • Aktualisiert am

Für viele Fans war Heynckes der Totengräber der Eintracht, weil er Yeboah, Okocha und Gaudino rauswarf und die spielerisch vielleicht beste Eintracht-Mannschaft der Geschichte zerstörte.

War er nicht. Ich halte viel von ihm, auf Jupp lasse ich nichts kommen. Ich habe sehr viel von ihm in Sachen Disziplin, Ordnung und Organisation gelernt. Er hatte das Pech, zum falschen Zeitpunkt hier zu sein. Man hat ihm Unrecht getan.

Hätte er im Umgang mit den Stars mehr Fingerspitzengefühl haben müssen?

Nein. Das Konsequente war ja auch seine Art, deshalb hatte ihn die Eintracht verpflichtet. Man wollte einen Trainer, der die Verantwortung übernimmt. Heynckes war zu dem Zeitpunkt, als die Sache mit Yeboah, Okocha und Gaudino geschah, aber auch schon sauer. Denn die Eintracht hatte ihm Sachen versprochen, die nicht eingehalten wurden. Ich war an der ominösen Sache damals direkt beteiligt und kann sagen: Heynckes konnte gar nicht anders handeln, als die Spieler rauszuwerfen. Sonst hätte er als Trainer aufhören können.

Was spielte sich damals ab?

Das Verhältnis zwischen Heynckes und Yeboah, er war damals der vielleicht beste Stürmer in allen europäischen Ligen, war von Anfang an schlecht. Yeboah sagte immer, Heynckes habe „böse Augen“. Dann gab es ein Training, in dem Okocha, Gaudino und Yeboah nur den Kasper machten. Heynckes hat sie sich geholt und gesagt: „Entweder spielt ihr richtig, oder ihr lauft.“ Aber sie machten weiter nur Unsinn. Heynckes pfiff ab und sagte ihnen, sie könnten sich umziehen und müssten mit mir am Nachmittag im Riederwald Lauftraining machen. Auf dem Weg in die Kabine traf Yeboah den „Bild“-Reporter Palmert und sagte ihm: „Unter Heynckes werde ich nicht mehr bei der Eintracht spielen. Er oder ich.“

Der Anfang vom Ende.

Ich sagte nur: „Tony, du bist verrückt.“ Drei Stunden später trafen wir uns am Riederwald. Heynckes hatte mich vorher instruiert, dass ich nicht so schnell laufen sollte, damit sie nachher nicht sagen könnten, sie seien kaputt. Und er, Heynckes, würde auch mitlaufen. Ich hatte Yeboah geraten, sich zu entschuldigen, aber das wollte er nicht. Also, wir liefen, ganz langsam, wir haben noch nicht mal geschwitzt: Yeboah, Gaudino, Okocha und ich - Heynckes hinterher, mit seinem roten Kopf, er hatte ja beide Knie kaputt. Und Tony raunte mir immer zu: „Schneller, mach ihn fertig.“ Danach hat Heynckes den dreien mitgeteilt, am nächsten Tag um elf Uhr sei Treffpunkt, Trainingslager vor dem Spiel gegen Gladbach. Und Yeboah antwortete: „Ich komme nicht!“ Was machst du da als Trainer? Da kannst du ihn nur rausschmeißen. Jupp und ich sind dann in die Kabine gegangen, und er hat einen Wutanfall bekommen, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Der mangelnde Respekt hat ihn verrückt gemacht. Am nächsten Tag, da war die „Bild“-Geschichte erschienen, kam Gaudino ins Trainerzimmer und sagte: „Trainer, ich kann nicht spielen, ich bin mental dazu nicht in der Lage.“ Fünf Minuten später klopfte Okocha und sagte in seiner murmelnden Stimme: „Trainer, ich kann das nicht verarbeiten, was passiert ist, ich kann nicht spielen.“ Daraufhin sagte Jupp zu mir: „Ich schmeiß sie alle raus.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.