https://www.faz.net/-gzg-73klo

Rekordspieler Charly Körbel : „Heynckes war nicht der Totengräber“

  • Aktualisiert am

Im Laufe von zwanzig Jahren verändert sich der Fußball. Wie schwierig war es für Sie, die Entwicklung mitzumachen?

Gar nicht. Wir hatten eine gute Ausbildung. Ich habe die besten Taktiker kennengelernt. Gyula Lorant und Dietrich Weise waren ihrer Zeit zum Beispiel weit voraus. Heute reden alle von Lauftrainingslager - wir haben sie schon vor 35 Jahren gemacht. Nur eben nicht in den Alpen, sondern in Oberursel. „Hübler, pack keine Bälle ein, nur Medizinbälle“, hat Weise dann den Zeugwart beauftragt, und wir sind durch die Obstbäume gelaufen. Grabi und Nickel fragten den Trainer prompt, ob er sie noch alle hätte.

Und hat sich Weise durchgesetzt?

Er hat seinen roten Kopf gekriegt und gesagt: „Wir machen das jetzt.“ Der andere, von dem ich viel gelernt habe, war Gyula Lorant. Er war ein Fuchs. Unter ihm haben wir mal 21 Spiele nacheinander nicht verloren. Er hat die Raumdeckung eingeführt, ohne dass wir es merkten. Er ließ uns immer wieder in kleinen Gruppen das Verhalten im Raum üben, aber immer nur mit den elf, die samstags auch spielen sollten. Ronny Borchers, unser Nationalspieler, war damals bei der Bundeswehr und kam nur zum Abschlusstraining. Den ließ Lorant gar nicht mehr mitmachen. „Borchert, du Hartplatz“, sagte er nur. Er konnte sich den Nachnamen nicht merken. Grabowski bewegte er dazu, pünktlich zum Training zu kommen. Grabi hatte sich angewöhnt, zu jedem Training zu spät zu kommen, die Vorgänger ließen das durchgehen. Aber Lorant hat ihn auch stark geredet: „Du kannst doch noch mal zur WM, du musst Nationalmannschaft spielen.“ Unter Lorant hatte Grabowski seine beste Saison gehabt. Zu mir sagte Lorant einmal plötzlich: „Du bist kein Vorstopper mehr.“

Wieso?

Wegen der Raumdeckung. Er sagte: „Du spielst jetzt mit Trinklein, Reichel und Weidle zusammen, ihr bildet eine Einheit.“ Ich sollte den Ball keinem anderen mehr zuspielen. Er hat immer in Gruppen trainieren lassen. Diese standardisierten Spielzüge hatten riesige Vorteile, weil jeder vorher wusste, was der andere machen würde. Lorant hatte auch seine verrückte Seite. Einmal sollte ich trotz Bänderriss spielen, Vereinsarzt Degenhard lehnte ab. Ich stand trotzdem auf dem Spielberichtsbogen. Als ich beim Warmmachen nur humpeln konnte, ließ Lorant dann Borchers Innenverteidiger spielen. Wir verloren 0:2, weil wir zwei Kopfballtore kriegten. Ronny konnte nie Kopfball. Aber so war das - wenn einer angeschlagen war, sagte Lorant: „Komm, mach ein bisschen Zahnpasta drauf, dann geht es schon.“ Zu mir sagte er: „Du bist mit einem Bein besser als andere mit zweien.“ Da strengt man sich halt an, wenn man so etwas hört. Und dann ging es auch.

Welche Trainer haben Sie noch beeindruckt?

Ich habe von jedem Trainer etwas mitgenommen, außer von Dettmar Cramer. Der hat mit seinem dicken Fifa-Abzeichen auf dem Trainingsanzug Klappmesser vorgemacht. Das war es dann aber auch schon. Da waren Zebec und Heynckes andere Kaliber. Unter Heynckes war ich auch Co-Trainer bei der Eintracht. Er ließ mich vier Wochen lang jede Einheit mitschreiben, die Aufzeichnungen habe ich immer noch. Und ich habe mir sie neulich erst durchgelesen, die Übungen waren genial.

Weitere Themen

Topmeldungen

Von innen nach außen –  die zerstörten  Gleise der Ahrtalbahn bei Marienthal, daneben die zerstörte Bundesstraße B 267.

Medienökologin über die Flut : „Es sind Bilder entfesselter Kräfte“

Schutzmaßnahmen allein reichen nicht – wir brauchen neue Erzählungen, sagt die Medienökologin Birgit Schneider. Im Interview spricht sie über die Darstellung des Klimawandels und die Kluft zwischen Wissen und Handeln.

Afghanistan : Eine Stadt in Angst

Die Taliban stehen vor Kabul. Viele Einwohner der afghanischen Hauptstadt sind verzweifelt und fragen sich, ob sie fliehen sollen. Ein paar junge Frauen wollen kämpfen.

Basketball-Star Luka Dončić : Schaut diesem Jungen zu!

Luka! Die besten Basketballspieler werden beim Vornamen genannt. Der Slowene Dončić will in Tokio den Entertainern der USA die Show stehlen. Denn vielleicht ist seine erste Chance schon die letzte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.