https://www.faz.net/-gzg-8elhc

Rekordergebnis der AfD : Der Denkzettel aus Dietzenbach

Wahlkämpfer: Alexander Gauland spricht in Dietzenbach. Bild: Marcus Kaufhold

Die AfD hat in der Stadt ein Rekordergebnis erzielt. Gründe sind allgemeiner politischer Unmut - vor allem im Spessartviertel, in dem viele Zuwandererfamilien wohnen.

          3 Min.

           „Protest“ und „Protestwahl“ - diese Worte fallen häufig, wenn man sich in Dietzenbach mit Passanten unterhält. Das Wahlergebnis der Alternative für Deutschland (AfD), die dort bei der Kommunalwahl am Sonntag 14,7 Prozent bekam, sorgte für Aufsehen. Für viele Dietzenbacher sei es „erst einmal ein Schock gewesen, dass die Stadt da so weit nach vorne gekommen ist“, sagte Jürgen Kretz, der 1957 nach Dietzenbach zog. Das gute Abschneiden der AfD wertet er als „Protest wegen unserer Asylanten“. Die Stadt habe ohnehin einen hohen Ausländeranteil; jetzt kämen noch „relativ viele“ Flüchtlinge dazu. Kretz sagte, er kenne einige AfD-Kandidaten. Bei ihm gebe es nur „Kopfschütteln, wer dort dabei ist“. Er rechne damit, „dass die Parteien weiter das Sagen haben, die bisher dran sind“. Der Wahlerfolg der AfD - „das wird im Sande verlaufen.“ Sieben von 45 Stadtverordneten wird die AfD in Dietzenbach künftig stellen.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Das Rathaus wurde vor fünf Jahren nach grundlegender Sanierung wiedereröffnet. Direkt daneben entstand schon 2007 ein schmuckes Fachmarktzentrum, das damals einen in die Jahre gekommenen Toom-Markt ablöste. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das 2002 fertig gewordene Kreishaus: Der Umzug der Kreisverwaltung, die zuvor 170 Jahre ihren Sitz in Offenbach hatte, verhalf Dietzenbach zur Bezeichnung „Kreisstadt“. Rathaus, Fachmarktzentrum, Kreishaus und die gegenüberliegenden Wohn- und Geschäftshäuser markieren die Stadtmitte, die früher „neue Stadtmitte“ hieß. 1973 wurde Dietzenbach von der Landesregierung zum Entwicklungsbereich erklärt und sollte von ursprünglich 6000 auf rund 60.000 Einwohner wachsen. Daraus wurde nichts; heute hat Dietzenbach rund 35.000 Einwohner.

          Der Wähler der AfD sei „gesichtslos“

          Plakate zur Kommunalwahl sieht man im Stadtbild nur noch vereinzelt. Im Oktober vergangenen Jahres lockte eine Veranstaltung der AfD mit ihrem stellvertretenden Bundessprecher Alexander Gauland rund 200 Zuhörer ins Bürgerhaus; 60 Personen demonstrierten vor dem Rathaus dagegen.

          Wenn man vom AfD-Ergebnis höre, stelle man sich unter Dietzenbach eine „schreckliche Stadt“ vor, befürchtet die bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Alex, die auch Landtagsabgeordnete ist. Dabei gebe es ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement etwa in den Vereinen, in der Flüchtlingshilfe und in der Seniorenhilfe. Die Stadt habe eine „sehr zugewandte Bürgergesellschaft“. Die Frage sei, „wer fühlt sich abgehängt?“ Alex ließ erkennen, die Wähler der AfD seien für sie „gesichtslos“: An den Wahlkampfständen sei es „in der ganzen Kampagne vielleicht ein- oder zweimal vorgekommen, dass jemand sagte, ich wähle die AfD“. Viele, die dies taten, hätten offenbar „Denkzettel“ verpassen wollen, oder ihnen sei die Politik egal. Christian Heidelberger saß gemeinsam mit einigen Bekannten am Europaplatz, direkt vor Rathaus und Fachmarktzentrum. Nach seiner Einschätzung fragen sich viele Menschen derzeit, „wie geht es weiter mit den Flüchtlingen und der Politik allgemein“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demokraten-Debatte : Angriff auf Warren

          Bei der vierten Fernsehdebatte der Demokraten zeigte sich, dass Joe Biden nicht mehr der einzige Favorit ist, an dem sich alle abarbeiten. Diesmal musste Elizabeth Warren die meisten Angriffe parieren. Und Bernie Sanders musste sich nach seinem Herzinfarkt Fragen zu seiner Gesundheit gefallen lassen.
          Ein Messschlauch eines Geräts zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf.

          Diesel-Skandal : Australischer Richter findet Einigung „unverschämt“

          Dass Volkswagen in der Diesel-Affäre einen Kompromiss mit der australischen Wettbewerbsbehörde geschlossen hat, regt den Richter auf. Das VW-Management wolle seine Hände in Unschuld waschen. „Ein Fiasko für die Unternehmensaufsicht.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.