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30 Ironmen in einem Urlaub : Wie ein Hesse den längsten Triathlon der Welt schaffen will

  • -Aktualisiert am

Mit Sonnenbrand: Dirk Leonhardt Bild: Maximilian von Lachner

Dirk Leonhardt aus Bruchköbel will den Weltrekord für den längsten Triathlon brechen. Dafür muss er fast 7000 Kilometer zurücklegen. Nicht wenige halten ihn für verrückt – doch dem Mann aus Hessen geht es um etwas ganz Besonderes.

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          Es ist eine idyllische Kulisse: Rund um den Badesee stehen kleine Häuser in großzügigem Abstand zueinander. In den gepflegten Gärten wächst viel Grün. Die Sonne scheint, und auf der Wasseroberfläche spiegeln sich die vorbeiziehenden Schäfchenwolken. Hier stehen eigentlich alle Zeichen auf Entspannung. Doch ein Mann bringt Bewegung in die verschlafene Kleingartenanlage: Dirk Leonhardt aus Bruchköbel bei Hanau krault schon seit dem 2. Juli durch den Badesee in Biblis. Jeden Tag, 25 Kilometer von etwa 6 bis 21.30 Uhr. Dabei hat er ein Ziel immer vor Augen: Er will ins Guinness-Buch der Rekorde für den längsten Triathlon der Welt.

          Dafür will der Familienvater eine Strecke von knapp 7000 Kilometern zurücklegen: 200 Kilometer im Wasser, 5400 auf dem Rad und 1320 zu Fuß. Das sind in etwa 30 Ironmen – und die will Leonhardt alle in seinem Jahresurlaub absolvieren. „Über 130 Kilometer habe ich schon geschafft“, sagt er am Dienstagmittag. „Die letzten 70 warten noch auf mich.“ Am Donnerstagabend will er endlich aufs Rad umsteigen. Ursprünglich war der Wechsel schon für Mittwoch geplant. Dafür hätte Leonhardt jedoch 30 Kilometer am Tag schwimmen müssen. Das sei zu viel für seinen Körper gewesen. Deswegen sind es nun pro Tag fünf Kilometer weniger. Auf dem See markieren drei gelbe Bojen die Strecke von 367,4 Metern – so viel misst eine Runde von einem Ufer zum anderen und wieder zurück. Davon muss er 70 jeden Tag schwimmen.

          Durchhalten mit Wärmebalsam und Nutella-Broten

          Die enorme körperliche Anstrengung, die der Bruchköbeler dafür auf sich nimmt, sieht man ihm an. Die Arme kann er teilweise nur noch schwer aus dem Wasser ziehen. Am Dienstagmorgen macht ihm ein Krampf im Oberarm zu schaffen. Neben der körperlichen Herausforderung hat der Extremsportler noch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Es ging los mit ganz schlimmem Sonnenbrand“, erzählt Ehefrau Ilsa, die ihren Mann vom Ufer aus beobachtet. Vor allem Gesicht und Nacken seien betroffen. Und das, obwohl er Sonnencreme aufgetragen habe. Deshalb habe sie ein Shirt ihres Sohnes als UV-Schutz zurechtgeschnitten. Das klemmt jetzt unter der Badekappe, damit es den Nacken schützt.

          In den vergangenen Tagen sei dann die Kälte ein Problem gewesen. Trotz Neoprenanzug verliere er immer wieder Körperwärme. Aber dafür habe man schon eine Lösung gefunden: Wärmebalsam aus der Apotheke. „Das brennt im ersten Moment richtig und dann rennt er direkt ins Wasser“, sagt Leonhardts Frau und muss dabei lachen. Sie unterstützt ihren Mann und kümmert sich auch um seine Verpflegung. An einer gelben Boje am Ufer schwimmt ein kleines Tablett mit einer Trinkflasche und zwei Brotboxen. Morgens gibt es häufig ein Schoko-Hörnchen oder ein Brot mit Nutella. Mittags kocht sie ihm zum Aufwärmen auch mal eine Suppe.

          Unterstützt wird Leonhardt bei seinem Weltrekordversuch aber nicht nur von seiner Ehefrau. Die Möglichkeit, im Badesee zu schwimmen, hat dem Bruchköbeler eine befreundete Familie eröffnet. Denn sie besitzt ein Haus an dem See. Außerdem seien in den vergangenen Tagen immer wieder Arbeitskollegen von der Bundesbank vorbeigekommen. Um Leonhardt zu motivieren, seien einige sogar mehrere Runden mit ihm geschwommen, berichtet seine Frau.

          16 bis 18 Stunden auf dem Fahrrad

          Sie braucht aber nicht nur beim Anfeuern Unterstützung, sondern auch bei den Formalia, die für den Platz im Guinness-Buch der Rekorde beachtet werden müssen. Beim Radfahren und Laufen wird der Streckenfortschritt per GPS verfolgt. Beim Schwimmen ist das nicht möglich. „Da oben läuft die ganze Zeit eine Kamera“, sagt Ilsa Leonhardt und deutet auf die Fensterscheibe im ersten Stock des Wohnhauses. Außerdem sitzt immer mindestens eine Person am Ufer und führt eine Strichliste über die Runden, die Leonhardt unermüdlich im See schwimmt.

          Bringt Bewegung in die Kleingartenanlage: Dirk Leonhardt krault schon seit dem 2. Juli durch den Badesee in Biblis.

          „Die Motivation ziehe ich daher, dass es mein Wunsch ist, so was Verrücktes zu machen“, sagt der Extremsportler. „Und ich will einfach wissen, ob ich das schaffe.“ Der Wechsel vom Wasser auf den Sattel soll eigentlich ohne große Pause ablaufen. Da sei ihm der Triathlon-Gedanke sehr wichtig, so Leonhardt. Doch ob er am Ende des Tages tatsächlich noch im Dunkeln von Biblis nach Bruchköbel fährt, werde man noch entscheiden, so Ilsa Leonhardt am Donnerstagmorgen. Von seinem Wohnort Bruchköbel aus will er viermal täglich eine selbst ausgewählte Rundfahrt zwischen Hanau und Aschaffenburg abfahren. Um sein Ziel von 400 Kilometern pro Tag zu erreichen, muss er wohl 16 bis 18 Stunden auf dem Rad sitzen. Am Ende stehen noch 1320 Kilometer Laufen an. Um im selbstgesteckten Zeitrahmen zu bleiben, müsste er täglich zwei Marathons laufen.

          „Du bist verrückt“ ist ein Satz, den Leonhardt sich schon anhören musste, als es um seinen Triathlon der Superlative ging. „Es ist ziemlich verrückt und isoliert betrachtet nicht wirklich gesund, aber da hängt ja noch mehr dran“, sagt der Familienvater. Es ginge um die Motivation und was man für das Leben daraus mitnehme. Vom Guinness-Buch-Komitee gibt es eigentlich keine zeitlichen Vorgaben. Doch dafür bekommt der Familienvater von anderer Seite Druck. Nicht nur sein Urlaub ist endlich, am 18. August soll sein Sohn eingeschult werden. Für Ilsa Leonhardt steht deshalb fest: Bis dahin muss der Weltrekord geschafft sein.

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