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Reisen mit dem Bus : Ziemlich günstig angekommen

  • -Aktualisiert am

Pascal kennt diese Argumente. Und umweltschonend unterwegs zu sein ist ihm wichtig. Deswegen will er, sollte er noch einmal den Fernbus nutzen, auch ein paar Euro mehr bezahlen und seinen Teil beitragen zu einer Art Kompensationsgeschäft: Für den Aufpreis reicht das Busunternehmen diese Summe an eine Klimaschutzorganisation weiter, die damit wiederum zum Beispiel Windparks in der Türkei baut. Auch viele andere Unternehmen, etwa die Bahn, bieten solche Co2-Ausgleichstickets an.

Große Konkurrenz: Mitfahrgelegenheit.de

Jetzt, da er im Bus sitzt, beschäftigen Pascal zunächst aber ganz praktische Dinge: Wer wird neben mir sitzen? Ist er oder sie leise oder laut? Raucher oder Nichtraucher? Da kann eine mehrstündige Fahrt unter Umständen anstrengend werden. Mehr Informationen - zumindest über den Fahrer - bekommt, wer seine Reise über eine Mitfahrzentrale bucht und für seinen Städtetrip gegen Benzinkostenbeteiligung in einen privaten PKW einsteigt. Simon Baumann von der „Mitfahrgelegenheit.de“ ist dennoch überzeugt davon, dass die Fernbusse für Angebote wie seines und für die privaten Fahrer zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden. Dass die Fernbusse ihre niedrigen Preise halten, glaubt er nicht: „Das sind zum Teil auch Startangebote.“ Auf lange Seicht bleibe die private Mitfahrgelegenheit die günstigste Variante. „In Sachen Flexibilität sind Mitfahrgelegenheiten nur schwer zu schlagen“ - was die Internetplattform aber nicht davon abhält, selbst Tickets für Fernbusse zu verkaufen. „Es ist Chance und Herausforderung zugleich“, sagt Baumann.

Nach Einschätzung des Verkehrswissenschaftlers Lanzendorf ist der Markt so groß, dass alle Reisemöglichkeiten eine Zukunft hätten, die unterschiedlichen Angebote würden aber von unterschiedlicher Klientel genutzt. Als Kunden für den Fernbus sieht er in erster Linie diejenigen, die aufs Geld achten müssen, Studenten vor allem und Auszubildende unter 30 Jahren.

Christian Janisch, Mitbegründer von „DeinBus“ aus Offenbach, sieht die Lage ganz entspannt: „Wir machen jetzt nicht das zweite Facebook.“ Der Markt sei zwar riesig, und sein Unternehmen werde schon bald schwarze Zahlen schreiben. Es sei aber noch nicht abzusehen, wie groß der Marktanteil der Fernbusse einmal sein werde, ist der derzeitige Hype erst einmal vorbei. Denn noch wird viel angekündigt, aber wenig realisiert: Die Bahn, die wegen ihres alten Monopols schon eine große Flotte an Reisebussen besitzt, sieht von einem Ausbau des Liniennetzes zwar ab. Man werde den Markt aber genau beobachten, sagt ein Bahn-Sprecher. Tätig wird der Staatskonzern vielleicht dann werden, wenn die Fernbusse sich auf die Strecken und die Ziele konzentrieren, die per Zug schon heute nicht mehr gut zu erreichen sind: In den vergangenen Jahren hat sich die Bahn vor allem den Hochgeschwindigkeitsstrecken gewidmet. Das könnte die Fernbusse konkurrenzfähiger machen.

Für den verliebten Studenten aus Frankfurt zählt ohnehin vor allem: möglichst günstig und in einer akzeptablen Zeit am Ziel anzukommen. Die Fahrt, berichtet er aus Leipzig, sei entspannt gewesen und ohne Stau, und es habe auch niemand neben ihm geschnarcht. Nur das Schreiben an der Hausarbeit habe wegen des ständigen Ruckelns dann doch nicht so gut funktioniert wie gedacht. Pascal sieht es pragmatisch: „Das ist eine Frage der Gewöhnung.“ Das Bahnticket, sagt er dann noch, hätte ihn nicht 15, sondern 77 Euro gekostet.

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