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Hessisches Landesabitur : Reifeprüfung bestanden

Finale der Schullaufbahn: Rund 25.000 hessische Schüler schreiben derzeit das Abitur - so auch an der Oranienschule in Wiesbaden (Foto) Bild: Wolfgang Eilmes

Erst war das Landesabitur umstritten, dann von Pannen geschüttelt, jetzt ist es etabliert. Fraglich bleibt, welche Aussagekraft die Noten haben.

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          Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Das machen die Schlagzeilen zur Einführung des Landesabiturs im Jahr 2007 deutlich. Vor dem „Fetisch der Vergleichbarkeit“ und vor „Gleichmacherei“ warnt die Opposition im hessischen Landtag, vor einem zum Scheitern verdammten „Versuch, Bildung zu normieren“ die Lehrergewerkschaft GEW. Wer das liest, dem kann in diesen Tagen, da ziemlich unaufgeregt wieder einmal zentrale Abiturprüfungen geschrieben werden, nostalgisch zumute werden.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Einführung des Landesabiturs war nicht die einzige Bildungsreform, die im Jahr 2007 die hessischen Schulen bewegte. Die CDU Roland Kochs versuchte, das vom Pisa-Schock erschütterte Schulwesen umzugestalten und hatte mit ihrer absoluten Mehrheit auch die Macht dazu. Manches Projekt muss als gescheitert betrachtet werden, allen voran die schlecht vorbereitete und inzwischen nur noch optionale achtjährige Gymnasialzeit. Doch das Zentralabitur hat sich etabliert.

          Prüfungen laufen

          Mehr als 25.000 junge Hessen absolvieren derzeit die schriftlichen Prüfungen. Am Donnerstag haben sie mit Englisch begonnen, heute werden sie mit den Leistungskursen unter anderem in Deutsch, Geschichte und Sport fortgesetzt, um dann kurz vor den Osterferien mit den Leistungs- und Grundkursen Physik zu enden. Wurden die Aufgaben früher von den einzelnen Lehrern erarbeitet, werden sie seit zehn Jahren zentral für ganz Hessen erstellt. Verantwortlich dafür sind Fachkommissionen, bestehend aus erfahrenen Abitur-Prüfern.

          Das heißt allerdings nicht, dass nichts schiefgehen kann. Besonders eklatant waren die Fehler in der Mathematik-Prüfung 2009. In den Aufgabenstellungen fehlten ein Minuszeichen, der Verweis auf die Variable y und ein Hinweis auf ein Baumdiagramm. Zwar fielen die Fehler am Prüfungsmorgen auf. Doch die Nachricht aus Wiesbaden erreichte manche Schulen erst, als die Abiturienten über den unverständlichen Aufgaben bereits verzweifelt waren. Das Malheur sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil so viele Schüler betroffen waren. Mathematik ist das mit Abstand häufigste Prüfungsfach, zwei von drei Abiturienten belegen es.

          Die Panne hatte für das Kultusministerium ein unangenehmes und zudem langwieriges Nachspiel. Die gerade erst ins Amt gekommene Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kam der Forderung zwar nach, eine Wiederholung anzubieten, doch das reichte der Redaktion einer großen Boulevardzeitung nicht. Sie forderte, den Namen und die Funktion dessen zu nennen, der die fehlerhaften Unterlagen freigegeben hatte.

          Drei Jahre juristischer Streit

          Als das Ministerium das mit dem Argument der Schutzbedürftigkeit des Mitarbeiters verweigerte, ging der Verlag vor Gericht. Es gehe um die prinzipielle Frage, welchen Anspruch Journalisten auf Auskunft von Behörden hätten. Aus dem Ministerium wurde hingegen gestreut, dass die Beharrlichkeit der Zeitung vor allem damit zu tun habe, dass unter den Abiturienten auch die Tochter des Frankfurter Redaktionsleiters gewesen sei. Der juristische Streit dauerte drei Jahre und endete erst vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof, der dem Ministerium recht gab.

          Pannen ähnlicher Größenordnung sind seither nicht mehr passiert, allerdings gibt es immer wieder Kritik an komplizierten und teils unsinnigen Fragestellungen. Im vergangenen Jahr lautete eine Aufgabe im Deutsch-Abitur beispielsweise: „Beurteilen Sie, inwiefern die Kenntnis der Visionen Grenouilles aus Süskinds ,Das Parfum’ und des Prinzen aus Kleists ,Prinz Friedrich von Homburg’ die Einschätzung dieser literarischen Figuren und ihrer Handlungen durch die Leser beeinflusst.“

          Lehrer, die ihre Prüflinge damit konfrontieren mussten, gaben offen zu, dass sie selbst die Fragestellung nicht verstanden hätten. Die Formulierung sei schon inhaltlich falsch, weil der Prinz von Homburg keine Visionen, sondern Träume gehabt habe, und auch grammatikalisch unsauber. In einer etwas einfacheren Formulierung trete die Sinnlosigkeit der Aufgabe zutage: „Beurteilen Sie, welchen Einfluss es auf den Leser hat, dass in dem Text etwas geschildert wird.“

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