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Schulöffnungen vor den Ferien : Zwei Wochen Struktur für Kinder

Hessens Grundschulen beginnen am 22. Juni wieder mit dem gemeinsamen Präsenzunterricht für alle Kinder. Bild: dpa

Wer vertraut, kann die Rückkehr zum fast normalen Schulbetrieb in Hessen nur erfreulich finden. Für die Lernstoff-Bilanz des Halbjahrs bringt das nahezu nichts. Dafür schenken die zwei Wochen etwas anderes.

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          Noch zwei Wochen Schule vor sechs Wochen Sommerferien – ist das sinnvoll oder verantwortungslos? Die Antwort kann nur geben, wer einzuschätzen vermag, wie gefährlich das Coronavirus ist. Nicht absolut gesehen, sondern angesichts der aktuellen Pandemie-Situation und mit Blick auf die Infektionsgefahr bei Kindern. Die hessische Landesregierung beruft sich auf neue Erkenntnisse der Wissenschaft. Das haben Politiker von Beginn an getan und sich erst beim Schließen, dann beim Öffnen voran getastet.

          Oft hat bei den Entscheidungen aber auch der Dominoeffekt der Bundesländer eine Rolle gespielt. Jetzt gibt es eine Dynamik der Rückkehr zum Regelunterricht, der sich auch Hessen nicht entzieht. Vom 22. Juni an gehen Grundschüler wieder täglich in die Schule, in voller Klassenstärke, idealerweise ohne Kontakt der Klassen untereinander.

          Die Abstandsregel gilt dann nicht mehr. In der Bahn oder beim Einkaufen aber schon. Das wirft Fragen auf. Eine Mutter brachte die Zweifel am Tag der Verkündung so auf den Punkt: „Unsere Kinder sind doch keine Versuchskaninchen!“ Auch ist die Frage berechtigt, wie sich das sehnliche Warten auf den Impfstoff damit verträgt, dass Kinder angeblich wieder problemlos dicht an dicht im Klassenzimmer sitzen und anschließend zu ihren Familien gehen können.

          Eine Probe vor den Ferien

          Aber offenbar lassen das Wissen über die Wirkung des Virus bei Kindern und das aktuelle Infektionsgeschehen die neue Lockerheit an den Schulen zu. So garantiert es die Landesregierung. Eltern können darauf vertrauen – oder ihre Kinder bis zu den Ferien zu Hause lassen.

          Wer vertraut, kann die Rückkehr zum fast normalen Schulbetrieb nur erfreulich finden. Weniger wegen der Eltern, die wieder mehr arbeiten und damit auch ihren Arbeitgebern Freude bereiten. Sondern wegen der Kinder. Vor der langen Ferienpause und nach der noch viel längeren Corona-Pause werden sie wenigstens zwei Wochen lang daran erinnert, dass es so etwas gibt wie ganz normalen Unterricht. Für die Lernstoff-Bilanz des Halbjahrs bringt das nahezu nichts. Aber die zwei Wochen schenken Struktur und Sicherheit. Und die Schulen können proben – was sie sonst nach den Ferien tun müssten.

          Bisher haben sich die Entscheidungen beim Lockern weitgehend als richtig erwiesen. Wenn es dabei bleibt, muss der diesmal besonders wohlverdiente Familienurlaub auch nicht ausfallen, weil die Kinder sich im Regelunterricht angesteckt haben.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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