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Zoos in Rhein-Main : Die Ansprüche der Zebras

Ansichtssache: Zebras im Frankfurter Zoo Bild: F.A.Z.

In einer Umfrage freuen sich die Zoos über 82 Prozent Zustimmung. Sie müssen sich nicht nur mit dem Wohl der Tiere, sondern auch mit den Erwartungen der Menschen auseinandersetzen.

          3 Min.

          Nicht allein die 1,6 Millionen Besucher im Jahr, die den Zoo Frankfurt, den Opel-Zoo in Kronberg und das Vivarium Darmstadt zu einigen der beliebtesten Freizeiteinrichtungen Hessens machen, finden Zoos offenbar gut. Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Verbands der Zoologischen Gärten haben auch 82 Prozent der Teilnehmer geantwortet, dass sie Zoos in Deutschland grundsätzlich befürworten. Zwölf Prozent lehnten Zoos ab, weil dort Tiere gefangen gehalten würden. Sechs Prozent machten keine Angaben. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im November 1500 Personen in Deutschland befragt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Der Direktor des Opel-Zoos, Thomas Kauffels, sieht durch das im Juli vorgestellte Ergebnis die Bemühungen um mehr Verständnis bestätigt. Denn zu Beginn des neuen Jahrtausends hätten die Zoos eine klare Positionierung verschlafen. „Wir dachten, wir sind eh die Guten.“ In der Debatte um die Tierhaltung, verstärkt durch die sozialen Medien, habe man anfangs wenig Gehör gefunden. Inzwischen habe man die Verbandsstrukturen geändert, und es gebe ein Büro im Bundespressehaus in Berlin. „Die Umfrage zeigt, dass wir eigentlich aus einer Position der Stärke heraus argumentieren können.“ Für 80 Prozent der Befragten hat sich durch einen Zoobesuch ihre Wertschätzung für Tiere vergrößert, und 69Prozent gaben an, dabei viel oder sehr viel über die Tiere erfahren zu haben.

          Frank Velte, Zoopädagoge des Vivariums Darmstadt, freut sich über diese Zahlen besonders. „Bildung wird immer wichtiger, denn wir sind der Natur entfremdet.“ Wer einmal vor einem trompetenden Elefanten gestanden habe, werde das nicht vergessen. „In Zoos können die Menschen Tiere nicht nur sehen und hören, sondern auch riechen.“ Das lasse sich durch keinen Tierfilm und keine 3D-Animation ersetzen. Immerhin 84 Prozent hätten sich dafür ausgesprochen, dass regelmäßige Zoobesuche Bestandteil des Schulunterrichts sein sollten.

          Aus Sicht von Miguel Casares, Direktor des Frankfurter Zoos, hat sich die Gewichtung der vier klassischen Säulen des Zoos – Erholung, Bildung, Forschung und Naturschutz – inzwischen deutlich verschoben. „Der Artenschutz ist so notwendig wie nie zuvor.“ Das sahen auch die Befragten so: 98 Prozent bezeichneten den Erhalt der biologischen Vielfalt durch Haltung und Zucht gefährdeter Tierarten als wichtigste Aufgabe der Zoos. An zweiter Stelle folgten das Engagement für Natur- und Artenschutz auch außerhalb des Zoos.

          Erhalt der Wildtiere im eigenen Ökosystem

          Für Casares steht der Erhalt der Wildtiere in ihrem Ökosystem vorn. „Nach Schätzungen verschwinden jeden Tag 100 bis 150 Arten von der Erde.“ Fast alle Zoos förderten deshalb Schutzprojekte. Dazu könnten sie außer ihrer eigenen Zuchtarbeit auch ihre hohe Reichweite nutzen. „Die deutschen Zoos haben 40 Millionen Besucher im Jahr. Auf diese Weise können wir diese Botschaften transportieren und die Gesellschaft für den Artenschutz mobilisieren.“ Das gehe nur gemeinsam, sagt Opel-Zoodirektor Kauffels. Deshalb träten die drei Zoos aus Frankfurt, Kronberg und Darmstadt, die dem Verband angehörten, dort auch zusammen auf. „Wir sind keine Konkurrenten, denn keiner kann die Welt allein retten.“

          Bei aller Zustimmung hielten die Befragten die Zoos allerdings nicht für einen idealen Ort. Zwar fanden es 65 Prozent grundsätzlich in Ordnung, dass Wildtiere in Zoos gehalten werden. 49 Prozent glaubten aber nicht, dass sie sich dort wohl fühlen. Nur 37 Prozent waren dieser Ansicht, 14 Prozent antworteten mit „weiß nicht“. Früher seien Zoos eine Art Briefmarkensammlung von Individuen gewesen, sagt Casares. „Heute bilden wir Ökosysteme nach.“

          Natürlich hätten sich die Tiergehege in den vergangenen 100 Jahren entwickelt, sagt Kauffels. Die Ansprüche der Tiere seien dabei gleich geblieben. Ein Zebra zum Beispiel benötige heutzutage dasselbe wie damals. „Es hat sich aber geändert, wie wir sie interpretieren.“ Viele meinten, in der Natur gehe es den Tieren gut und sie seien frei, sagt Velte. „Aber in einer Rangordnung bekommen sie gesagt, was sie tun müssen.“ Und wenn ein neuer Löwe im Rudel alle männlichen Jungtiere töte, fühle sich die Löwenmutter vermutlich nicht gut.

          Kauffels nannte das Territorialgehabe als ein weiteres Beispiel. „Ein Zebrahengst hat bei uns in der Paarungszeit mehr Platz als in freier Wildbahn, wo ihn die anderen Hengste in die Schranken weisen.“ Ein Hinweis auf das Tierwohl sei das Lebensalter, erläutert Velte. Ein Großteil der Tiere werde in Gehegen älter. „Natürlich ist das ein wichtiges Forschungsgebiet“, meint Casares. „Das es ohne uns nicht gäbe“, ergänzt Kauffels.

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