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Zoos in der Kritik : Erlebnis und Pädagogik

Ein Tierpfleger füttert Brillenpinguine im Opel Zoo. (Archivbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Manche Tierart hat nur unter menschlicher Obhut eine Chance zu überleben. Manchmal sollte man weniger nach eigenen Maßstäben urteilen, sondern auf Biologen und Tierpfleger hören.

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          An einem gewöhnlichen Sonntagnachmittag kann sich plötzlich die Sinnfrage stellen. Warum gibt es ein derart merkwürdiges Tier wie das Okapi? Ein Wesen wie aus einem Fantasy-Film, mit gestreiften Beinen, einem eher gedrungenen Körper, und dabei doch ein Verwandter der Giraffen. Je eingehender man das Tier von beeindruckender Größe studierte, desto rätselhafter erschien es einem. Ein Inbegriff der Artenvielfalt. Die Begegnung ergab sich bei einem Besuch im Frankfurter Zoo. Wobei die lange zurückliegende Bauzeit des alten Okapi-Hauses nicht zu übersehen war.

          Zoos sind die günstigste und naheliegende Möglichkeit, wilde Tiere in echt zu erleben. Kinder können lernen, was für einen Unterschied es zwischen dem vorlauten Kinderbuchelefanten und dem echten, sich majestätisch-langsam bewegenden Original im Opel-Zoo gibt. Oder ihre eigene Schildkröte mit anderen Augen sehen, wenn sie einmal im Darmstädter Vivarium vor den wahrlich beeindruckenden Riesenexemplaren von den Seychellen gestanden haben. Diese Schauwerte nutzen Zoos, um über Tiere und ihre Lebensräume zu informieren, am besten bei einer Führung.

          Manche Tierart hat nur unter menschlicher Obhut eine Chance zu überleben. Diese Aufgabe der Zucht nehmen die Zoos ebenso ernst wie sie das Bewusstsein dafür schärfen, dass dafür wiederum der Mensch verantwortlich ist. Hartnäckige Zoogegner überzeugt dieses Argument nicht. Aber auch von den Zoobesuchern zweifeln viele daran, dass sich die Tiere dort wohl fühlen.

          Diesen würde man natürlich am liebsten in der Natur ihren Lauf lassen. Nur gibt es die in vielen Heimatländern kaum noch. Einem Orang-Utan in die Augen zu blicken, ist eine starke Motivation, sich für den Erhalt des Regenwalds auf Borneo einzusetzen.

          „Zoos sind für Menschen gemacht“, sagt der Kronberger Zoodirektor Thomas Kauffels. Die finden zum Beispiel eine Glasscheibe vor dem Affengehege viel besser als die früher üblichen Gitterstäbe. Obwohl die Affen daran wunderbar nach oben klettern konnten. Manchmal sollte man weniger nach eigenen Maßstäben urteilen, sondern auf Biologen und Tierpfleger hören. Sie sind Experten für die Haltung und die Bedürfnisse von wilden Tieren – und arbeiten in Zoos.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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