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Zigarettenschmuggel : Gewinne wie im Drogenhandel

Beschlagnahmte Zigaretten (hier in Mecklenburg-Vorpommern): In Birstein haben Zöllner jetzt mehr als 700 Stangen der chinesischen Marke „Jin Ling” sichergestellt Bild: ZB

Das Geschäft mit geschmuggelten Zigaretten boomt, denn damit lässt sich viel Geld verdienen. Aber: Die Zollfahnder im Rhein-Main-Gebiet werden öfter fündig.

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          Die geschmuggelten Zigaretten, die vor wenigen Tagen in Birstein sichergestellt worden sind, waren gut versteckt. In einer Garage, ordentlich verpackt in handelsüblichen Versandkartons. Wäre die Ware unentdeckt geblieben, der Hehler hätte ein kleines Vermögen gemacht – denn der Verkauf der Schmuggelware bringt viel Geld ein. 36 Jahre ist der Kasache alt, der sich in diesem Fall wegen Steuerhehlerei verantworten muss. Er will durch eine „Urlaubsbekanntschaft“ in diese „Branche“ gerutscht sein. Die Lieferung habe er auf einem Rastplatz an der A 5 entgegengenommen. Dann habe er die Ware auf seinem Grundstück gelagert und seinen Kundenstamm akquiriert, behauptet er. Wäre die Lieferung verkauft worden, hätte er die nächste bestellt. Und so weiter. Denn die Nachfrage ist groß.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rund 265 Millionen Zigaretten sichergestellt

          Rund 265 Millionen Zigaretten haben die Behörden im vergangenen Jahr in Deutschland sichergestellt. Das Rhein-Main-Gebiet scheint dabei ein besonders beliebter Umschlagplatz zu sein: Innerhalb weniger Monate hoben die Zollfahnder außer in Birstein auch in Raunheim, Dautphetal, Frankfurt, Bad Nauheim und Babenhausen illegale Lager aus. Millionen Zigaretten wurden beschlagnahmt, mehrere Personen festgenommen wegen des Verdachts der Steuerhehlerei. In Langen gelang ein besonders erfolgreicher Schlag: Dort wurde ein 48 Jahre alter Mann überführt, der als Chef einer Schmugglerbande Tabakwaren in großem Stil aus Polen nach Deutschland gebracht und einen Steuerschaden von elf Millionen Euro verursacht hat.

          Diese Entwicklung zu erklären fällt Hans-Jürgen Schmidt vom Zollfahndungsamt in Frankfurt nicht schwer. Teile des Rhein-Main-Gebiets seien ländlich und verfügten über gute Autobahnanbindungen – für Schmuggler geradezu ideale Bedingungen. Die Täter rekrutierten gezielt Hehler aus dem Umland, denn in Scheunen, Garagen oder Gartenhäuschen vermute niemand die wertvolle Ware.

          Woher die Zigaretten stammen, bleibt oft ungewiss. In der Regel kommen die Glimmstengel aber aus China, Vietnam oder Osteuropa, wie Schmidt sagt. Von dort würden sie per Schiff oder in großen Lastwagen versteckt nach Deutschland gebracht und so schnell wie möglich verteilt. Am Ende der Kette würden sie für etwa die Hälfte des handelsüblichen Preises auf dem Schwarzmarkt verkauft. Die Hehler verdienten zehn bis zwölf Euro je Stange. „Die Gewinnmarge ist ähnlich hoch wie beim Drogenverkauf.“

          Beliebt auf dem Schwarzmarkt ist derzeit „Jin Ling“

          Beliebt auf dem Schwarzmarkt ist derzeit „Jin Ling“ – eine ursprünglich chinesische Marke, die mittlerweile aber hauptsächlich in Russland und der Ukraine produziert wird. Auch in diesen Ländern hätten sich hochkriminelle Strukturen entwickelt, sagt Schmidt. An die Hintermänner komme man nur in den seltensten Fällen heran.

          Unklar ist den Ermittlern noch, ob die Fälle in Birstein, Raunheim, Dautphetal, Frankfurt, Bad Nauheim und Babenhausen miteinander in Verbindung stehen und die Waren beispielsweise vom selben Großhändler stammen. Wäre dies der Fall, könnten die Fahnder möglicherweise an die Hintermänner herankommen. Derzeit bleibe aber nur die Hoffnung, dass die Nachfrage nach den mit Giftstoffen wie Arsen, Cadmium und Blei versetzten Zigaretten nachlasse. Denn das, so Schmidt, treffe die Organisationen am härtesten.

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