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Youtube für Erstsemester : Schlaflos vor der Live-Sendung

  • -Aktualisiert am

Kamera läuft: Für viele Studierende war die Live-Sendung eine ideale Übung. Bild: Gregor Schuster

Der Start in den neuen Lebensabschnitt ist für Studienanfänger in Zeiten von Corona nicht leicht. Media-Studierende der Hochschule Darmstadt haben sich deshalb für die Neulinge etwas Besonderes einfallen lassen.

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          Die Premiere bringt es bei Youtube schon auf über 10.500 Abrufe. Der Film zeigt ein etwas anderes Begrüßungsritual in Zeiten von Corona, das Studierende auf dem Campus der Hochschule Darmstadt für die rund 3500 Erstsemester auf die Beine gestellt haben. In einem anderthalbstündigen Livestream präsentierten 60 Studierende aus dem Fachbereich Media der Hochschule hinter der Kamera, am Mikro, in der Technik, in der Aufnahmeleitung und in der Regie, was für Studienneulinge an der Hochschule wichtig ist.

          Professionell bewältigte das Team Live-Schaltungen zum Büro des Hochschulpräsidenten und zu Außenaufnahmen der Campus-Reporterin, spielte Zoom-Aufzeichnungen sowie Filmausschnitte ein. Die Moderatoren interviewten zwischendrin Studiogäste, Erstsemester konnten ihre Fragen in einem Live-Chat stellen – ganz wie bei einer ausgewachsenen ZDF- oder ARD-Abendshow.

          Welche Dimension die Live-Sendung annahm, wurde Felix Krückels, Professor für Broadcast Production und System Design am Medien-Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt, erst mitten im Projekt so richtig bewusst, und die Erkenntnis trieb ihm ein paar Schweißperlen auf die Stirn. „In der Nacht vor der Live-Sendung habe ich nicht geschlafen“, scherzt er.

          Livestream im Netz absolutes Neuland

          Da war er wohl nicht der Einzige. Zwischendurch, räumt Pressesprecher Martin Wünderlich-Dubsky ein, habe er „ein bisschen Bammel“ gehabt, dass alles klappt. Immerhin war ein Livestream im Netz absolutes Neuland bei der Erstsemesterbegrüßung. Am inhaltlichen Rahmenkonzept – welche Institutionen und Personen vorgestellt und interviewt werden – hat der Leiter der Hochschulkommunikation mitgearbeitet, schließlich ging es um eine offizielle Präsentation der Hochschule.

          Schon früh im Jahr sei klar gewesen, sagt der Sprecher, dass eine persönliche Begrüßung der Erstsemester wie sonst im Staatstheater Darmstadt wegen Corona nicht möglich sein würde. Die Hochschule suchte daher nach Alternativen und bat in einem Rundschreiben alle Hochschulangehörigen um Ideen.

          Da kam ein Lehrprojekt von Felix Krückels gerade richtig. Ein Gruppe Studierender sollte im Wahlpflichtfach „Broadcast-Audio“ eine Fernsehshow planen, ein Student hatte die Idee zu einer Sendung für die Erstsemester. Die Hochschulleitung stellte ein Budget von rund 30.000 Euro in Aussicht.

          „Wir waren begeistert und optimistisch, dass wir das können“, sagt der Professor. Zumal das Team aus jüngeren sowie älteren Semestern bestand und auch Felix Krückels über Erfahrung als Tonmeister verfügt. Er hat schon Audiokonzepte für Fußballweltmeisterschaften umgesetzt.

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          Rasch wuchs die Filmcrew von 15 auf später 60 Studierende der Studiengänge Motion Pictures, Onlinejournalismus und Sound and Music Production an. Neben Krückels kamen Sebastian von Freyberg, Lehrbeauftragter für Regie im Live-Fernsehen, ins Boot sowie der Kameraprofi Thomas Keil. Zahlreiche Firmen halfen bei der technischen Ausrüstung. Eine Mammut-Produktion, und das unter Corona-Bedingungen. „Live-TV muss gut organisiert sein. In unzähligen Zoom-Sessions haben wir zusammen alles geplant, uns Nächte um die Ohren geschlagen“, berichtet Krückels. In einer Pilotshow und in Workshops im Studio probten die Hochschüler die richtige Kameraführung und Moderation. „Die Studierenden haben alles selbst gemacht“, lobt der Professor. Sogar die Musik während der halbstündigen Auftaktphase für das LiveStreaming komponierten sie selbst.

          „Sehr entspannt, wenn es stressig wird“

          Vincent Beck, Motion-Pictures-Student im fünften Semester, war der Regisseur des Films. Die Dimension schreckte ihn nicht: „Wir hatten viel Zeit zum Üben, und außerdem bin ich sehr entspannt, wenn es stressig wird“, sagt er. Gute Voraussetzung für die Regiearbeit. Für Beck war die Live-Sendung eine Riesenchance. „Wann hat man schon die Möglichkeit, in einem Vorhaben dieser Größe und in leitender Position Erfahrung zu sammeln? Das war etwas ganz Besonderes für uns alle.“

          Ihr Organisationstalent verwirklichte die Motion-Pictures-Studentin Anna Rau. Sie fungierte als Aufnahmeleiterin, war im Hintergrund dafür verantwortlich, dass alles reibungslos läuft, alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, der Kameraaufbau klappt und die Akteure am Set auch was zu essen bekommen. 60 Leute plus Projektleitung im Blick zu behalten ist nicht einfach. „Doch ich bin gut darin, andere zu organisieren“, stellt sie fest. Dank dieses Einblicks weiß sie jetzt: „Das ist der Weg, den ich weitergehen will.“ Die Kontakte, die sie knüpfen konnte, will sie dafür nutzen. Das Studium sei eher auf Spielfilme ausgelegt, aber an der Live-Sendung hat ihr gerade das „Punktgenaue“ gefallen.

          Auch Moderator Niklas Diemer, der Onlinejournalismus an der Hochschule Darmstadt studiert hat, sieht sich in seinem Berufsweg gestärkt. Im Herbst geht er auf die Journalistenschule in Köln, denkt an eine Karriere beim Fernsehen. Er ist stolz, „was das Team auf die Beine gestellt hat. Eine Live-Sendung in dieser Dimension gab es vorher nicht.“ Zwar hat er zuvor schon Erstsemesterbegrüßungen der Hochschule moderiert, aber „im Studio und mit Regieanweisungen im Ohr ist alles anders. Ich war schon nervös“, gibt er zu. „Es ist schwieriger, Stimmung rüberzubringen, wenn man kein Publikum vor Augen hat.“

          Euphorie und Feedback nach dem Livestream sind enorm. Neben der Vielzahl an Aufrufen bei Youtube gab es viele Fragen im Live-Chat sowie jede Menge positive Kommentare im Netz und in der Hochschule. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so viral geht“, sagt Anna Rau. „Alle haben gezeigt, was sie können“, lobt Hochschulsprecher Wünderlich-Dubsky. Die Sendung habe eine „tolle Wirkung über Wochen und eine weitaus größere Reichweite als eine Präsenzveranstaltung“. Vielleicht, sagt er, werde die Hochschule auch für die nächste Erstsemesterfeier eine Mischung aus Online und Präsenz-Event wählen.

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