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Wolski-Prozess : Steuerfahnder kapitulierten vor Ämter-Hickhack

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Der angeklagte Rechtsanwalt Michael Wolski (rechts) mit seinen Verteidigern Josef Hillenbrand (links) und Hanno Durth Bild: ddp

Vor dem Hickhack der Finanzämter Frankfurt und Offenbach im Fall des wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagten Anwalts Michael Wolski haben sogar Steuerfahnder kapituliert. Der Fall ist politisch brisant, weil Wolskis Frau Karin Wolski Richterin am Staatsgerichtshof ist.

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          Vor dem Hickhack der Finanzämter im Fall des wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagten Rechtsanwalts Michael Wolski haben sogar die Steuerfahnder kapituliert. „Wir haben uns schließlich damit abgefunden, dass das Finanzamt Offenbach zuständig ist“, sagte ein Fahnder vor dem Landgericht Darmstadt. Der 43 Jahre alte Beamte berichtete als Zeuge über ein Hin und Her zwischen den Ämtern in Offenbach und Frankfurt. Dies habe seine Arbeit behindert. Informationen seien Monate lang unbeachtet geblieben. „Es hat lange gedauert, bis Berichte ausgewertet wurden.“

          Der 61 Jahre alte Wolski soll zwischen 1999 bis 2003 fast 2,6 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Auch Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) hat hier Fehler der Finanzämter einräumen müssen. Der Fall ist politisch brisant, weil Wolskis Frau Karin Wolski Richterin am Hessischen Staatsgerichtshof ist.

          Wechsel der Finanzämter „rechtlich nicht möglich“

          Der Steuerfahnder berichtete, für Wolski wäre normalerweise das Finanzamt Frankfurt zuständig gewesen, da er dort für ein vermögendes Immobilien-Ehepaar arbeitete. Für seinen Einsatz soll er mit großzügigen Geldbeträgen belohnt worden sein - unter anderem für einen gebrauchten Ferrari und ein Domizil auf Mallorca.

          „Das Finanzamt Frankfurt hat aber gesagt, dass es nicht zuständig sei“, sagte der Zeuge. Somit sei schließlich das Finanzamt Offenbach- Land infrage gekommen, in dessen Bereich Wolski seinen Wohnsitz hat. „Bei Wolski zu Hause hat aber nur ein einziger Schreibtisch gestanden, auf dem sich Unterlagen seiner Frau befanden.“ Der Fahnder bezeichnete einen solchen Wechsel der Finanzämter „als rechtlich nicht möglich“.

          Richter: Wolski verhielt sich sachwidrig

          Auch der Vorsitzende Richter Rainer Buss äußerte abermals Kritik an der Arbeit der Behörden. „Es ist frappierend, dass Herr Wolski zwischen August 2000 und Dezember 2003 keine einzige Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben hat, obwohl er als Steuerschuldner bekannt war.“ Dass das Finanzamt Offenbach für Wolski zuständig war, bezeichnete Buss als „sachwidrig“.

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