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Wolfszentrum in Hessen : Für ein „Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltern“

  • -Aktualisiert am

So klare Bilder wie im Wildpark Neuhaus gelingen von Wölfen in freier Wildbahn nicht. Bild: dpa

Fünf Wölfe und viel Ärger: Die hessische Umweltministerin Priska Hinz verspricht, Tierhalter besser vor den Schäden durch die Raubtiere zu schützen – der Landesjagdverband ist alles andere als begeistert.

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          In Hessen gibt es derzeit etwa fünf Wölfe. Die Landesregierung möchte nun ein Wolfszentrum einrichten, in dem alle Meldungen über Sichtungen, Ereignisse und weitere Nachweise von Wölfen zusammenlaufen. Das hat Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) am Freitag in Wetzlar angekündigt, wo sie sich mit Tierhaltern, Bauern und Jägern getroffen hatte.

          Hinz stellte dabei weitere Aspekte des noch zu überarbeitenden Wolfsmanagementplans vor und gab an, die Sorgen der Tierhalter in Bezug auf die Wölfe ernst zu nehmen. Sie kündigte zudem an, die finanzielle Unterstützung der Tierhalter zu verbessern und weitere Anstrengungen für ein „Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltern“ zu unternehmen.

          Das neue Wolfszentrum soll beim hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie angesiedelt werden und eng mit den Naturschutzbehörden sowie dem Landesbetrieb Landwirtschaft zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter des Zentrums sollen einen jährlichen „Hessischen Wolfsbericht“ erstellen, in dem auch die Zahl der gerissenen Nutztiere aufgelistet wird.

          Zäune sollen vor den Wölfen schützen

          Außerdem werde das Zentrum die Betreuung der Wolfs-Hotline übernehmen. Zudem will die Ministerin eine Million Euro bereitstellen, um in Zukunft Entschädigungen bei Wolfsrissen schneller und rechtssicher abzuwickeln. Um die Existenz von Schaf- und Ziegenhaltern zu fördern, hatte Hessen in diesem Jahr schon eine Weidetierprämie eingeführt. Zudem war laut Hinz die Herdenschutz-Grundprämie von 31 auf 40 Euro je Hektar erhöht worden.

          Dieses Geld dient unter anderem dazu, die Herden mit Zäunen vor Wölfen zu schützen. Auch dafür will Hinz nach eigenen Worten mehr Geld in die Hand nehmen. Wie genau die neuen Fördermaßnahmen aussehen, will sie während des nächsten Gesprächs mit den Tierhaltern im September vorstellen. Weitere Details des Wolfsmanagementplans sollen in den nächsten Wochen vorgestellt werden.

          „Hinz informiert nur eine ausgewählte Gruppe“

          Auf Kritik sind die Ankündigungen bei der FDP-Fraktion im hessischen Landtag gestoßen. „Die Ministerin informiert nur eine ausgewählte Gruppe und präsentiert dann auch noch einen schlechten Plan“, monierte Wiebke Knell, jagd- und landwirtschaftspolitische Sprecherin der Liberalen. Weder seien alle Betroffenen eingeladen noch die Opposition informiert worden. So schaffe man kein Vertrauen, zeigte sich Knell überzeugt und stellte fest: „Keine der vorgestellten Maßnahmen wird Wölfe daran hindern, weiter Nutztiere zu reißen.“

          Auf Kritik sind die Pläne auch beim hessischen Landesjagdverband gestoßen. Mit der Einrichtung eines zentralen Wolfszentrums würden die ehrenamtlichen Helfer, darunter viele Jäger, aufs Abstellgleis geschoben. Die Aufnahme von Wolfsrissen oder Verdachtsfällen werde wohl in Zukunft allein Sache des staatlichen Wolfsmonitorings sein. Zudem sei ungeklärt, wie das Zentrum und das hauptamtliche Wolfsmonitoring finanziert würden. Nun müssten wohl die Steuerzahler für „die romantischen Vorstellungen des Wolfslandes Hessen“ aufkommen, unkt der Jagdverband. Der hessische Plan übergehe die Interessen der Betroffenen, konstatierte Jagdverbandsgeschäftsführer Alexander Michel.

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