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Wohnungsbau in Offenbach : Landesgesellschaft trennt sich von Großprojekt am Kaiserlei

Zwar verzögert, läuft aber weiter: Das Bauprojekt am Offenbacher Kaiserlei, rund um die Siemens-Türme. Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Areal rund um die alten Siemens-Türme in Offenbach kann nun bebaut werden. Die Planer sind zuversichtlich, die Nassauische Heimstätte aber ist nicht mehr dabei.

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          Die gute Nachricht: Das Großprojekt rund um die einstigen Siemens-Hochhäuser am Offenbacher Kaiserlei hat sich zwar verzögert, läuft aber weiter. Die aus hessischer Sicht weniger gute: Die Nassauische Heimstätte, die mehrheitlich dem Land gehört und für Wohnungen sorgen soll, die sich auch weniger gut betuchte Mieter leisten können, hat das Projekt unwiderruflich verlassen. Das haben am Mittwoch Sprecher der Vorhabenträgerin Consus Projektentwicklungsgesellschaft bestätigt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Consus-Vertreter widersprachen der Darstellung, dass die Heimstätte das Projekt verlassen habe, weil man mit dem Wohnungsneubau zeitlich zurückgefallen sei. Was den Bau der Wohnungen betreffe, gebe es keine Planabweichung. Vielmehr habe es Verzögerungen bei der Eigentumsverteilung in der geplanten Tiefgarage gegeben. Das habe die Heimstätte dazu veranlasst, von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch zu machen. Vor einem Monat hatte die Heimstätte wissen lassen, dass man 205 neu zu bauende Wohnungen in der Randbebauung des Areals nicht kaufen werde, weil die Berliner Consus die im Vertrag festgehaltenen Baufortschritte nicht eingehalten habe. Die Berliner Projektentwickler hatten die ursprünglich verantwortliche CG Gruppe von dem schillernden Immobilienunternehmer Christoph Gröner gekauft. Inzwischen ist Consus selbst Teil eines Fusionsprozesses und wird in der Adler Gruppe aufgehen, die gut 70.000 Wohnungen in Deutschland hält. Ursprünglich sollten die Unterkünfte am Kaiserlei 2022 bezugsfertig sein. In der Branche ist jetzt von 2024 die Rede.

          Die 205 Wohnungen hätten sehr gut zu dem benachbarten Projekt der Nassauischen Heimstätte im neuen Goethequartier gepasst, wo 327 Wohnungen sogar schneller als geplant gebaut wurden und etliche auch schon vergeben sind. Ungeachtet des Ausstiegs der Heimstätte dürfte Consus angesichts der hohen Nachfrage nach Wohnraum in so verkehrsgünstiger Lage keine Schwierigkeiten haben, andere Interessenten für die Behausungen zu finden, von denen laut der ursprünglichen Planungen und städtischen Auflagen mindestens 35 gefördert sein sollen.

          Planungsrechtlich hat die Stadt Offenbach nun mit der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans alle Barrieren für die vollständige städtebauliche Umstrukturierung des Areals beseitigt. Für die Teile des Areals, die schon bebaut sind, lag zwar schon vorher Baurecht vor, nicht aber für die vollständig neu entstehenden Gebäude am Rand. Insgesamt wird das Areal zu 60 Prozent dem Wohnen vorbehalten sein – wie ursprünglich geplant. Dabei sollen sich die Wohnungen entlang der Berliner Straße und am Goethering konzentrieren. An der Strahlenbergerstraße wird das Gelände auf den verbleibenden 40 Prozent gewerblich genutzt werden.

          Im Bebauungsplan ist auch geregelt, dass das gesamte Gelände zwischen den Bauten öffentlich zugänglich bleibt. Für das Heizen und Kühlen will Consus nach wie vor Geothermie in Verbindung mit Solartechnik nutzen. Bestand hat in der Gesamtplanung auch die von den Projektentwicklern vertraglich zugesicherte Kindertagesstätte mit fünf Gruppen, wie Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) am Mittwoch sagte. Erfreulich aus Sicht der Stadt sei zudem, dass in dem Gesamtprojekt auch ein Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken vorgesehen ist, das auch für Schwimmunterricht der Schulen genutzt werden darf.

          Da Offenbach bislang mit der Rosenhöhe nur über ein Schwimmbad verfügt, in dem Schulkinder das Schwimmen lernen können, ist das aus Sicht der Stadt ein weiterer erheblicher Gewinn. Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass immer weniger Schulkinder schwimmen können.

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