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Bezahlbarer Wohnraum : Gut gemeint genügt nicht

Kooperative Baulandmodelle gibt es bereits in einigen Großstädten, darunter auch Frankfurt. (Symbolbild) Bild: dpa

Offenbach hat mit einem Beschluss der Stadtverordneten sogenanntes Kooperatives Wohnbauland auf den Weg gebracht. Man verspricht sich davon allerhand. Doch die Stadt sollte Bedenken berücksichtigen.

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          Dass nicht nur Arbeitnehmer am unteren Rand der Einkommensskala immer schwieriger angemessenen Wohnraum finden, sondern auch Angehörige mittlerer Einkommensschichten, ist in Ballungsräumen inzwischen eher Regel als Ausnahme. Schon deshalb kann nicht falsch sein, ein Verfahren zu etablieren, das es Städten, die dringend mehr bezahlbaren Wohnraum brauchen, ermöglicht, schneller und einfacher als bisher die verfügbaren Flächen zu nutzen oder von Investoren nutzen zu lassen.

          Solche kooperativen Baulandmodelle gibt es in einigen Großstädten schon seit Jahren, etwa in Köln, Stuttgart, München und Dresden. Auch Frankfurt ist in dieser Sache tätig geworden. Nun hat also Offenbach mit einem Beschluss der Stadtverordneten sogenanntes Kooperatives Wohnbauland auf den Weg gebracht. Und man verspricht sich davon allerhand.

          Zwar verhandelt Offenbach wie andere Städte auch schon seit Jahr und Tag mit Investoren, unter welchen Bedingungen sie das jeweilige Projekt realisieren dürfen und welche Gegenleistungen die Stadt dafür erwartet, beispielsweise den Bau von Kindertagesstätten und Projekte zum Klimaschutz. Diese Vorbedingungen, mit denen eine Stadt viel Geld sparen oder – im Fall von Offenbach – Dinge realisieren kann, für die die klamme Verwaltung kein Geld hat, sind aber oft in langwierigen Einzelverhandlungen geregelt worden. Nun sollen Investoren quasi mit Hilfe eines umfassenden Pflichtenkatalogs schneller sehen und kalkulieren können, was auf sie zukommt und ob sie unter diesen Bedingungen überhaupt noch interessiert sind.

          Das klingt erst einmal gut. In Frankfurt war im Zusammenhang mit dem Baulandbeschluss allerdings von Projektentwicklern eine ganz andere Einschätzung zu hören. Sie empfinden den Beschluss keineswegs als Erleichterung. Das Regelwerk, das eigentlich die Vorgänge vereinfachen soll, sei zu komplex und erschwere die Kalkulation durch zu viele feste Quoten. In Offenbach sollte man also Bedenken der Branche berücksichtigen, sofern es sich nicht lediglich um das traditionelle Wehklagen des guten Kaufmanns handelt, sondern um fundierte Kritik, die am Ende noch sachdienlich zu besseren Lösungen führt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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