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Windhundrennen : Der schnelle Greyhound bricht den Bahnrekord

  • -Aktualisiert am

Schön, aber lahm: Verglichen mit anderen Windhund-Rassen, kommen Afghanen nur schwer auf Tempo. Bild: Michael Kretzer

Beim Windhundrennen in Hünstetten preschen die besten Tiere mit Tempo 70 durch die Kurve.

          „Asgard’s Earl Affair“ erreicht den Finallauf nicht nur mit spielender Leichtigkeit. Der Greyhound-Rüde von Walter Krosoka bricht auch gleich noch den Bahnrekord: In nur 28,03 Sekunden bewältigt der Windhund die 480 Meter lange Bahn – so schnell wie noch nie ein Hund zuvor in der Windhundarena von Limbach. „Greyhounds sind die Formel 1 der Windhunde“, sagt Gerd Kleber, seit zehn Jahren Vorsitzender des Windhund-Rennvereins Untertaunus-Hünstetten und damit Cheforganisator des ersten Laufs der Windhund-Champions-League 2010. Rennen auf Rennbahnen in Rotterdam, im schweizerischen Kleindöttingen, in Landstuhl, Eilenburg und Sachsenheim werden noch folgen, bis die internationalen Sandbahn-Champions ermittelt sind.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Insgesamt sind an diesem Sonntag fast 180 Windhunde von elf der 18 anerkannten Rassen nach Hünstetten gekommen, um unter den wachsamen Augen von Tierärzten die Rennsaison zu beginnen oder eine Woche vor der deutschen Meisterschaft in Freiburg ihre aktuelle Form zu zeigen. „Ein Melderekord für Deutschland“, sagt Kleber nicht ohne Stolz, doch fast ist es zu heiß. Die 30-Grad-Grenze, bei der der Tierarzt die Rennen abbricht, wird aber dann doch nicht überschritten. Die große Zahl der gemeldeten Hunde ist auch eine Auszeichnung für die Anlage in Hünstetten, die erst vor sechs Jahren errichtet worden war. Dort laufen die Hunde auf regelmäßg geglättetem und befeuchtetem Sand, was den Hunden und ihren Besitzern mehr Sicherheit gibt als die risikoreichere Rasenbahn, wo schon ein Mauseloch zu schweren Verletzungen führen kann. Vor allem die empfindlichen Greyhounds, das hinter den Geparden zweitschnellste Landtier der Erde, werden fast nur auf Sandbahnen ins Rennen geschickt. Mit bis zu 70 Stundenkilometern sprinten sie durch das Oval auf der Hatz nach der Schleppe, die von einer umgebauten Zweitakt-Kettensäge gezogen wird. Windhunde sind keine Spürhunde, sie jagen allein auf Sicht, weshalb die funkferngesteuerte Schleppe immer in Sichtweite vor ihnen dirigiert wird.

          Eine kurze Rennkarriere

          Wegen ihres unterschiedlichen Spurt- und Rennvermögens werden alle elf Rassen in jeweils eigenen Vor- und Finalläufen gestartet. Die anmutigsten der Windhunde, die langhaarigen Afghanen, sind auch die lautesten, die schwierigsten und die langsamsten. Mehr als 40 Sekunden etwa benötigt die Hündin „Chesmee d’Avicenna“ als Siegerin des ersten Afghanen-Vorlaufs für ihre Runde, was sie im direkten Vergleich mit einem Greyhound wie eine stark behaarte Schnecke aussehen lassen würde.

          Auch Rüden und Hündinnen starten jeweils getrennt, aus Sicherheitsgründen und wegen des Gewichtsunterschiedes. Der kleine Rempler eines Rüden gegen eine viel leichtere Hündin in der ersten, besonders kritischen Kurve würde die Hündin wohl aus der Bahn werfen, weiß Kleber aus Erfahrung. Er selbst hat heute keinen seiner vier Windhunde am Start, denn Kleber ist auf der Rennbahn ein gefragter Mann. Er kennt die Rassen alle mitsamt ihren Stärken, auch die Barsois, Sloughis, Salukis, Whippets und Azawakhs. Er selbst wollte vor etlichen Jahren eigentlich in Wiesbaden für seine Frau nur einen Pelzmantel kaufen, als er zufällig auf eine Windhundschau stieß. Gekauft wurde am Ende der erste Windhund und nicht der Mantel. Seither waren es zeitweise sechs Hunde, was unter den Windhundefreunden keineswegs ungewöhnlich ist.

          Ihre Rennkarriere ist eine kurze. Im Alter von zwei oder drei Jahren bringen beispielsweise die Greyhounds ihre Bestleistung, ehe sie an Spurtkraft einbüßen. Mit sechs Jahren beginnt schon die Einteilung in die Seniorenklasse, mit acht Jahren ist das Sportlerdasein vorbei. Auf das werden sie akribisch vorbereitet. Kleber selbst beginnt bei seiner Greyhound-Hündin im zeitigen Frühjahr mit dem Muskelaufbau und dem Konditionstraining. Von spezieller Hundesportlernahrung hält er nicht viel, aber der Ehrgeiz der Menschen ist meist größer als der der Hunde, weshalb in Deutschland auch schon erste Dopingvergehen bei den Vierbeinern entdeckt wurden, und das, obwohl es hier nicht wie in England oder Amerika um Geld geht. Bemerkenswert: Gut zwei Drittel der Herrchen sind eigentlich Frauchen, denn vorwiegend Frauen führen ihre Windhunde auf die Rennen, bei denen in Deutschland aus Gründen des Tierschutzes nicht auf Sieg oder Niederlage gewettet werden darf.

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