https://www.faz.net/-gzg-nl6d

Wiesbaden : Zirzensische Superlative von Roncalli und Tigerpalast

  • Aktualisiert am

Der Wiesbadener Kurdirektor Henning Wossidlo meldet ein aufsehenerregendes Ereignis: Der Circus Roncalli und der Frankfurter Tigerpalast werden erstmals ein gemeinsames Programm gestalten und es über Weihnachten und Neujahr "im schönsten Kurhaus Deutschlands" präsentieren.

          2 Min.

          Der Wiesbadener Kurdirektor Henning Wossidlo meldet ein aufsehenerregendes Ereignis: Der Circus Roncalli und der Frankfurter Tigerpalast werden erstmals ein gemeinsames Programm gestalten und es über Weihnachten und Neujahr "im schönsten Kurhaus Deutschlands" präsentieren. Ist der Titel der Veranstaltung "Sterne des Varietes - Die besten Artisten unserer Zeit" schon anspruchsvoll genug, verspricht Tigerpalast-Chef Johnny Klinke sogar, die hessische Landeshauptstadt werde in der Woche der zirzensischen Sensation zur "deutschen Hauptstadt des Varietes" avancieren.

          Die besondere Überraschung, mit der die Veranstalter jetzt im Kurhaus aufwarteten, liegt vor allem in der erstmaligen Zusammenarbeit von zwei Protagonisten der Branche, die sich, wie Roncalli-Geschäftsführer Thomas Schütte erinnert, über Jahre zwar mit gegenseitigem Respekt, vor allem aber mit "distanziertem Mißtrauen" beäugt hätten. "Wie in einer Familie" sei das, meinte Klinke: über viele Jahre sei man getrennte Wege gegangen -, aber "eines Tages kommt's zum Schwur." Weil sich Roncalli-Direktor Bernhard Paul eines Migräneanfalls wegen bei der Vorstellung des Projekts im Kurhaus von Schütte vertreten ließ, lag es in erster Linie bei Klinke, die "Philosophie" der konzertierten Großaktion zu vermitteln. Daß sie gewissermaßen geborene Partner seien, begründete er vor allem mit der "herausragenden Qualität" von Roncalli und Tigerpalast: Paul sei der "Erneuerer der Zirkuskunst" überhaupt, und der Tigerpalast könne für sich in Anspruch nehmen, der Renaissance des Varietes als internationaler großstädtischer Unterhaltungskunst in Deutschland den Weg geebnet zu haben.

          Die Artisten-Revue soll deshalb Klinke zufolge auch eine Qualitätsdebatte anstoßen und sei - auch - eine "Kampfansage" an die "Verflachung" des zirzensischen Entertainments, auf dem sich gerade zu Weihnachtszeiten zunehmend "Glücksritter" tummelten, die auf den schnellen Euro hofften - auf Kosten des Publikums und letztlich auch zu Lasten der gesamten Branche.

          "Sterne des Varietes" dagegen stehe für "glaubwürdige großstädtische Unterhaltung". Und weil Glaubwürdigkeit bei der Preisgestaltung beginne, solle das Gemeinschaftsprojekt mit Eintrittspreisen zwischen 35 und 60 Euro auch für Normalverdiener erschwinglich sein. Käfer's Kurhausgastronomie bietet dazu ein nicht obligates "Variete-Menü" für 35 Euro an, das vor den Vorstellungen eingenommen werden kann; an Sonn- und Feiertagen gibt es vor den Nachmittagsvorstellungen auch die Möglichkeit, einen "Variete-Brunch" einzunehmen (28 Euro).

          In der Zeit vom 11. Dezember bis einschließlich 4. Januar 2004 sind insgesamt 29 Vorstellungen mit "herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Artistik" geplant. Verraten wurde schon einmal, daß zum Beispiel der "Handstand-Ballettmeister" Oleg Izossimov dabeisein wird, den Klinke für den weltweit besten Artisten unserer Zeit hält, sowie die "beste artistische Tänzerin der Welt", die aus New York stammende Nathalie Enterline. Auch das Duo Milany soll das Wiesbadener Publikum mit seinen so kühnen wie sinnlichen Inszenierungen am Trapez in Atem halten, und die Chinesin Juliana Chen, als "Weltmeisterin der Magie" verehrt und bewundert, dürfte es schlicht verzaubern.

          Apropos Zauber: Der Kurdirektor plant Metamorphosen auch draußen vor dem Kurhaus. Aus dem Bowling-Green soll während der zirzensischen Wochen eine große Eisfläche für Disko-Tänzer auf Kufen und andere winterliche Unterhaltung werden. (müg)

          Kartenreservierungen für "Sterne des Varietes" und das "Variete-Menü" sind ausschließlich über das Kurhaus möglich. Rufnummer 0611/17290 oder kurhaus§wiesbaden.de.

          Weitere Themen

          Sehet, die erste Barrikade brennt

          Heute in Rhein-Main : Sehet, die erste Barrikade brennt

          Ein Vater von vier Kindern hat die Nase voll von Corona und nimmt freiwillig an einer Impfstoffstudie teil. Im Dannenröder Forst hat eine Holzbarrikade gebrannt. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.