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Wiesbaden : Von alten Herren und rabiaten Fans

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Für Freunde gepflegter Swing-Musik kommen Paul Kuhn, Max Greger und Gregor Strasser nach Wiesbaden. Auch Götz Alsmann schaut vorbei. Wer härtere Kost mag, kann sich die englische Punkband The Adicts vormerken.

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          Popmusik sei heutzutage größtenteils Mist, schimpfte Paul Kuhn kürzlich im „Wiesbadener Tagblatt“. Zum Beispiel der Grand Prix: „Das ist doch nur noch ein Kostümfest und musikalisch schwach.“ Herr Kuhn hat recht. Es schreibt eben keiner mehr richtige Gassenhauer vom Kaliber „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ oder „Geb'n Se dem Mann am Klavier noch'n Bier, noch 'n Bier“.

          Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Paul Kuhn ist schließlich ein herausragender Jazzmusiker. Schon mit acht Jahren hatte er seinen ersten Auftritt als Akkordeonspieler. Später wurde er Pianist und leitete ein Tanzorchester, doch erst die Ausrutscher mit den Bier-Schlagern machten ihn so richtig berühmt.

          Davon will Kuhn heute aber nichts mehr wissen. Seit den Neunzigern widmet er sich wieder ganz dem Jazz. Immer mal wieder geht der betagte Wiesbadener mit seinen noch betagteren Kollegen Max Greger und Hugo Strasser (alle um die Achtzig) auf Tournee. Hierbei soll es bereits zu dramatischen Szenen gekommen sein: „In Singen hatten wir zur Gartenschau 5000 Leute“, erzählt Greger, „die haben zum Schluß alles gestürmt und die Zäune niedergerissen.“ Alle Achtung! Es könnte also von Vorteil sein, wenn man sich beim Open-air-Konzert, das die drei Swing-Legenden gemeinsam mit der SWR-Big Band am 25. Juli im Kurpark in Wiesbaden geben, mit Ellenbogenschützern ausrüstet. Übrigens hat Greger angekündigt, er höre nicht eher auf zu spielen, bis es „Standing Ovations“ gebe. Wer am späteren Abend noch einen Termin hat, sollte also rechtzeitig aufstehen und applaudieren.

          Auch Götz Alsmann ist „Standing Ovations“ gewöhnt. In seiner WDR-Show „Zimmer frei“ wählen die Besucher am Ende der Sendung mit roten oder grünen Tafeln mögliche Mitbewohner für Alsmann und seine WG-Genossin Christine Westermann. Man fragt sich aber schon, ob der „Brillenträger des Jahres 2000“ und „Krawattenmann des Jahres 2004“ sich nicht langsam mal eine eigene Wohnung leisten könnte und ob das Deutsche Modeinstitut eigentlich auch eine Krawattenfrau des Jahres wählt. Wenn Götz Alsmann mit seiner Band am 28. Juli ebenfalls im Wiesbadener Kurpark auftritt, kann man nur hoffen, daß dort die von Greger-Groupies niedergerissenen Zäune schon wieder repariert worden sind.

          Die englische Punkband The Adicts hat übrigens ähnliche Erfahrungen mit rabiaten Fans machen müssen. „Einmal spielte ich, während Dart-Pfeile nach mir geworfen wurden. Einer steckte in meiner Gitarre und ein anderer in meinem Bein“, erinnert sich Gitarrist Pete Dee Davison an die wilden siebziger Jahre. Vielleicht lag es daran, daß die Band in den weißen Schlägerklamotten aus dem Film „Clockwork Orange“ auftrat. „Kostümfest“, hätte Paul Kuhn dazu gesagt. Wenn die Burschen am 16. August im Schlachthof in Wiesbaden spielen, sollte man sich als Besucher aber im Zaum halten: Dartpfeile können ins Auge gehen, und die Adicts sind schließlich auch nicht mehr die Jüngsten. Sandra Danicke

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