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Wiesbaden : Justiz prüft Verbindungen des EBS-Präsidenten

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Christopher Jahns, Präsident der EBS, trennt Hochschul- und Geschäftsinteressen angeblich nicht strikt genug. Bild: Wolfgang Eilmes

Für den Leiter der European Business School und sein Unternehmensnetz interessiert sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft.

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          Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft geht dem Vorwurf nach, dass Christopher Jahns, der Präsident der European Business School (EBS), zwischen seinem Amt als Hochschulleiter und eigenen unternehmerischen Interessen nicht deutlich genug trenne. Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse bestätigte dieser Zeitung am Donnerstag, dass geprüft werde, „ob wir einen Anfangsverdacht entdecken können“. Wenn sich dabei Anhaltspunkte für den Tatbestand der Untreue ergäben, würden förmliche Ermittlungen aufgenommen. EBS-Sprecherin Angela Kunwald sagte gestern, Jahns weise die Vorwürfe nach wie vor „mit aller Entschiedenheit zurück“, habe der Staatsanwaltschaft aber seine vollständige Kooperation zugesichert.

          Ferse begründete die Initiative der Staatsanwaltschaft mit Presseberichten. In einem Interview dieser Zeitung hatte Jahns bestätigt, dass er mit einem Anteil von weniger als 25,2 Prozent an der Beratungsgruppe Brain Net beteiligt sei. Der Unternehmensverbund zählt zu den Geschäftspartnern der EBS. Den Vorwurf, er schleuse öffentliches Geld in seine privaten Firmen, hatte Jahns „absolut unhaltbar“ genannt. Es fließe viel mehr Geld von Brain Net in die EBS als umgekehrt. Jahns hatte aber auch zugegeben, dass er als Geschäftsmann gelegentlich Verträge mit dem Zusatz „CEO European Business School“ unterschrieben habe. Dies sei ein Fehler gewesen (F.A.Z. vom 31. Januar). Oberstaatsanwalt Ferse berichtete gestern, dass Jahns’ Anwalt sich mit der Staatsanwaltschaft telefonisch in Verbindung gesetzt habe: „Er hat gesagt, dass wir alles haben können, was wir brauchen.“

          SPD „schaue mit Entsetzen“

          Unterdessen bestätigte das hessische Wissenschaftsministerium, dass ein Antrag der EBS auf Akkreditierung als Universität zurückgestellt worden sei. Zuständig für die Anerkennung ist der Wissenschaftsrat, das Verfahren wird aber über das hessische Ministerium abgewickelt. Dessen Sprecher Ulrich Adolphs erläuterte gestern, dass der Wissenschaftsrat eine Vorprüfung vorgenommen habe und von der EBS „an einigen Stellen Präzisierungen“ des Antrags verlangt habe. Dies hänge damit zusammen, dass zum Zeitpunkt, als der Antrag eingereicht worden sei, der Aufbau der Juristischen Fakultät in Wiesbaden noch nicht weit genug fortgeschritten gewesen sei. Das eigentliche Akkreditierungsverfahren beginne erst, wenn die Informationen nachgereicht seien. Dafür habe die Hochschule bis zum 15. Februar Zeit. Der Akkreditierungsvorgang werde ungefähr ein Jahr dauern; bis zu seinem Abschluss dürfe sich die EBS nur „Universität in Gründung“ nennen. Die Grünen im Landtag kritisierten gestern, dass die EBS schon jetzt den Titel „Universität“ bisweilen ohne diesen Zusatz gebrauche.

          Dass der Wissenschaftsrat Nachbesserungen an Akkreditierungs-Anträgen verlange, kommt nach Adolphs’ Worten „immer mal wieder vor“. Er hob hervor, dass die Diskussion über mögliche Verfehlungen von Präsident Jahns keine Auswirkungen auf die Entscheidung des Landes habe, den Aufbau der „Law School“ in Wiesbaden finanziell zu fördern. Aufgabe des Ministeriums sei es ausschließlich, zu prüfen, ob die Hochschule die Zuschüsse sachgerecht verwende. Hierüber müsse sie regelmäßig berichten. Bisher gebe es keinen Grund zu der Annahme, dass Landesmittel missbraucht würden.

          Die SPD-Stadtverordnetenfraktion in Wiesbaden teilte mit, sie schaue „mit Entsetzen“ auf die Vorgänge um die EBS. Man frage sich, ob die Ansiedlung der Hochschule in Wiesbaden wirklich gut für die Stadt sei.

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