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Wiesbaden : Altlasten im Erdreich

Nachtragend: Die Nutzung der Walkmühle als Reinigung macht dem Wiesbadener Umweltamt bis heute zu schaffen. Bild: Michael Kretzer

Mehr als 9000 Standorte hat das Wiesbadener Umweltamt auf Gifte im Boden untersucht. Einige beschäftigen die Fachleute noch heute.

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          Der Umbau der Walkmühle zu einem Zentrum der bildenden Kunst betrifft in erste Linie das Gebäudeensemble in den Ausläufern des Wiesbadener Adamstales. Aber auch unter der Erde gibt es einiges zu tun. Denn in dem Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert befand sich von 1938 bis 1965 eine chemische Reinigung. Die freigesetzten Schadstoffe breiten sich in der Bodenluft aus, sind schwerer als Wasser und können ins Grundwasser gelangen. Von ihnen geht keine akute Gefährdung aus, aber sie dienten dem städtischen Umweltamt schon im Jahr 2009 als Anlass, mit einer Sanierung der Bodenluft zu beginnen. Sie wird aus der Tiefe abgesaugt und über der Erde in einem Filter gereinigt. Das Verfahren ist mühsam und dauert lange. Bis heute gilt die unter Denkmalschutz stehende Walkmühle dem kommunalen Umweltamt darum als „altlastrelevanter Standort“.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Im Erdreich unter dem Gelände auf dem Busbetriebshof der Eswe Verkehr sieht es ähnlich aus. Auch dort herrscht nach Angaben des Umweltamts keine akute Gefahr. Aber vorsichtshalber arbeitet man doch seit mehr als sechs Jahren daran, dem Boden Schadstoffe zu entziehen. Ein bis zwei Jahre werde man wohl noch benötigen, um die Sanierung des Erdreiches abzuschließen, schätzt Jutta Braun, die Leiterin des Umweltamtes. Auch in den Rheinwiesen sind ihre Leute unterwegs. Dort gilt es zu verhindern, dass Arsen das Grundwasser beeinträchtigt.

          Die Suche nach Altlasten: Eine Sisyphusarbeit

          Die wenigen noch nicht abgeschlossenen Fälle sind von 9103 Standorten übrig geblieben, die das Umweltamt im Jahr 2011 in den Blick genommen und registriert hat. Sie machten damals immerhin ein gutes Viertel der gesamten Siedlungsfläche Wiesbadens aus. Heute gelten nur noch 2330 Standorte als „altlastenrelevant“. Es besteht der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen, aber keine Gefahr und darum momentan auch kein Handlungsbedarf. „Wir haben das ganz gut im Griff“, konstatiert Braun. „Wir sind vor großen Überraschungen gefeit“ lautet die Formulierung des Umweltdezernenten und Bürgermeisters Arno Goßmann (SPD). Wenn potentielle Bauherren sich nach dem Zustand des Erdreichs erkundigten, könne man ihnen auf Anhieb Auskunft darüber geben, ob das Erdreich völlig unbedenklich sei oder ein gewisses Schadenspotential aufweise. In einem Jahr wandten sich mehr als 220 Bürger mit entsprechenden Fragen an die Verwaltung. Ihnen könne man Planungs- und Rechtssicherheit geben.

          Vor dreißig Jahren habe man in Wiesbaden begonnen, die Altlasten abzuarbeiten, berichtet Goßmann. Wenn zum Beispiel Tankstellen ihr Geschäft einstellten und das Gewerbe abmeldeten, trat umgehend das Umweltamt auf den Plan, um das Erdreich auf schädliche Mineralöle hin zu untersuchen und gegebenenfalls zu handeln. Dies war in 77 Fällen nötig. Doch bevor es dazu kam, sind Tausende von Flächen lokalisiert, untersucht und bewertet worden. In der Regel war damit eine Ortsbesichtigung verbunden. Vier Mitarbeiter des Umweltamtes hatten damit regelmäßig zu tun. Gelegentlich wurden aber auch externe Fachleute beauftragt. Insgesamt flossen in den zurückliegenden drei Jahrzehnten 23,5 Millionen Euro in die Beseitigung der Altlasten. Knapp 16 Millionen davon übernahm das Land Hessen. Mehr als eine Million Euro steuerte der Verband der Gaswerke bei. Die Stadt habe nicht nur fünf Million Euro aufgewandt, konstatiert Goßmann, sondern auch eine wahre Sisyphusarbeit bewältigt.

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