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Wiesbaden : Gespräche über Bauruinen im Künstlerviertel

Unvollendet: Die Reihenhäuser in Nachbarschaft der Holzhandlung Blum im Wiesbadener Künstlerviertel Bild: Frank Röth

Der Holzhändler Blum und die Stadt Wiesbaden verhandeln über die Nutzung der Flächen an der Fanny-Lewald-Straße. Blum will dort bleiben.

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          „Das Künstlerviertel ist eigentlich wunderbar. Nur dieser Blick nicht!“ Wenn Michaela Bauer vor die Tür ihrer Doppelhaushälfte tritt, schaut sie auf eine zu Stein gewordene Fehlplanung der Stadt Wiesbaden. Die Zugänge zu den Reihenhäusern auf der gegenüberliegenden Seite der schmalen Fanny-Lewald-Straße liegen im Schatten einer etwa vier Meter hohen Mauer. Sie ist von den östlichen Hauswänden weniger als 30 Zentimeter entfernt und steht an der Grenze zum Nachbargrundstück. Dieses gehört dem bekanntesten Holzhändler Wiesbadens: Karl-Ulrich Blum.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Monatelang hat zwischen ihm und der Stadt Funkstille geherrscht. Doch jetzt ist man wieder im Gespräch. „Blum wollte sich eigentlich immer einigen“, sagt dessen Anwalt Gerhard Strauch. Das hört man aus seinem Munde allerdings nicht zum ersten Mal, seit er dem Wiesbadener Planungsamt im November 2009 eine bittere Niederlage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof beibrachte.

          Junge Familien mit schmalem Einkommen

          Die Stadt hatte Blums am östlichen Rand des neuen Künstlerviertels gelegene Holzhandlung zu Unrecht als Wohngebiet überplant und in dessen unmittelbarer Nachbarschaft den Bau von 16 Reihenhäusern genehmigt. Sie wurden an junge Familien mit schmalem Einkommen verkauft. Der von Blum erwirkte Baustopp gilt bis heute. Die Stadt hat den Familien ihre Bauruinen im Mai des vergangenen Jahres für insgesamt rund 2,5 Millionen Euro abgekauft und versucht seitdem, den eigenen Schaden zu begrenzen.

          Ursprünglich wollte sie ihren ungültigen Bebauungsplan durch zwei neue ersetzen. Der eine sollte für die Wohnhäuser des Künstlerviertels gelten, der andere für Blums Flächen. Außerdem sollte ein neuer B-Plan für ein Areal an der Friedrich-Bergius-Straße im Stadtteil Biebrich erarbeitet werden. Damit wollte man die Voraussetzungen für einen Umzug Blums schaffen, um im Künstlerviertel freie Hand zu haben. In diesem Fall könnten die Reihenhäuser fertiggestellt und verkauft werden. Auch die Städtische Entwicklungsgesellschaft (SEG) hätte für die restliche Entwicklung am östlichen Ende des Quartiers Spielraum.

          Überlastung der Äppelallee

          Wie Strauch nun berichtet, sind die drei Verfahren gegen Ende des vergangenen Jahrs erst einmal angehalten worden, weil man wieder miteinander verhandle. Planungsdezernent Joachim Pös (FDP) hat den Leiter des Bauaufsichtsamts, Achatz-Alexander von Jagow, beauftragt, sich Blums Vorstellungen anzuhören. Dessen Anwalt sieht eine Einigung auf einen Umzug des Betriebs nach Biebrich gegenwärtig in eine größere Ferne gerückt. Die jetzt schon unübersehbare Überlastung der Äppelallee werde durch die geplante Vergrößerung des Möbelmarktes Mann Mobilia noch weiter zunehmen. Außerdem würden wohl noch mehr als zwei Jahre vergehen, bis ein Bebauungsplan Rechtskraft erlange. So lange sei Blum gehindert, seinen Betrieb zu erweitern.

          Er plane seit langem den Bau eines Fachmarktes, für den ihm die Kommune vor Jahren schon einmal eine städtische Fläche neben seinem Grundstück im Künstlerviertel zugesagt habe. Wenn Blum mit weniger Raum auskomme als ursprünglich geplant, bleibe der Stadt genug Spielraum, um die Hälfte der 16 Reihenhäuser zu erhalten.

          „Wir setzen auf eine Einigung“

          Acht sind im Rohbau fertig, acht bestehen bislang nur aus dem Kellergeschoss und ein paar Betonpfeilern. Nach Strauchs Einschätzung müssten die Kellergeschosse im Falle einer Einigung vermutlich wieder verschwinden. Eine solche Lösung verschaffe beiden Seiten Rechtssicherheit, meint der Anwalt. Außerdem sei diese Variante für die Stadt günstiger als die Übernahme aller Kosten, die mit der Verlagerung des ganzen Betriebs verbunden seien. Das nächste Gespräch ist für Mitte März angesetzt. Auch Pös gibt sich konstruktiv: „Wir setzen auf eine Einigung.“

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