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Gin als Desinfektionsmittel : Was dem Virus nicht schmeckt

Hochprozentig: Für sein Desinfektionsmittel mischt Stefan Alles Gin mit purem Alkohol. Bild: Frank Röth

In der Corona-Krise findet in der Gin-Manufaktur von Stefan Alles ein Umdenken statt. Seine neueste Kreation bezeichnet er als „Desinfektionsmittel mit Geschmack“. Es ist allerdings primär zur äußeren Anwendung gedacht.

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          Es klingt wie die plumpe Ausrede, wenn jemand zur Unzeit Hochprozentiges zu sich nimmt: „Nur zur Desinfektion.“ Im Fall des Flachmanns mit Bügelverschluss aber ist die Auskunft hochoffiziell: Das schwarzweiße Etikett nennt die Keimfreiheit als Ziel der Anwendung. Auch wenn darauf ein Markenlogo der Reichs-Post-Bitter-Manufaktur in Bad Homburg steht, das Wort „Gin“ in Lautschrift. Also doch eher zur inneren Anwendung? „Der Zweck steht eindeutig im Vordergrund“, sagt Stefan Alles, der sonst vor allem die Tradition des Bad Homburger Kräuterlikörs hochhält. Gin gehört seit gut zwei Jahren zum Angebot, und was dessen jüngste Variante angeht, umschreibt Alles das Prinzip als „Desinfektionsmittel mit Geschmack“.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die Idee kam Alles’ Frau Heike, als vor drei Wochen das beim Warenverkauf benutzte Desinfektionsmittel knapp wurde. „Wir haben uns umgeschaut und gemerkt, dass wir die Zutaten für die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Mischung alle dahaben.“ Mit 47,4 Prozent würde der Alkoholgehalt des eigenen Gins allerdings nicht ausreichen. „Um Viren abzutöten, müssen es mindestens 62 Prozent sein“, sagt Stefan Alles. „Wir sind zur Sicherheit auf 71,7 Prozent gegangen.“ Dazu mischt er reinen Trinkalkohol mit dem hauseigenen Gin, der passenderweise ohnehin Apotheker-Gin heißt.

          Vor allem zur äußeren Anwendung gedacht

          Abgefüllt in 0,2-Liter-Flaschen, ist das Gemisch vor allem zur äußeren Anwendung gedacht. Es kostet auch nur etwas mehr als halb so viel wie der reguläre Gin. Aber auch der hübsch antiquierte Begriff des Rachenputzers passt. „Man kann damit Mund und Rachen desinfizieren“, meint der Abfüller. „Wenn man dabei etwas herunterschluckt, macht das nichts.“ Obwohl man hartgesotten und entsprechend vorsichtig sein müsse, um die hochprozentige Mixtur zu trinken. Wer auf die Zitrusnoten und das Wacholderaroma erpicht ist, sollte lieber zum normalen Gin greifen.

          Während große Spirituosenhersteller wegen der Knappheit Ethanol an Apotheken liefern, geht Alles den umgekehrten Weg. Er nutzt die eigenen Bestände, mit denen er sonst Kräuterauszüge herstellt und Produkte aufmischt, für das Desinfektionsmittel. „Wir hatten uns zu Anfang des Jahres gut eingedeckt.“ Doch für den ursprünglichen Zweck besteht derzeit wenig Nachfrage. Ein Drittel der Liköre und Spirituosen liefert Reichs-Post Bitter sonst an die Gastronomie, die jetzt geschlossen ist. Feste, auf denen sonst der gelbe Stand des Herstellers nicht zu übersehen ist, sind abgesagt. Auch in die Manufaktur am Gluckensteinweg kommen weniger Kunden.

          „Als Familienbetrieb sind wir flexibel und stellen derzeit nur unseren Desinfektions-Gin her“, sagt Alles. Den könne man übrigens mit einem Pumpzerstäuber zum Beispiel gut auf den Griff eines Einkaufswagens sprühen. Für Heike Alles-Jung spielt in Corona-Zeiten auch die Psyche eine Rolle. „Das sieht nicht so nach Kranksein aus“, sagt sie über die Gin-Desinfektion. „Ich habe dabei eher das Gefühl, mich zu verwöhnen.“

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