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Casinos und Corona : Mit Maske am Roulettetisch

Pokerface per Hygieneverordnung: Spielbankdirektor Lutz Schenkel am Black Jack Tisch Bild: Wolfgang Eilmes

Die Einlasskontrolle wegen Corona bedeutet für Casinos keine Umstellung. Neu ist, dass die Spielbank Wiesbaden nur Gäste mit kühlem Kopf hereinlässt.

          3 Min.

          In den drei hessischen Spielbanken in Bad Homburg, Kassel und Wiesbaden blinken vom heutigen Freitag an wieder die Automaten. Das Casino in Mainz auf der linken Rheinseite kann erst am 27. Mai unter Auflagen öffnen, steht in der am Mittwoch von der rheinland-pfälzischen Landesregierung vorgestellten „Zukunftsperspektive“. Doch der Aufforderung „Faites vos jeux“ ist unter den Bedingungen der Corona-Pandemie gar nicht so leicht nachzukommen. „Am Roulettetisch können jetzt eigentlich nur zwei Gäste stehen“, sagt Lutz Schenkel, Geschäftsführer der Bad Homburger Spielbank. Wo genau, werden ihnen „Player’s Points“ als Markierung auf dem Boden zeigen. „Sie müssen ihren Einsatz plazieren und dann wieder zurücktreten.“

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die verpflichtende Maske ist zwar praktisch, um Gefühlsregungen zu verbergen – ein Pokerface per Hygieneverordnung gewissermaßen. Doch in Bad Homburg wird es das Kartenspiel trotzdem nur in der Variante gegen die Bank geben. Wo bisher die Pokertische standen, hat Schenkel Spielautomaten aufstellen lassen. „Bei Pokerturnieren drängen sich zehn Personen am Tisch, das geht nicht“, sagt der Geschäftsführer. Black Jack hingegen sei mit fünf statt sieben Spielern möglich. Eine Bad Homburger Projektagentur, die mangels Messen ihr Angebot umgestellt hat, konnte in kurzer Zeit Trennwände liefern.

          Die auf Metallständern montierten Scheiben unterteilen das Halbrund des Black-Jack-Tischs ebenso wie die dicht stehende Automatenreihe im Kleinen Spiel. „Dass sie mobil sind, hat nicht nur Vorteile für die Wartung der Geräte“, erklärt Schenkel. „Wir können auch eine Wand wegnehmen, wenn jemand an zwei Automaten gleichzeitig spielen will.“ An einer anderen Reihe wird jedes zweite Gerät mit einem Schild aus dem Spiel genommen. Es gibt aber auch Automaten, die in ausreichendem Abstand stehen. Schenkel schätzt, dass zwei Drittel der 163 Spielautomaten in Bad Homburg genutzt werden können.

          Nur nicht zu nahe kommen: Mit auseinanderstehenden Glücksspielautomaten will Spielbankdirektor Lutz Schenkel das Abstandsgebot einhalten.

          Die Maskenpflicht für Mitarbeiter und Gäste gilt auch in der Spielbank Wiesbaden. Mit Markierungen am Boden und Plexiglas hat man sich auch dort auf die bevorstehende Öffnung vorbereitet, wie Geschäftsführer Andreas Krautwald sagt. „Wir waren schon länger so weit, obwohl ich eigentlich mit einem späteren Termin gerechnet hatte.“ Wie in Bad Homburg hält man in der Landeshauptstadt Masken für jene bereit, die keine eigene mitbringen. „Wer will, bekommt auch Handschuhe“, sagt der Geschäftsführer. Die Spielautomaten werden desinfiziert, wenn ein Spieler den Apparat verlässt. Die Fünf-Quadratmeter-Regel gilt auch in den Casinos und limitiert die Gesamtzahl der Gäste, die sich gleichzeitig dort aufhalten dürfen.

          Eine lückenlose Einlasskontrolle sind sie gewohnt

          In Bad Homburg und Wiesbaden ist sie mit 290 und 280 ähnlich hoch. Eine deutliche Einschränkung: „Voriges Jahr hatten wir in Bad Homburg 600 Gäste am Tag“, sagt Schenkel. Er lässt auf der Internetseite des Casinos eine Art Ampel installieren. „Dann können die Leute vorher sehen, ob die Gesamtzahl an einem Tag erreicht ist.“ Anders als für Restaurants und Cafés, für die das Notieren von Namen und Adressen neu ist, mussten Spielbanken schon bisher die Identität ihrer Gäste feststellen. Eine lückenlose Einlasskontrolle sind sie daher gewohnt. In Wiesbaden setzt Krautwald zum Schutz vor einer Corona-Ansteckung noch auf eine umstrittene Lösung: Er will die Temperatur aller Gäste messen lassen.

          „Wir benutzen Geräte, wie sie zum Beispiel am Flughafen Singapur üblich sind“, sagt der Geschäftsführer. „Sie können drei Personen gleichzeitig erfassen.“ Nur wessen Körpertemperatur niedriger als 37,5 Grad sei, werde hereingelassen. „Das zeigt ein grüner Pfeil an.“ In dieser Woche hatte der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch angekündigt, die Praxis des Technologieunternehmens Apple zu prüfen, den Kunden beim Betreten der Läden mit einem Infrarot-Thermometer die Temperatur zu messen. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, hieß es aus dem Büro des Datenschutzbeauftragten. Krautwald hebt hervor, dass die Temperaturmessung nicht mit persönlichen Daten verknüpft oder gespeichert werde. „Wir zeichnen nichts auf.“ Es gehe um reine Prävention.

          Spielbanken haben Gehälter auf 100 Prozent aufgestockt

          Mit der Wiedereröffnung können die Spielbanken ihre Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen. Sowohl Bad Homburg als auch Wiesbaden haben die Gehälter auf 100 Prozent aufgestockt. Auch die jeweiligen Restaurants öffnen mit entsprechenden Einschränkungen. Wie diese sich auf das Spiel auswirken und welche Folgen der Rückgang der Konjunktur auf die Spielbereitschaft hat, lässt sich für die Geschäftsführer nicht absehen.

          Die Fallhöhe wäre bei beiden groß: Wiesbaden verzeichnete 2019 mit einem Bruttospielergebnis von 41 Millionen Euro ein Rekordjahr, in Bad Homburg war das Bruttospielergebnis von 39,3 Millionen Euro das zweitbeste der Geschichte. Schenkel fürchtet vor allem um das klassische Spiel, wo die Hygienevorschriften eine größere Einschränkung bedeuten als bei den Automaten. „Sollte das auf Dauer so bleiben, steht unser Geschäftsmodell in Frage.“

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