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Riesige Kahlflächen im Wald : Wie das Coronavirus der Forstwirtschaft schadet

Zukunftsfrage: Wie an den Hängen des Taunus wieder Bäume wachsen können, darüber sind die Förster uneinig Bild: Wonge Bergmann

Nach zwei Trockenjahren können Städte, die ihren Wald selbst bewirtschaften, keine Gewinne mehr erwarten. Jetzt macht ihnen auch noch das Coronavirus zu schaffen.

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          Stürme, Dürre, Borkenkäfer: An Herausforderungen hat es den Förstern in den vergangenen zwei Jahren nicht gemangelt. „Und jetzt trifft uns auch noch das Coronavirus“, sagt der Bad Homburger Revierförster Günter Busch und schüttelt über die Absurdität den Kopf. Er erklärt, wie alles mit allem zusammenhängt: Weil die Preise für das in großen Mengen außerplanmäßig geschlagene Fichtenholz stark gesunken sind, hatten sogar die Chinesen Interesse daran gefunden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Normalerweise nehmen sie aus dem deutschen Wald eher hochwertige Baumarten ab und beziehen das billige Holz aus Amerika. Es lässt sich in Containern, die vorher voller Elektronik und anderer Produkte von dort gekommen sind, günstig nach Asien verschiffen. Wegen des Virus stockt aber der chinesische Export. „In Rotterdam gibt es keine leeren Container mehr“, sagt Busch.

          Noch keine Verluste

          So bleibt auch im Bad Homburger Stadtwald mancher Holzstapel mangels Abnehmer liegen, denn der mitteleuropäische Markt ist ohnehin verstopft. „Schon die Holzverarbeiter sind an der Kapazitätsgrenze, und auch die Papierindustrie baut eher ab“, so die Erfahrung des Bad Homburger Försters. Dass er so gut über den Markt Bescheid weiß, hängt mit einer vor mehr als 15 Jahren getroffenen Entscheidung zusammen. Damals beschloss die Stadt Bad Homburg, ihren Wald selbst zu bewirtschaften. Bis dahin hatte sich der Landesbetrieb Hessen Forst um die 1200 Hektar Wald gekümmert, der überwiegend an den Taunushängen im Nordwesten der Kurstadt wächst.

          Die Stadt hat seither nicht nur einen eigenen Förster, sondern verkauft auch ihr Holz selbst und hat damit gute Geschäfte gemacht. „Es gab in jedem Jahr deutliche Überschüsse“, sagt Busch. Er hofft, für 2019 noch mit einer Null herauszukommen. Für die nächsten beiden Jahre weist der Waldwirtschaftsplan jedoch ein Minus von jeweils etwa 100.000 Euro aus, bei Einnahmen von 453.000 Euro. Die Zahlen sind nur ein Anhaltspunkt, eine seriöse Planung sei unter den jetzigen Umständen nicht möglich, heißt es im Waldwirtschaftsplan. Der städtische Haushalt wird gleichwohl nicht belastet. Denn mit einem Teil der früheren Überschüsse hat Bad Homburg eine Rücklage in Höhe von einer Million Euro aufgebaut. Aus ihr kann das Minus jetzt ausgeglichen werden.

          Die Ausnahmesituation nach zwei Trocken- und Borkenkäferjahren lässt sich aus vielen Angaben herauslesen. Wäre alles nach den in der Forsteinrichtung festgehaltenen Plänen gegangen, hätte Busch voriges Jahr im Bad Homburger Wald 3900 Festmeter Fichtenholz einschlagen lassen. Tatsächlich waren es aber 26.000 Festmeter von vertrockneten oder kranken Bäumen. Bei den niedrigen Preisen lässt sich das Holz kaum noch kostendeckend aufarbeiten.

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