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Bistum Limburg : 61 Schritte gegen Missbrauch

Der Limburger Bischof Georg Bätzing verfolgt die Abschlusspräsentation des Projekts "Betroffene hören - Missbrauch verhindern“. Bild: dpa

Dem Bistum Limburg werden in einer Studie Fehler im Umgang mit Betroffenen und Tätern attestiert. Der Bischof verspricht, den Änderungsvorschlägen der Experten zu folgen.

          2 Min.

          In knapp ein Jahr währender Arbeit haben 70 Experten 61 konkrete Maßnahmen erarbeitet, um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Bistum Limburg künftig zu verhindern. Die 420 Seiten dicke Zusammenfassung des Projekts „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ wurde am Samstag in der Paulskirche an die Auftraggeber, den Limburger Bischof Georg Bätzing und die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, übergeben.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bätzing versprach: „Wir werden die Maßnahmen umsetzen.“ Nicht immer exakt nach dem Expertenvorschlag, aber stets nach dessen Geist, Intention und Richtung. „Das sind wir den Betroffenen schuldig.“

          Weil Bätzing seit März auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, gilt sein Umgang mit einer solch kritischen Studie als wichtig für die anderen 26 deutschen Diözesen. Schillai sagte: „Die Ergebnisse der Studie schreien danach, dass wir endlich wirksam gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche und gegen seine Vertuschung vorgehen.“

          Ein „unbeschreiblich großes Maß an Elend und Leid“

          Zu den Maßnahmen, die von Wissenschaftlern, Kirchenvertretern und Betroffenen erarbeitet worden sind, gehören eine Reform der Priesterausbildung, eine Doppelspitze in der Gemeindeleitung aus einem Priester und einer hauptamtlich beim Bistum beschäftigten Theologin, anders strukturierte Entscheidungsgremien, eine professionelle Aktenführung, eine intensive Prävention, eine Kommunikation, die sich den Betroffenen zuwendet und deren Perspektive in den Fokus nimmt sowie eine wirksame Disziplinarordnung für Kleriker. Die einzelnen Punkte wurden in neun Teilprojekten erarbeitet. Das Limburger Projekt vertieft die Erkenntnisse aus der MHG-Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche von Herbst 2018. Auch andere Bistümer haben mit einer eigenen weitergehenden Aufarbeitung begonnen.

          Die von vielen Betroffenen gewünschte öffentliche Nennung der Täter und Vertuscher könne es „aus juristischen Gründen“ nicht geben, sagte Josef Bill, ehemals Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Frankfurt. Seine Teilprojektgruppe hatte sich mit der Aufklärung von 46 erfassten Missbrauchsfällen beschäftigt. Die Klarnamen der Kleriker könnten daher nur den Auftraggebern des Projekts genannt werden.

          Bill schilderte beispielhaft zwei Fälle, die schweres Fehlverhalten bei Verantwortlichen und große Verletzungen bei den von Missbrauch Betroffenen offenbaren. Der Jurist beschrieb ein „unbeschreiblich großes Maß an Elend und Leid“. Andererseits habe seine Arbeitsgruppe eine erhebliche Portion von sexuell motivierter und „unvorstellbar schlimmer pädosexueller Eigensucht der beschuldigten Täter“ ermittelt. Vorgesetzte seien „infam und geradezu verlogen“ vorgegangen, indem sie mit den Tätern sogar „Sprachregelungen“ zum Vertuschen der Taten vereinbart hätten.

          Ein Aufbruch durch das Projekt

          Um die Vorschläge der 70 Experten zu realisieren, kündigte Bätzing an, für zunächst drei Jahre eine unabhängige diözesane Kommission zu berufen. Zwei der sieben Mitglieder sollten aus den Reihen der Experten gewählt, zwei vom Diözesansynodalrat bestimmt werden. Zwei weitere Mitglieder sollten aus dem Kreis der Betroffenen stammen, eine siebte Person werde von ihm benannt. Um all das zu koordinieren, werde auch er jemanden beauftragen, eventuell auch eine Doppelspitze. Klar sei: „Wir können uns heute nicht auf die Schulter klopfen und sagen: Es ist geschafft. Es ist nicht beendet, wir fangen jetzt an.“

          Zuvor hatten etliche Redner in der Paulskirche ihre Sicht auf das Projekt erläutert. Zwei von sexueller Gewalt Betroffene, Martin Schmitz und Lisa Scharnagl, schilderten ihr Leid und den Umgang von Bistumsverantwortlichen damit. Scharnagl sagte: „Hört auf zu glauben, dass das, worüber wir hier heute reden, in der Vergangenheit liegt.“ Missbrauch gebe es weiterhin.

          Die externe Projektbeobachterin Claudia Burgsmüller sprach von einem Aufbruch durch das Projekt. Es habe „der harten Kultur des Verschweigens im Bistum Limburg seine Arbeitsergebnisse entgegengesetzt“. Projektleiterin Dewi Suharjanto dankte den Betroffenen für deren Mitarbeit. Ihre Perspektive sei entscheidend. Es gehe auch um die „Dokumentation eines Verbrechens“.

          Die komplette Studie finden Sie hier.

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