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Trassen-Bau : Suedlink-Gegner lassen nicht locker - Treffen von Bürgerinitiativen

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Protestaktion: Auch gegen die Pläne von Erdkabeln anstatt Riesen-Strommasten gibt es Widerstand. Schon in Juni 2017 demonstrieren Bürgerinnen und Bürger in Thüringen gegen die Stromtrasse Südlink. Bild: dpa

Um den aus Windenergie gewonnenen Strom von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren, sind große Stromtrassen wie zum Beispiel der Suedlink geplant. Auch gegen die Erdkabel gibt es weiter Widerstand. Gegner der Pläne tauschen sich nun bei einem Treffen aus.

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          Wo genau die Nord-Süd-Stromautobahn Suedlink gebaut wird, ist auch vier Jahre nach Beginn der Planungen offen. Doch zumindest in Hessen ist die Debatte um die Stromtrasse von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg ruhiger geworden. Denn viel spricht derzeit dafür, dass die Kabel wohl durch Thüringen verlegt werden. Doch Bürgerinitiativen drängen weiter darauf, dass Suedlink vorerst gar nicht gebaut wird. Am Samstag treffen sich Vertreter von bis zu 60 Initiativen in Fulda.

          „Uns geht es nicht um den Verlauf einzelner Trassen. Wir lehnen den Bau der großen Übertragungstrassen, so wie er jetzt geplant ist, insgesamt ab“, sagt der Fuldaer Ingenieur Guntram Ziepel (65), Vorsitzender des Bundesverbands der Bürgerinitiativen gegen Suedlink (BBgS). Es sei nicht sinnvoll, in den Trassen-Bau zu investieren, solange kein Gesamtkonzept für die Energiewende existiere.

          Forderung: Investition in Verteilnetze

          Die Versorger müssten zunächst prüfen, welche Netze für Strom und Gas sie überhaupt brauchen. Darin müsse der geplante Ausbau der Windenergie und der erwartete Zuwachs bei Elektrofahrzeugen berücksichtigt werden, fordern die Suedlink-Gegner. Eingerechnet werden müsse auch, dass man Strom in Gas umwandeln, als Gas speichern und die Energie dann über Gasleitungen transportieren könne.

          Die Energieerzeugung müsse vor allem dezentral erfolgen, fordert der BBgS. Deshalb müsse in Verteilnetze investiert werden - nicht in große Starkstromleitungen. „Die großen Trassen sind schon ungeeignet für die Energiewende, weil sie nur übertragen können, wir aber Netze mit vielen Einspeise- und Zapfstellen brauchen“, sagt Ziepel. Suedlink soll ab dem Jahr 2025 den an Land und auf See erzeugten Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland bringen.

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          60 Bürgerinitiativen, die den Bau von Übertragungsleitungen vor Ort ablehnen, sind zu dem zweiten Treffen des Bundesverbands eingeladen. Das erste Treffen fand vor drei Jahren in Fulda statt. Damals sollte Suedlink noch oberirdisch gebaut werden. Fast überall entlang der möglichen Trasse gab es Proteste. Im Juli 2015 vereinbarte die große Koalition in Berlin, dass die Starkstromtrasse unterirdisch gebaut werden soll. Diese Festlegung ließ die Proteste abebben.

          Auf Widerstand stößt Suedlink in Thüringen. Der Netzbetreiber Tennet hatte im Dezember 2017 das Ergebnis einer Trassenuntersuchung bekanntgegeben. Tennet hatte mehrere Ingenieurbüros beauftragt, zu prüfen, wie verträglich für Mensch und Natur drei Trassenvarianten sind: die Tennet-Vorzugstrasse durch Thüringen, die von Tennet entwickelte Alternative, die parallel zur A7 durch Osthessen verläuft, und der Thüringer Vorschlag eines sehr westlichen Verlaufs - unter anderem durch den Vogelsberg und den Spessart.

          Risikogebiete sollen umgangen werden

          Ausschlaggebend bei der Bewertung war der Vergleich der Konfliktstellen. Besonders sensible Areale wie Orte und Schutzgebiete sollen so weit wie möglich umgangen werden. „Die Anzahl der Konfliktstellen im Korridor ist der entscheidende Indikator für seine Eignung“, erklärt die Studie. Der Thüringer Vorschlag stößt auf 70 Konfliktstellen, davon drei als praktisch unüberwindlich geltende Hindernisse der Kategorie „rot“. Die Tennet-Planung durch Thüringen trifft auf nur 41 Riegel oder Engstellen, darunter kein einziges „rotes“ Hindernis. Die Tennet-Alternativplanung an der A 7 stößt auf 61 Konfliktstellen, darunter eine „rote“ Engstelle.

          Tennet zählt auch die Hindernisse der zwei höchsten Risikokategorien, nämlich „rot“ und „orange“: Der Thüringer Vorschlag weist 34 Risikogebiete aus, die Alternativplanung an der A7 noch 18 und der Bau durch Thüringen nur zehn. Tennet bilanziert, seine Vorzugs- und seine Alternativ-Trasse seien besser geeignet und mit geringeren Auswirkungen auf die Umwelt verbunden als der Thüringer Vorschlag.

          Ramelow möchte „Irrsinn auf Thüringer Gebiet“ verhindern

          Die Bundesnetzagentur erklärte Ende Januar, dass sie die von Thüringen vorgeschlagene ganz westliche Variante durch den Vogelsberg und den Spessart nicht weiter verfolgt. Die Variante entlang der A7 ist aber noch nicht vom Tisch. Tennet führte deshalb vor kurzem eine Infoveranstaltung in Bebra durch. Dort informierte der Netzbetreiber darüber, wo die Trasse in den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner verlaufen könnte - wenn sie denn durch Hessen verläuft.

          Die rot-rot-grüne Landesregierung in Erfurt wehrt sich mit allen Mitteln gegen eine Stromleitung durch Südwestthüringen. „Wir werden alles unternehmen, auch juristisch, um diesen Irrsinn auf Thüringer Gebiet zu verhindern“, erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Mitte März. „Jeden Sand, den wir ins Getriebe streuen können, werden wir hineinstreuen.“ Gegen die jetzigen Planungsschritte kann Thüringen nicht klagen. Gegen den Planfeststellungsbeschluss, der für das Jahr 2021 erwartet wird, ist jedoch eine Klage möglich.

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