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Wiesbadener Innenstadt : Start-ups sollen Leerstand verhindern

  • -Aktualisiert am

Soll belebt werden: SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum vor einer Statue an der Kleinen Schwalbacher Straße in Wiesbaden. Bild: Marcus Kaufhold

Innenstädte haben vermehrt mit Attraktivitätsproblemen zu kämpfen. In Wiesbaden sollen deswegen nun Start-ups den Einzelhandel beleben. Im Wi-Co-Pop soll es jedoch noch mehr innovative Formate geben.

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          Die Wiesbadener Innenstadt hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren. Der Rückgang an Besuchern und Käufern führt zu höheren Leerständen. Diesen Teufelskreis möchte die Stadt mit einem Wi-Co-Pop genannten Projekt durchbrechen. Nach Auskunft von Wirtschaftsdezernentin Christiane Hinninger (Die Grünen) soll das innovative Format Leerstand verhindern und neue Zielgruppen für die Innenstadt er­schließen.

          Ort des Projekts sind zwei Gebäude an der Kleinen Schwalbacher Straße, die leer standen und von der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG betreut werden. Das Konzept sieht wie folgt aus: Ein Pop-up-Store mit Schaufenstern im Erdgeschoss ist in einem der Gebäude angesiedelt. Start-ups und Gründer können dort erste wirtschaftliche Gehversuche im Einzelhandel unternehmen und Produkte anbieten, die es bisher noch nicht in der Innenstadt gegeben hat. Der Vorteil für sie ist, dass sie keine Miete zahlen müssen, denn diese übernimmt die Stadt, die das Gebäude von der SEG mietet.

          Niemand hat etwas davon, wenn Gebäude leer stehen

          Die Möglichkeit, Geschäftsideen in der Praxis zu testen, ist allerdings zeitlich begrenzt, denn die Start-ups sollen wechseln und Ende 2023 läuft das Projekt wieder aus. Hinninger und SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum hoffen, dass viele Start-ups in der Stadt präsent bleiben und dort – eventuell auch als genossenschaftlicher Zusammenschluss – ihre Geschäfte weiterführen.

          Die Leerstandsquote in der Innenstadt liegt laut Guntrum derzeit bei acht bis zwölf Prozent. Viele private Eigentümer würden aus diversen Gründen nicht an Gründer vermieten, ergänzte Hinninger. Das Projekt soll diese Barrieren durchbrechen, denn kein Eigentümer habe etwas davon, wenn sein Gebäude leer stehe.

          Das nun als Wi-Co-Pop genutzte Ge­bäude gehört nicht der SEG, sondern wurde an den Investor verkauft, der die City-Passage in die Mauritiushöfe transformieren möchte. Laut Guntrum soll das Haus erst später an den Investor übergeben werden. Mit dem Bau der Mauritiushöfe würde sich die Lage an der Kleinen Schwalbacher Straße, die einst Teil des Wiesbadener Rotlichtviertels war, erheblich verbessern, ist Guntrum überzeugt.

          Das Wi-Co-Pop-Konzept ist aber mehr als ein weiterer Pop-up-Store. „Hier soll Neues nicht nur besprochen, sondern auch ausprobiert und weiterentwickelt werden“, skizzierte Hinninger das engagierte Vorhaben und ergänzte: „Dazu wird es Angebote von Start-ups im Laden geben, aber auch Veranstaltungen und Ausstellungen, die zusätzliche neue Zielgruppen zu einem Besuch in der Innenstadt anregen sollen.“

          Finanzierung durch Stadt und Land

          So gibt es im ersten Stock des Hauses ein Co-Lab, in dem Veranstaltungen möglich sind. Im zweiten Stock ist der sogenannte Co-Space, in dem Ausstellungen für künstlerische Anregungen zur Zukunft der Innenstadt vorgesehen sind. Da für den Erfolg des Projekts Kommunikation unabdingbar ist, gibt es im Erdgeschoss eine Weinbar, die den Namen „Glyg“ führt und in der unbelebten Nebenstraße für mehr Frequenz sorgen soll.

          Als Projektleiter stellt Michael Eibes den Kontakt zu Start-ups her. Etwa 20 interessierte Gründer haben sich bei Eibes angemeldet, wie dieser während der Eröffnung berichtete. Finanziert wird das Vorhaben mit rund 250.000 Euro aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ vom hessischen Wirtschaftsministerium. Die Stadt schießt weitere 63.000 Euro zu.

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