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Weniger Fluglärm als Ziel : Flieger sollen um Städte kurven

Teil des aktiven Schallschutzes: Im Landeanflug sollen die Maschinen Städte umfliegen. Bild: dpa

Im Grunde wird der segmentierte Flug am Frankfurter Flughafen nur in Ausnahmefällen praktiziert. Zu groß war das Flugzeugaufkommen in der Vergangenheit. Nun soll er auch am Tag erprobt werden. Dank Corona.

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          In Jahren mit normalem Verkehrsaufkommen ist der „Segmented Approach“, der nun Offenbach und andere Städte vom Lärm aus der Luft entlasten soll, ganz sicher kein Anflugverfahren für Hauptverkehrszeiten. Schon gar nicht für den Frankfurter Flughafen, der vor Beginn der Corona-Pandemie bis zu 1400 Starts und Landungen am Tag gezählt hat. Denn beim segmentierten Anflug steuern die Maschinen etwa die Frankfurter Südbahn in Kurven an, um große Städte rund um den Airport zu umfliegen und deren Bewohner so von einem Teil des Lärms zu entlasten.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Das ist an Flughäfen wie Kassel-Calden unproblematisch, weil dort auch in normalen Zeiten so wenig Maschinen landen, dass es unter Sicherheitsaspekten praktisch keine Rolle spielt, ob sie nun Kurven fliegen oder nicht. Wenn sich aber in Frankfurt die Flugzeuge zu Hauptverkehrszeiten wie die Perlen einer Kette dicht hintereinander auf die Route einfädeln, wäre es heikel, wenn diese Kette auch noch beginnen würde, sich um östlich des Flughafens gelegene Städte wie Offenbach und Hanau zu schlängeln.

          Daher wurde dieses Verfahren, das schon seit 2011 offiziell als Teil des aktiven Schallschutzes am Frankfurter Flughafen geführt wird, nur zu Zeiten eingesetzt, in denen es eigentlich gar keinen Verkehr geben sollte. Genauer gesagt zwischen 23 und 5 Uhr für verspätete Landungen, die das in diesen Stunden geltende Nachtflugverbot bis 24 Uhr ausnahmsweise zulässt. Das Coronavirus hat nun dazu geführt, dass die Zahl der Starts und Landungen in Frankfurt um fast 64 Prozent (Januar 2021) zurückgegangen ist. Deshalb soll das Umkurven der Städte bis zum Herbst auch tagsüber getestet werden. Darauf haben sich Lufthansa, Fraport und die Deutsche Flugsicherung geeinigt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Luftverkehrswirtschaft nicht damit rechnet, dass sich die Verkehrszahlen bis dahin nennenswert erholen werden. Allerdings wird nur ein Teil der aus dem Süden anfliegenden Maschinen überhaupt von den Fluglotsen auf den kurvigen Weg geschickt. Der andere Teil der Flugzeuge aus südlicher Richtung und alle aus dem Norden kommenden werden die herkömmliche, schnurgerade Anfluglinie nehmen.

          Die Stadt Offenbach lobt den Test trotzdem. Sie kann zumindest damit rechnen, dass sie bei dem in Frankfurt überwiegenden Westbetrieb – Flugzeuge starten und landen in Richtung Westen – nun wenigstens von einem Teil der landenden Maschinen umflogen wird. Da es im Rhein-Main-Gebiet aber praktisch kein unbesiedeltes Gelände gibt, das überflogen werden könnte, werden etwa die Bewohner von Heusenstamm, Obertshausen und anderen Ortschaften südlich und südöstlich von Offenbach nun mehr Lärm bekommen. Denn über diese und andere Kommunen führt die neue kurvige Route. Hinzu kommt, dass am Ende aus Sicherheitsgründen immer dem Piloten die Entscheidung überlassen bleibt, ob er kurvt oder ob er doch die schnurgerade, reguläre Anfluglinie wählt.

          Ungeachtet dessen erhofft sich die Frankfurter Fluglärmkommission von den Tests Aufschluss darüber, ob der segmentierte Anflug nicht auch zu verkehrsstärkeren Zeiten sicher ist und dadurch eine stärkere Lärmreduzierung möglich ist.

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