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Weltreise : 45.000 Kilometer bis nach Hause

  • -Aktualisiert am

Unkaputtbar: Philipp Thiele und sein Toyota Land Cruiser bei einer Passüberquerung in Pakistan. Bild: Philipp Thiele

Philipp Thiele ist mit dem Auto um die halbe Welt gefahren. Auf seinem Weg besuchte er 29 Länder in einem Jahr.

          Das Ende des Dorfes ist in Sicht. Die Rollerfahrer im Rückspiegel werden kleiner. Philipp Thiele wähnt sich in Sicherheit, als vor ihm auf der Straße zwei Lastwagen querstehen. Es gibt keine Möglichkeit vorbeizukommen oder umzudrehen, vor seinem Auto steht eine Traube von 15 Menschen. Eigentlich wollte er sich nur etwas zu trinken kaufen. Er stand an einem Kiosk auf Sumatra in Indonesien, als drei junge Männer auf ihn zukamen und ihn nach seinen Papieren fragten. Sie behaupten, dass sie Polizisten seien, aber Thiele ist misstrauisch. Einer trug ein T-Shirt, auf dem Polizei steht. Sie hielten Marken vor sein Gesicht, aber Thiele weiß, dass solche Marken in Indonesien einfach zu kaufen sind. Er entscheidet sich zur Flucht, springt in sein Auto und rast davon. „Da hatte ich wirklich Angst“, sagt Thiele heute. „Da siehst du drei Halbstarke ohne Uniform, und die zeigen dir irgendwelche Marken.“

          Für ihn war das in dem Moment eher verdächtig, denn in Indonesien gäbe es viele uniformierte Polizisten.Durch die Lastwagen ausgebremst, bleibt Thiele im Auto sitzen. Die Menschen fordern ihn auf auszusteigen, aber er bleibt stur, solange niemand in Uniform oder zumindest mit einem Polizeiauto dazukommt. Irgendwann gibt Thiele nach. Es könnten vielleicht doch Polizisten sein, denkt er sich. Sie durchsuchen sein Auto, wollen manche Gegenstände konfiszieren, lassen sie aber doch liegen. Dann darf er weiterfahren. Wenn Thiele die Geschichte heute erzählt muss er lachen: „Im Nachhinein ist es schon wahrscheinlich, dass die was mit der Polizei zu tun hatten“, sicher ist er sich bis heute nicht. Eine Flucht vor der vermeintlichen Polizei war nicht die einzige außergewöhnliche Situation, mit der sich der 24 Jahre alte Mainzer im vergangenen Jahr konfrontiert sah.

          Auf den Land Cruiser ist Verlass

          Auf seiner Reise traf er Menschen verschiedenster Kulturen, eine Meute Taxifahrer vertrieb ihn aus der Stadt, und er traf eine junge Dame, die sein Herz eroberte – Hündin Tiksa. Thiele ist Mainzer, ein Kind der Neustadt, wie er sagt. Nach dem Abitur zieht es ihn ins Ausland. Er jobbt sechs Monate hier und da, um sich einen Flug nach Australien leisten zu können. Ohne Rückflugticket. In Australien arbeitet Thiele und genießt die Sonne. Hin und wieder reist er, unter anderem nach Neuseeland oder Deutschland, er kommt aber immer wieder nach Australien zurück. In Sidney arbeitet er in einer Bar und trifft dort einen Griechen und seine Lebensgefährtin. Die beiden sind mit dem Motorrad von London bis nach Australien gefahren. Sie reden, und erstmals kommt Thiele der Gedanke, dass er so eine Reise auch machen möchte.

          In den folgenden Monaten arbeitet er viel und verdient sich das Geld für sein bevorstehendes Abenteuer. Mit dem Auto von Australien nach Mainz zu fahren ist sein Plan, 30.000 Euro braucht er dafür. Bis er das nötige Geld zusammengespart hat, vergehen dreieinhalb Jahre. Im Alter von 22 Jahren ist Thiele bereit für die Reise. Die Überlegung, mit dem Motorrad zu fahren, hat er verworfen. Er will mit dem Auto fahren, einem ganz speziellen. Als Thiele nach Australien kommt, kauft er sich einen Toyota Land Cruiser. Kurze Zeit später muss er den Dreitonner wieder verkaufen. „Es gab Ärger mit den Papieren“, sagt er heute und schmunzelt. Einige Monate später kauft er das gleiche Modell wieder, verkauft ihn aber vor einer Reise nach Neuseeland abermals. Nun also der dritte Land Cruiser, der ihn bis nach Deutschland bringen soll. Robust und praktisch sei das Modell. „Ich habe die Autos nie gehegt und gepflegt, aber sie waren immer sehr zuverlässig.“

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