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Weltkulturerbe-Wunsch : Dem Odenwaldlimes fehlt bloß das Unesco-Logo

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Durch geophysikalische Untersuchungen wurden im Boden im Inneren des Walls vor vier Jahren Hinweise entdeckt, die nicht nur auf jene „Via praetoria“, sondern auch auf Gebäude wie beispielsweise das sogenannte Horreum, einen Getreidespeicher, hindeuten könnten. Weidmann erläutert bis auf Pixel pro Inch, wie solche Untersuchungen funktionieren. In einem Graumuster zeigten weiße Stellen, wo sich im Boden dichtes Material wie beispielsweise Stein befinde, sagt der Würzberger. So könnten später die Bauten aufgezeichnet werden, ohne dass man sie ausgraben müsse. Auf diese Weise blieben sie unbeschädigt und konserviert.

Einst Platz für 160 Soldaten

Entlang des etwa 80 Kilometer langen Limes gab es vier größere sogenannte Kohortenkastelle sowie mehrere Numerus- und Kleinkastelle. In einem Numeruskastell, wie es in Würzberg stand, lebten etwa 160 Soldaten. Je nach Begebenheit des Geländes gab es außerdem alle 500 bis 700 Meter einen Wachposten, so dass am gesamten Odenwaldlimes an etwa 88 Plätzen zwei bis drei Wachtürme gestanden haben dürften. An vielen Orten, unter anderem in Würzberg, sind noch heute die Grundrisse mancher Wachtürme durch Rekonstruktionen nachvollziehbar.

„Es gab verschiedene Entwicklungsphasen am Limes“, sagt Schallmayer. Nach und nach wurde die Grenzanlage ausgebaut: Während es anfangs nur einen Patrouillenweg gab, wurde er später durch Wachtürme und Palisaden verstärkt. In einer dritten Phase wurden die hölzernen Wachtürme durch Steinbauten ersetzt und zuletzt zusätzlich mit Wall und Graben abgesichert. Der Odenwaldlimes habe nur die ersten drei Phasen durchlaufen, da zum Zeitpunkt der vierten und letzten Ausbauphase die Grenze bereits auf den obergermanisch-raetischen Limes vorverlegt worden sei, erklärt Schallmayer. Weil es Wall und Graben entlang der Grenze im Odenwald nicht gegeben habe, seien auch keine Wallaufschüttungen vorhanden, die die einstige Grenze sichtbar machen könnten.

Finanzspritze von der Denkmalschutz-Stiftung

Trotzdem erinnern viele Spuren an den ehemaligen Grenzverlauf des Römischen Reiches: In Lützelbach zum Beispiel ist der Wehrgraben des Kastells erkennbar, an der Turmstelle „in den Vogelbaumhecken“ in der Nähe von Würzberg wurden die Sockel eines Holz- sowie eines Steinturms restauriert und Holzpalisaden errichtet, im Englischen Garten in Eulbach sammelte schon Graf Franz I. zu Erbach-Erbach römische Denkmäler und ließ das Tor des Würzberger Kastells – wenn nach heutigen Erkenntnissen auch falsch – mit Originalsteinen aufbauen.

Weidmann arbeitet momentan an einem sogenannten Limesentwicklungsplan mit, der Voraussetzung zur Bewerbung auf Anerkennung als Weltkulturerbe ist. Am Freitag überreicht die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 40.000 Euro für die Sanierung verschiedener Wachtturmstellen am Odenwaldlimes.

Schallmayer selbst ist wenig optimistisch. Er weiß, dass es ein mühsames Prozedere bis dahin ist. Denn es sei nicht möglich, einfach den Odenwald-Abschnitt des Limes zum Anhängsel des Unesco-Weltkulturerbes zu deklarieren. Vielmehr müsste in einem Managementplan unter anderem der gesamte Limes genau vermessen werden. Außerdem wären touristische Konzepte auszuarbeiten. In England hingegen habe man zwei Grenzlinien des Römischen Reiches von Anfang an gemeinsam für die Unesco-Welterbeliste vorbereitet. Am Limes sei das in Deutschland nicht geschehen. Zudem gebe es lange Wartelisten. Der Odenwaldlimes als Unesco-Weltkulturerbe müsse deshalb wohl vorerst Utopie bleiben.

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