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Welterbe Mittelrheintal : Die Loreley darf wieder hoffen

Romantisch: Blick vom Lorcher Stadtteil Lorchhausen auf das Mittelrheintal Bild: Samira Schulz

Seit 20 Jahren gehört die Region zwischen Rüdesheim und Koblenz zum Unesco-Welterbe. Der Niedergang in den Kommunen im romantischen Mittelrheintal scheint gestoppt, aber die Herausforderungen sind weiter groß.

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          Die düsteren Prognosen mancher Fachleute ha­ben sich nicht bewahrheitet. Doch von einer blühenden Landschaft ist das romantische Mittelrheintal allen Anstrengungen zum Trotz auch noch weit entfernt. Immerhin scheint die Talsohle – beispielsweise für den die Kulturlandschaft prägenden Weinbau – durchschritten. Vorsichtiger Optimismus macht sich breit. Die Bundesgartenschau 2029 könnte das langersehnte verbindende Element des Tals werden, auch wenn die von vielen erhoffte Mittelrheinbrücke bis dahin wohl nicht gebaut sein wird.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Vor 20 Jahren hat die UNESCO das 67 Kilometer lange Flusstal zwischen Rüdesheim/Bingen und Koblenz zum „Welterbe“ erhoben. Eine Auszeichnung, die zugleich eine Verpflichtung ist. Vor allem für das Land Rheinland-Pfalz, weil mit Rüdesheim und Lorch nur der westlichste Zipfel von Hessen in das Welterbe hineinragt. Anfängliche Überlegungen der hessischen Landesregierung, den gesamten Rheingau einzubeziehen, hatten wegen der Widerstände der meisten Rheingauer Kommunen, die um ihre Planungshoheit fürchteten, und auch wegen der Skepsis im Nachbarland von vorneherein keine Erfolgschancen.

          Im Jahr 1996 war auf maßgebliches Drängen des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) das langwierige Antragsverfahren eingeleitet worden. Doch in der Schlange vor den UNESCO-Gremien warteten damals die Essener Zeche Zollverein XII, das Dessauer Gartenreich, das Bremer Rathaus, die Dresdner Elbfront und die Regensburger Altstadt auf Anerkennung. „Wir wollen aus dem Mittelrheintal kein Museum machen, sondern eine lebendige Region“ – das war das Motto der Bewerbung, das alle Skeptiker der Idee besänftigen sollte.

          Ökonomisch zählt das Tal zu den benachteiligten Regionen

          Im Juni 2002 bestätigte die UNESCO bei ihrer Tagung in Budapest den „außergewöhnlichen universellen Wert“ des von rund 40 Burgen gesäumten Tals. Ein Jahr später wurden die Anerkennungsurkunden feierlich übergeben. Zwei Bundesländer, fünf Landkreise und fast 60 Kommunen und Verbandsgemeinden bilden seit 2005 den Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal, der die Entwicklung begleiten, fördern und koordinieren soll.

          Hotel in der Höhe: Burg Gutenfels mit der Blücherstatue in Kaub
          Hotel in der Höhe: Burg Gutenfels mit der Blücherstatue in Kaub : Bild: Samira Schulz

          Eine Entwicklung, die das wirtschaftsschwache Tal dringend nötig hatte und immer noch hat. Ökonomisch zählt es bis heute zu den benachteiligten Regionen des Landes. Die Bevölkerungszahlen gingen stetig zurück. In den Zentren von Kommunen wie beispielsweise Kaub prägten Leerstände in den Geschäften das Bild. Zudem war der Bahnlärm zur kaum noch erträglichen Geißel des Tals geworden. Und der wegen der Steillagen landschaftsprägende Weinbau hatte seit Ende der Siebzigerjahre einen beispiellosen Niedergang erlebt: Die Rebfläche war von mehr als 2000 auf weniger als 500 Hektar geschrumpft. Das Mittelrheintal präsentierte sich seinen Gästen als romantisch-schöne, aber ökonomisch daniederliegende Region.

          Ein Politiker, der aus hessischer Sicht die Entwicklung der zurückliegenden 20 Jahre von Beginn an mitgestaltet hat, ist der frühere Welterbe-Dezernent Karl Ottes. Seiner Ansicht nach kann von einer blühenden Region immer noch keine Rede sein. Doch im Tal habe sich in diesen zwei Jahrzehnten ein „Gemeinschaftsgefühl“ breitgemacht, so Ottes. Das sei schon ein bedeutender Fortschritt.

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