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Weiterbau der A 49 : Mit der Hebebühne zu den Maskenträgern

  • -Aktualisiert am

Wir müssen hier raus: Vermummte Aktivisten sitzen am 1. Oktober in einem Baumhaus im Herrenwald. Bild: Lucas Bäuml

Ein Viertel der Flächen für den Weiterbau der Autobahn 49 ist bereits gerodet. Mit dem von Aktivisten besetzten Dannenröder Forst steht die Bewährungsprobe aber erst noch bevor.

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          Knapp vier Wochen nach Beginn der Rodungsarbeiten für den Weiterbau der A 49 in Mittelhessen hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine positive Zwischenbilanz gezogen. Bisher seien die Bäume auf gut 20 der zu räumenden 85 Hektar gefällt worden, sagte der GdP-Vorsitzende des Bezirks Mittelhessen, Harald Zwick, auf F.A.Z.-Anfrage. Größere Zwischenfälle habe es bei den Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf und im Maulbacher Forst bei Homberg/Ohm nicht gegeben. Die Bewährungsprobe stehe mit dem von Hunderten Aktivisten besetzten Dannenröder Forst allerdings erst noch bevor.

          An Rodungstagen sei seit dem 1. Oktober insgesamt eine vierstellige Zahl von Polizisten aus einem Umkreis von 150 Kilometern aktiviert worden, berichtet Zwick, der zwar nicht selbst im Einsatz, aber nach eigenen Worten als „Beobachter und Kümmerer“ mehrmals bei den Baumfällarbeiten anwesend war. Auch aus anderen Bundesländern kämen Einsatzkräfte, beispielsweise solche, die bei der Räumung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen Erfahrung gesammelt hätten. Könnten die Rodungsarbeiten bis zum 28. Februar nicht beendet werden, müssten sie wegen der Naturschutzgesetze bis 30. September 2021 pausieren.

          Im nördlich des Dannenröder Forsts gelegenen Herrenwald sei die Rodung weit fortgeschritten, im südlich gelegenen Maulbacher Forst schon beendet. In den beiden Gebieten habe die Polizei täglich eine zweistellige Zahl von Aktivisten von den Bäumen geholt, schildert der Gewerkschafter. Das übernähmen speziell ausgebildete Interventionsteams, die mit Hebeplattformen in bis zu 48 Meter Höhe gelangen könnten.

          Körperkontakt lässt sich nicht vermeiden

          „Von den Demonstranten, die freiwillig gehen, sobald sie dazu aufgefordert werden, werden keine Personalien aufgenommen“, sagt Zwick. Das passiere erfreulicherweise relativ häufig. Andere Autobahngegner müssten weggetragen werden, wehrten sich aber nicht. In der Regel verlaufe alles friedlich. Nur einmal habe es Rangeleien gegeben.

          Körperkontakt lasse sich bei einem solchen Vorgehen der Sicherheitskräfte nicht vermeiden – ein Problem in Zeiten von Corona. Aus Sorge um die Gesundheit der Kollegen habe sich die GdP schon im September an den hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) gewendet. Der habe umgehend reagiert, lobt Zwick. Innerhalb einer Woche sei ein Hygienekonzept für Großeinsätze erarbeitet worden, das Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität überprüft und für gut befunden hätten. Auch die Demonstranten hielten sich „vorbildlich“ an die Maskenpflicht. Sicherheit gehe vor, sowohl für Polizisten als auch für Demonstranten, hebt Zwick hervor. Daher werde in einem zur Rodung anstehenden Areal zunächst Baum für Baum kontrolliert, ob sich jemand darauf befinde. Erst dann dürften die Fällmannschaften mit ihren Maschinen anrücken.

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