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Eltville Weinversteigerung : 18.000 Euro für einen Riesling

Die vierstündige Eltville Weinversteigerung im Kloster Eberbach hatte in diesem Jahr nicht nur einen Höhepunkt. Bild: Hessische Staatsweingüter

Für ein 100 Jahre alten Wein aus der Schatzkammer des Schloss Johannisberg hat ein unbekannter Käufer 18.000 Euro bezahlt. Das war nicht der einzige Höhepunkt während der Eltville Weinversteigerung im Kloster Eberbach.

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          Das Publikum applaudierte stehend: 18.000 Euro war am Samstag einem unbekannten Weinfreund eine 1920er Riesling Trockenbeerenauslese von Schloss Johannisberg wert. Ein solch hohes Gebot hatte es bei den Versteigerungen im Laiendormitorium des Klosters schon viele Jahre nicht mehr gegeben. Entsprechend euphorisch war die Stimmung am Ende der vierstündigen Auktion, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswert war.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nicht nur wegen des 100 Jahre alten Weinunikats aus der Schloss Johannisberger Schatzkammer, die Ende Januar vorsorglich noch einmal verkostet und neu verkorkt worden war. „Bernsteinfarben mit goldenen Reflexen. Intensive Nase mit ausgeprägten Aromen, die an Orangenmarmelade, getrocknete Aprikose und Feige erinnern“, notierte bei dieser Gelegenheit Stefan Doktor, einer der beiden Geschäftsführer auf Schloss Johannisberg. Für ihn war das Ergebnis vor allem deshalb ein schöner Erfolg, weil das Schloss in diesem Jahr „300 Jahre exklusiver Riesling-Anbau“ feiert.

          Bieten über das Internet

          Der Käufer der Weinrarität blieb unbekannt, weil im Saal von Kloster Eberbach ausschließlich die beauftragten Weinkommissionäre bieten dürfen. Seit drei Jahren dürfen Bieter allerdings von außerhalb auch über das Internet mitsteigern, was laut Dirk Würtz vom Verband der Prädikatsweingüter am Samstag den Absatz von „einigen hundert Flaschen“ bewirkt hat. Insgesamt wurden 5069 Flaschen (Vorjahr 6105) Wein versteigert. Der kumulierte Startpreis lag bei 78.000 Euro, der Versteigerungserlös insgesamt bei fast 195.000 Euro (Vorjahr 189.000).

          Eigentlich hätte Leo Gros an diesem Tag sein 25.Jahr als Auktionator feiern können. Doch wegen eines Unfalls von Gros musste VDP-Ehrenpräsident Michael Prinz zu Salm-Salm einspringen. Im ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder hatte Bacchus Corona getrotzt. Das Dormitorium war mit rund 500 Weinbegeisterten bis auf den letzten Platz besetzt. Es hatte sogar eine Warteliste gegeben.

          Salm-Salm zelebrierte eine Auktion, wie sie das Kloster schon lange nicht mehr erlebt hatte. Vor allem für reife Weine und solche in Großflaschen wurden beträchtliche Preise gezahlt. Das Weingut Allendorf hatte seinen „2018 Goethewein aus dem Brentanohaus“ in eine Zwölfliterflasche gefüllt und erzielte dafür 4500 Euro. Im vergangenen Jahr lag das Spitzengebot für den 2017er in der Großflasche bei 3300 Euro. Das Weingut Balthasar Ress bot eine mit 26 Litern Rüdesheimer Spitzenwein gefüllte „Sovereign“-Flasche mit Künstleretikett und lackierter Holzkiste an und strich für den gigantischen Glaskörper 6000 Euro ein. Der Käufer erhält nicht nur die mehr 70 Kilogramm wiegende Flasche, sondern auch die Zusage, dass Winzer Christian Ress zu jedem Ort der Welt anreisen wird, um die Flasche zum gegebenen Zeitpunkt persönlich zu öffnen.

          „Historischer Augenblick“

          Dagegen wirkte eine Sechsliterflasche mit einem Großen Riesling-Gewächs von Schloss Johannisberg fast winzig, obwohl der Preis von 1400 Euro durchaus beachtlich war. Für 1000 Euro wurden jeweils zwei Dreiliterflaschen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder aus dem sehr guten Jahrgang 2009 versteigert. Zwei Flaschen Riesling Auslese des Jahrgangs 1970 wurden vom Weingut August Eser für 50 Euro angeboten. Verkauft wurden sie für jeweils 450 Euro.

          Zweiter Höhepunkt des Tages war aber neben dem 100 Jahre alten Johannisberger ein „Assmannshäuser Höllenberger Spätburgunder Natur“ aus dem phänomenalen und seltenen Jahrgang 1945. Staatsweingüter-Geschäftsführer Dieter Greiner hatte den Tropfen als Benefizwein auserkoren, der zugunsten des „Hospiz Bergstraße“ versteigert werden sollte. Greiner hatte auf mindestens 3000 Euro gehofft und von bis zu 8000 Euro geträumt. Am Ende erhielt ein Weinfreund nach einem heftigen Bietgefecht den Zuschlag erst bei 12.600 Euro. Auktionator Salm-Salm setzte für diesen Moment des Zuschlags ehrfurchtsvoll seinen Zylinder auf und sprach von einem historischen Augenblick. Das sei vermutlich der höchste Preis, der je für einen deutschen Spätburgunder gezahlt worden sei. Im Saal erhoben sich die Weinfreunde. Weinmagie im Kloster.

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