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Weinlese in Rheinhessen : Der Regen füllt die Trauben

Erntereif: Weinberg mit Trullo bei Flonheim Bild: dpa

In Rheinhessen beginnt die Weinlese – doch nicht überall haben sich die Trauben gleich gut entwickelt. Erste Prognosen sprechen von einem ordentlichen Jahrgang.

          2 Min.

          Wer im Wingert arbeitet, braucht Geduld. Denn in den etwa 100 Tagen zwischen dem Abschluss der Blüte und der Lese, mit der in Rheinhessen in diesen Tagen vielerorts begonnen wird, kann viel passieren. Thomas Schätzel, Vorsitzender des Vereins Rheinhessenwein, der in Selzen den Kapellenhof führt, will deshalb erst dann eine Bewertung des Jahrgangs 2020 abgeben, wenn die Trauben eingeholt und „alles im Keller“ sei. Einige seiner Kollegen, die sich am Donnerstag im Mainzer Kulturzentrum „Kuz“ zu einer Art „Speed-Dating“ mit Fachpublikum eingefunden hatten, waren nicht ganz so vorsichtig. Die Qualität der Trauben sei, auch wenn sie mancherorts zu viel Sonne und zu wenig Regen abbekommen hätten, in aller Regel gut, so dass die Qualität des Jahrgangs 2020 am Ende stimmen dürfte. Nach einer zuletzt eher mageren Ernte, bei der 2019 zirka 20 Prozent weniger als im Vorjahr und rund sechs Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt gelesen wurden, spricht aktuell vieles für einen ordentlichen Ertrag.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Bundesweit rechnet das Deutsche Weininstitut (DWI) in den 13 deutschen Anbaugebieten mit einer Erntemenge von rund neun Millionen Hektolitern Wein, womit man über dem Mittel der vergangenen zehn Jahre liegen dürfte. Da es nun etwas kühler geworden sei, geht DWI-Sprecher Ernst Büscher von einer eher „entspannten Lese“ aus. Da der Regen sehr unterschiedlich verteilt gewesen sei, stelle sich die Lage in einzelnen Regionen allerdings recht unterschiedlich dar. Grundsätzlich hätten sich die meisten Sorten gut entwickelt, so dass der Winzer jetzt „nur noch“ den optimalen Zeitpunkt für die Lese bestimmen müsse, um zu verhindern, dass der Wein durch die Umwandlung von Zucker in Alkohol „zu schwer“ werde.

          Ein „neidischer Herbst“

          Nach Ansicht von Udo Diehl, Mitarbeiter des fürs Marketing verantwortlichen Vereins Rheinhessenwein, war und ist die Wasserversorgung der Rebstöcke in diesem Jahr „der begrenzende Faktor“ bei der Traubenentwicklung. Während es zuletzt beispielsweise in Mainz und Worms kräftig geregnet habe und sich „die Trauben ordentlich füllen“ konnten, sei es rund um Alzey im Juli und August viel zu trocken gewesen. Vieles spreche also für einen „neidischen Herbst“, da die Winzer je nach Standort vermutlich eine mehr oder weniger erfreuliche Ernte einfahren werden.

          Knapp 3000 Weinbaubetriebe sind in Rheinhessen, der Region zwischen Mainz, Bingen, Worms und Alzey, gemeldet, die sich auf 133 Gemeinden verteilen und von denen die meisten eine mittlere Größe mit 15 bis 20 Hektar bestockter Rebfläche haben. Typisch für das hügelige Anbaugebiet sind bei den Weißweinen Riesling und Müller-Thurgau mit einem Anteil von 18 beziehungsweise 15 Prozent; gefolgt von Silvaner und Grauem Burgunder, die für acht respektive sieben Prozent der Ernte sorgen. Gerade dem Silvaner wird in Rheinhessen besondere Beachtung geschenkt, da er dort als harmonischer Wein mit feiner Säure und zarter Blume gilt.

          Alles in allem wurden diesmal 54 regionale Weine, darunter auch Rote wie Spätburgunder und Portugieser, aus 21 Weingütern von der Jury prämiert, um fortan als ausgewählte Vorzeigeprodukte ein bisschen Werbung für Deutschlands flächenmäßig größtes Anbaugebiet zu machen.

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