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Weinbau im Rheingau : Streit um Zentralkellerei wird wohl die Justiz beschäftigen

Es geht um mehr als nur ein „Loch” bei der Staatsdomäne Steinberg Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Rheingau ist gespalten und in Aufruhr. Ein noch nicht gegrabenes Loch neben einer historisch bedeutsamen Weinbergslage erregt die Gemüter zwischen Walluf und Lorch und schlägt landespolitische Wellen.

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          Der Rheingau ist gespalten und in Aufruhr. Ein noch nicht gegrabenes Loch neben einer historisch bedeutsamen Weinbergslage erregt die Gemüter zwischen Walluf und Lorch und schlägt landespolitische Wellen. Der Streit ist so hitzig, daß der Austausch rationaler Argumente wohl erst wieder vor dem Verwaltungsgericht gelingen wird, auf dessen Schreibtisch das Vorhaben in Kürze landen könnte: die Errichtung einer unterirdischen Zentralkellerei für rund 15 Millionen Euro durch die Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach GmbH neben dem bestehenden Betriebshof der Domäne Steinberg und unweit von Kloster Eberbach.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Dort nahm die Geschichte der Staatsweingüter 1136 ihren Anfang, als Zisterziensermönche unter Führung von Bernhard von Clairvaux ein Kloster gründeten, das sich schnell zu einem mittelalterlichen Mischkonzern mit Weinerzeugung und Weinhandel als Umsatzträgern entwickelte. Der einen Steinwurf entfernte, von einer drei Kilometer langen Mauer umgebene Steinberg galt als "Lieblingsweinberg" der Mönche.

          Alles soll anders werden

          Die Tradition des Weinklosters Eberbach führten nach der Säkularisierung 1803 die Nassauer und danach die Preußen fort. Heute gehört das im Jahr 2003 in eine GmbH umgewandelte größte deutsche Weingut dem Land Hessen und somit dem Steuerzahler, dem es aber keine Freude bereitet. Zumindest wenn es ihm nicht nur auf Weingenuß ankommt, denn in den Jahren seit 1988 erforderte das Weingut zur Abdeckung seiner Defizite einen jährlichen Landeszuschuß zwischen 500 000 und 1,2 Millionen Euro.

          Nun soll alles anders, der Wein noch besser werden und die Bilanz ins Plus kommen. Unter Roland Koch (CDU) ging eine hessische Landesregierung erstmals ernsthaft daran, die Staatsweingüter streng betriebswirtschaftlich auszurichten. Mit Dieter Greiner wurde 2001 ein ehrgeiziger Geschäftsführer bestellt und die Umwandlung des Landesbetriebs in eine GmbH eingeleitet.

          Im Jahr 2001 wurden zudem und zunächst vorsichtig die Pläne enthüllt, das Staatsweingut solle zu seinen Wurzeln zurückkehren: nach Kloster Eberbach, wo schon jetzt die "Schatzkammer" mit den edelsten Tropfen des Weingutes untergebracht ist. In das Kloster soll die Weingutsverwaltung als Mieterin einziehen. Und für 15 Millionen Euro soll eine neue, unterirdische Kellerei neben dem Steinberg gebaut werden.

          Koch sagt ja

          Daß die bestehende Kellerei am bisherigen Standort in Eltville dringend modernisiert werden muß, ist unbestritten. Die Arbeitsabläufe im Altbau sind aufwendig und beschwerlich. Noch immer gibt es veraltete und ungekühlte Druck- und Betontanks. Wunsch der Staatsweingüter ist es, daß die Qualität der Kellertechnik endlich der Güte der Weinberge entspricht.

          Ministerpräsident Roland Koch (CDU) traf im Mai 2003 die unerwartete Entscheidung, selbst den Aufsichtsratsvorsitz der Staatsweingüter zu übernehmen und das Projekt voranzutreiben. Vier Monate später entschied das Gremium endgültig, neben dem Steinberg die unterirdische Kellerei zu errichten. Mit modernster Ausstattung sollte das staatliche Weingut endlich in die Lage versetzt werden, ohne Zuschüsse des Steuerzahlers auszukommen.

          Finanziert werden soll das Projekt jeweils zur Hälfte aus dem Verkauf nicht länger benötigter Weinguts-Liegenschaften, die das Land zum Festpreis von 7,5 Millionen Euro übernimmt, und durch Aufnahme von Krediten, die durch eine Patronatserklärung des Landes für das Staatsweingut zinsgünstig sein werden. Ohne Umzug und Verkauf des alten Standorts Eltville für rund vier Millionen Euro geriete diese Finanzierung ins Wanken.

          SPD sagt nein

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