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Wegen Niedrigpreis-Politik : Grüne mit Kuh rufen zum Boykott für Aldi-Milch auf

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Der Landtagsabgeordnete und Bio-Bauer Martin Häusling (Die Grünen) und Kuh „Zaire” vor einer Aldi-Filiale in Wiesbaden Bild: dpa

Unterstützt von der Kuh „Zaire“ haben die hessischen Grünen zu einem Boykott von Aldi-Milch aufgerufen. Aldi habe eine neue Preissenkungswelle für Milch ausgelöst und Vollmilch auf Niedrigstpreis-Niveau gebracht. Auch Agrarministerin Lautenschläger nahm den Handel ins Visier.

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          Unterstützt von der demonstrationserprobten Kuh „Zaire“ haben die hessischen Grünen zu einem Boykott von Aldi-Milch aufgerufen. Aldi habe als faktischer Preisführer zu Beginn der Woche den Preis für einen Liter Vollmilch auf den Niedrigstpreis von 48 Cent gesenkt, begründeten der Grünen-Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir und der Landtagsabgeordnete und Bio-Bauer Martin Häusling die Aktion vor einem Wiesbadener Aldi-Markt. Der Discounter habe eine neue Preissenkungswelle für Milch ausgelöst. Die Politiker verteilten an der Seite der gelassenen Rotbraunen Flugblätter an Kunden.

          Auch Hessens Agrarministerin Silke Lautenschläger (CDU) kritisierte den Handel scharf. „Er verramscht die gute Milch. Es kann nicht sein, dass Milch im Laden billiger verkauft wird als Mineralwasser“, sagte Lautenschläger in Vöhl am Edersee. Kurzfristig schade das der Milchwirtschaft, die langfristige Folge sei aber besonders verheerend: „Bei den Verbrauchern setzt sich der falsche Eindruck fest, dass es sich um einfache Erzeugnisse ohne besonderen Wert handelt. Dies bedeutet einen enormen Imageschaden, der zu Lasten der gesamten Milchwirtschaft geht.“

          Häusling warnte, eine solche Preispolitik mache die Milchbauern kaputt. Sie erhielten nur noch 20 Cent je Liter. „Davon kann man nicht leben“, sagte er. Wenn sich nichts ändere, stünden noch in diesem Jahr 1000 der 4500 hessischen Milchbauern vor dem Aus. Nach Ansicht der Grünen sollten die Verbraucher ihre Marktmacht ausnutzen und „unanständigen Lockvogelangeboten“ die rote Karte zeigen. Anderenfalls werde es bald kein ausreichendes Angebot an heimischer Milch mehr geben, erklärte Al-Wazir. Milch zu fairen Preisen gibt es laut Häusling beispielsweise in Biomärkten und -läden.

          „Ein paar Cent mehr für den Liter machen mich nicht arm“

          Von den Kunden zeigten nicht wenige Verständnis für die Aktion. „Mir tun die Bauern auch leid“, sagte eine Kundin. „Ein paar Cent mehr für den Liter machen mich nicht arm“. Ein anderer Kunde sagte, „wenn der Aldi-Chef einige Cent weniger am Liter Milch verdient, hat er immer noch genug Geld, um den Beitrag für seinen Golfclub zu zahlen.“ Allerdings gab es auch den Kurz-Kommentar „Quatsch“ zu der Aktion.

          Die zehn Jahre alte Kuh aus dem Bestand von Häusling posierte unter anderem vor einem Aldi-Poster mit der Aufschrift „Wieder Preise gesenkt“. Sie hat schon einige politische Auftritte hinter sich. So verstärkte sie eine Aktion gegen Gentechnik vor dem Wiesbadener Landtag und ließ dabei gelassen die Streichelaktionen einer ganzen Schulklasse über sich ergehen. Lange Anreisen im Hänger zu den Aktionen vertrage das Tier auch gut, betonte Häusling, der „Zaire“ das Gnadenbrot zugesichert hat.

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